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Paul Celan (I920-I970)



widerlegt die so oft zitierte Behauptung, nach Auschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben. Freilich muß er, wenn er das grauenvolle Erleben von Krieg, KZ und Gaskammer darstellen will, sich einer vollkommen neuen Sprache bedienen. Um mit seinen Gedichten 'durch die Zeit durchzugreifen", verläßt er den Bezirk eines glasklaren, klassischen Deutsch und begibt sich in den Schatten irrationaler Gehalte und magischer Kräfte der Sprache. Sein erster Gedichtband trug den Titel 'Mohn und Gedächtnis". Das Nebeneinander dieser beiden Begriffe aus verschiedenen Bereichen — dem hellen des bewußten Gedächtnisses und dem an Schlaf und Traum erinnernden magischen der Chiffre Mohn — ist bezeichnend für die Absicht des Dichters. Wirkliches und Unwirkliches bleiben getrennt, sie werden scheinbar isoliert dargeboten, eine Verbindung gibt es so wenig wie eine Antwort auf die gestellten Fragen. Noch konsequenter als in seinem ersten hält Celan sich an dieses Prinzip in seinem zweiten Band 'Sprachgitter" und seinem dritten Gedichtband 'Die Niemandsrose" .

      'Der Tod ist ein Meister aus Deutschland", heißt es in seiner 'Todesfuge" aus 'Mohn und Gedächtnis". Das Entsetzen spricht aus ihr, aber er klagt niemand an, nennt keinen Namen. Anfang und Ende dieser wohl bedeutendsten Dichtung aus unmenschlicher Zeit seien hier zitiert. Man beachte das Weglassen der Satzzeichen, hier ein Stilmittel zur Verdeutlichung der Optik des Fließens und Flutens in einer 'Fuge"!
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts wir trinken und trinkenwir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes 1 I.i.ir Margareteer schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterneer pfeift seine Rüden herbei er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz
Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachtswir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschlandwir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
Der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blauer trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genauein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margareteer hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Lufter spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meisteraus Deutschland dein goldenes Haar Margarete dein aschenes Haar Sulamith.
     

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Paul  Celan  (I920-I970)    





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