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Das zwanzigste jahrhundert
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Nach 1945



Nach I945
Es ist nicht leicht, die Dichtung nach 1945 voll und ganz zu erfassen, geschweige denn sie
objektiv zu würdigen. Wohl aber fordert sie uns - wie jede echte Kunst - zu Auseinandersetzung und Stellungnahme auf. Was sie uns bietet, ist unsere eigene Welt, gesehen und bewertet durch das schöpferische Te [ ... ]
Wolfgang Borchert (I92I-I947)
zum Ausdruck. 'Die Hundeblume", 'Jesus macht nicht mehr mit", 'An diesem Dienstag", 'Die Küchenuhr" sind moderne Kurzgeschichten von psychologischer Einfühlung und meisterhafter Beobachtungsgabe. Am bekanntesten geworden ist Borchert durch sein Drama 'Draußen vor der Tür", in dem er in einer stell [ ... ]
Hermann Kasack (I896—I965)
Er knüpft deutlich an Franz Kafka an. In seinem Roman 'Die Stadt hinter dem Strom (1947) zeichnet der Dichter einen Totentanz unserer Kultur, unseres Glaubens, unserer Hoffnungen, unserer Liebe. Auch der Roman 'Das große Netz" (1952) spielt in einer Scheinwirklichkeit. Er ist, im Kern genommen, eine [ ... ]
Heimito von Doderer (I896—I966)
dar. Er steht deutlich unter dem Einfluß von Robert Musil. Die Gestalten seiner Romane sind Repräsentanten einer untergehenden Gesellschaft, der ehemaligen k. u. k. Monarchie Österreich. Vor diesem historischen Hintergrund spielt sich in seinem wohl bedeutendsten Roman 'Die Strudlhofstiege" (1951) [ ... ]
Stefan Andres (geb. I906).
Zwar ist Andres schon vor 1945 bekannt gewesen, der Schwerpunkt seines Schaffens fällt aber in die Nachkriegszeit. Wohl seine bedeutendste Erzählung ist 'Wir sind Utopia (1943), in der vor dem Hintergrunde des spanischen Bürgerkrieges die Frage nach dem Verhältnis von Mensch, Welt, Gott und Schicksa [ ... ]
Edzard Schaper (geb. I908).
Die Frage des geheimnisvollen Eingriffs Gottes in unsere entgöttlichte Welt steht im Mittelpunkt seines Schaffens. Berühmt geworden ist der Dichter durch seine Romane 'Die sterbende Kirche" (1935), 'Die Freiheit des Gefangenen" (1950) und 'Der Gouverneur" (1954). Von größter Dichte ist seine Erzähl [ ... ]
Heinrich Böit, (geb. I9I7)
zählt vor allem zu den modernen Meistern der Kurzgeschichte, als deren Vater der amerikanische Dichter Hemingway gilt. Im Gegensatz zu diesem aber gestaltet Böll in der Kurzgeschichte sittliche Fragen, die sich zunächst bei ihm an Kriegserlebnissen entzünden. So vereinigt die Sammlung 'Wanderer, ko [ ... ]
Auch Gerd Gaiser (geb. I908)
beginnt - wie Heinrich Böll - sein episches Werk mit der Gestaltung von Kriegserlebnissen. In seiner 'Sterbenden Jagd" (1953) schildert er das bittere Ende einer Jagdstaffel, deren 'Helden" - trotz der erkannten Aussichtslosigkeit - auf ihrem Posten ausharren. In dem Roman 'Eine Stimme hebt an" (195 [ ... ]
Siegfried Lenz (geb. I926).
Er stammt aus Lyck, war als junger Matrose 'Augenzeuge der großen Flucht und des Untergangs vieler Schiffe" und lebt seit 1945 in Hamburg. Als Postulat seines Schaffens nennt er '. . . ein gewisses Mitleid, Gerechtigkeit und einen nötigen Protest". Einige seiner Werke verarbeiten Kriegs- und Nachkri [ ... ]
Uwe Johnson (geb. I934)
siedelte 1959 nach West-Berlin über, als sein erstes Romanmanuskript von ostdeutschen Verlagen nicht angenommen wurde. Hier fand er sogleich einen Verlag für seinen Roman 'Mutmaßungen über Jakob", der das Thema der Teilung Deutschlands zum Gegenstand hat. Auch seine nächsten Werke behandeln menschli [ ... ]
Günther Grass (geb. I927),
der ebenso wie Siegfried Lenz und Uwe Johnson aus dem Osten Deutschlands stammt (geb. in Danzig). Sein erster Roman 'Die Blechtrommel" machte ihn mit einem Schlage bekannt. Die Blechtrommel, ein Kinderspielzeug, wird zum unentbehrlichen Requisit des buckligen, zwergenhaften Oskar Matzerath, der als [ ... ]
Günther Weisenborn (I902-I969).
