Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Das zwanzigste jahrhundert

Index
» Das zwanzigste jahrhundert
» Nach 1945
» Ingeborg Bachmann (I926—I973)

Ingeborg Bachmann (I926—I973)



Moderne Problematik und moderne Form verschmelzen sich schon in ihren ersten Gedichtbnden 'Die gestundete Zeit" und 'Anrufung des Groen Bren" zu packenden Bildern. In ihrem khlen und harten Klang sind ihre Gedichte charakteristisch fr die Gegenwarfslyrik; ihre Wortgew.iltund Musikalitt kommen am sichtbarsten in dem litelgedicht des Bandes 'Anrufung des Groen Bren" zum Ausdruck, das als Beispiel fr ihre Dichtung wiedergegeben sei:


Groer Br, komm herab, zottige Nacht,
Wolkenpelztier mit den alten Augen,
Sternenaugen,durch das Dickicht bredien schimmernddeine Pfoten mit den Krallen,
Sternenkrallen,wachsam halten wir die Herden,doch gebannt von dir, und mitrauendeinen mden Flanken und den scharfenhalbentblten Zhnen,alter Br.........
      Die in dem Bande 'Das dreiigste Jahr" vereinigten Erzhlungen werden sicher einmal zum bleibenden Bestand deutscher Prosa gehren. In ihrer inneren Spannung und berzeitlich modernen Erzhlweise schwingt ein neuer Ton mit, der sich nicht abstrakter oder surrealistischer Ausdrucksmittel bedienen mu, sondern auf natrliche Art ergreift und mitreit.
      Es ist gut, um die geschichtlichen Zusammenhnge zwischen einer Zeit undihrer Dichtung zu wissen. Besser aber ist es, Dichtung unmittelbar auf sichwirken zu lassen. Denn es ist mit einem Gedicht nicht anders als mit jedem
Kunstwerk: es wird nicht gemacht um eines bestimmten Zweckes willen, esentsteht.
      Jean Paul hat dies in seiner unvergleichlichen Art einmal so ausgedrckt:

Nicht der Dichter dichtet, 'es dichtet" in ihm.
      Und der franzsische Dichter Charles Baudelaire sagt ber das Wesen des Poetischen:
Eine Menge Menschen bildet sich ein, das Ziel der Poesie sei etwas Lehrhaftes, sie msse bald das Gewissen strken, bald die Sitten verbessern, bald schlielich etwas Ntzliches vor Augen fhren ... Die Poesie hat, insofern man in sich gehen, seine Seele befragen, an seine Begeisterung sich zurckerinnern will, kein anderes Ziel als sich selbst, sie kann kein anderes haben, und kein Gedicht wird so gro, so edel, so wahrhaft wrdig des Namens Gedicht sein als jenes, das einzig geschrieben wird aus Freude, ein Gedicht zu schreiben.
      Es ist dieser bewunderungswrdige, dieser unsterbliche Instinkt fr das Schne, der uns die Erde und ihre Schauspiele als Zusammenfassung, als Entsprechung des Himmlischen ansehen lt...
      So ist, streng genommen, das Prinzip der Poesie nur das menschliche Streben nach einer hheren Schnheit, und dieses Prinzip offenbart sich in Begeisterung und Entzckung der Seele; eine Begeisterung, die ganz und gar unabhngig ist von der Leidenschaft, weldie Trunkenheit des Herzens, und von der "Weisheit, die der 'Weideplatz der Vernunft ist.
     

 Tags:
Ingeborg  Bachmann  (I926—I973)    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com