Trotz harter Anklage findet der Dichter Worte der Liebe in seinem wohl bekanntesten Bühnenstück 'Die Illegalen" (1945), welches das Schicksal einer Gruppe von "Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus behandelt. In der viel gespielten dramatischen 'Ballade vom Eulenspiegel, vom Federle und [ ... ]
Max Frisch (geb. I9II)
Mit sicherem Zugriff geht er die ethischen Probleme unserer Gegenwart an. Vor allem das Problem der Schuld und der aus ihr erwachsenden persönlichen Verantwortung wird in den Dramen 'Die chinesische Mauer" (1945) und ...Als der Krieg zu Ende war" (1948) dichterische Gestalt. Mit 'Don Juan oder die L [ ... ]
Friedrich Dürrenmatt (geb. I92I)
stellt oft mit dem Unterton tiefster Bitterkeit mutige Zeitsatiren auf die Bühne. „Romulus der Große" (1949) läßt die ganze Weltgeschichte zur Farce werden: der letzte weströmische Kaiser interessiert sich mehr für Hühnerzucht als für die Aufgaben der Staatslenkung. Die Komödien „Die Ehe des Herrn M [ ... ]
Peter Weiss (geb. I9I6),
der als tschechischer Staatsangehöriger in Berlin geboren wurde und dort aufgewachsen ist. Er mußte 1933 emigrieren und lebt seit 1939 in Schweden. Sein Schauspiel 'Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Her [ ... ]
Rolf Hochhuth (geb. I93I)
mit seinem Drama 'Der Stellvertreter" (1963). Im Mittelpunkt steht die Gestalt Pius XII., des regierenden Papstes in der Zeit des Naziregimes. Ihm wird vorgeworfen, Hitler nicht den Widerstand geleistet zu haben, den er auf Grund seiner Stellung und aus seiner moralischen Amtsverpflichtung hera [ ... ]
Peter Handke (geb. I942),
der in seinem ersten Stück 'Publikumsbeschimpfung" (1966) unter dem Einfluß von Beat in abgehackten Sätzen alte Theatergewohnheiten ad absurdum führt und damit bewußt die Theaterbesucher schockieren will. Auch in seinem Stück 'Kaspar" (1968) nimmt er die Geschichte des Findlings Kaspar Hauser zum An [ ... ]
Fritz Hochwälder (geb. I9II),
der 1940 in die Schweiz flüchten mußte, entnimmt die Stoffe seiner Dramen vorwiegend der Geschichte. 'Das heilige Experiment" (1944) zeigt am Geschick des Jesuitenstaates in Paraguay, wie immer wieder der Kleine dem Großen geopfert wird. 'Der öffentliche Ankläger" (1948) und 'Die Herberge" (1957) ge [ ... ]
Paul Celan (I920-I970)
widerlegt die so oft zitierte Behauptung, nach Auschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben. Freilich muß er, wenn er das grauenvolle Erleben von Krieg, KZ und Gaskammer darstellen will, sich einer vollkommen neuen Sprache bedienen. Um mit seinen Gedichten 'durch die Zeit durchzugreifen", verlä [ ... ]
Nelly Sachs (I89I-I970)
Sieben Jahre mußte sie unter Hitlers Schergen leiden, bis sie mit Hilfe von Selma Lagerlöf 1940 nach Stockholm fliehen konnte, wo sie bis zu ihrem Tode lebte. 1966 erhielt sie den Nobelpreis. In ihren bildkräftigen, den Psalmen nachempfundenen Versen verzichtet sie auf jede Anklage. Sie will Zeugin [ ... ]
Rudolf Hagelstange (geb. I9I3).
Er findet zuchtvolle, oft hohe, manchmal aber auch schlichte Worte, wenn er das Ewige im Hauche des Vergänglichen aufklingen läßt: Wie ist die Fahrt so wundersam, als ging es über Zeit und Tod . .. Der Mond stieg auf, und Friede kam, indes ich still die Ruder nahm und heimwärts hielt. [ ... ]
Karl Krolow (geb. I9I5)
erinnert in manchem an Georg Trakl, vor allem in der Symbolhaftigkeit seiner Bilder, aber auch dort, wo seine Gedanken schwermütig um Tod und Verwesung kreisen: Ein Spiel Karten die lyrische Landschaft -sehr leicht zu mischen Tod, ungemischt, gezinkt von Angstschweiß Und altem Gelächter, Tod mit [ ... ]
Heinz Piontek (geb. I925)
das klassische Gefäß der Sprache unverletzt, füllt es aber mit modernem Gehalt. Die Gedanken des Dichters kreisen vor allem um die Gefährdung der modernen Existenz. Als Beispiel diene sein bekanntes Gedicht 'Die Furt": Schlinggewächs legt sich um Wade und Knie, dort ist die seichteste Stelle. Wolke [ ... ]
Peter Huchel (geb. I903),
der bis 1971 in der DDR lebte. Unter dem Einfluß der Naturlyrik von Wilhelm Lehmann (S. 176) entstanden seine ersten seiner märkischen Heimat gewidmeten Gedichte, die bereits einen unverwechselbaren eigenen Ton zeigen: Wenn aus den Eichen der Tau der Frühe leckt, knarren die Türen, rädern die Spe [ ... ]
Hans Magnus Enzensberger (geb. I929)
gehört zu den charakteristischsten Vertretern moderner Lyrik. Seine Gedichte (Verteidigung der wölfe, Landessprache, blindenschrifi) zeichnen sich durch eine virtuose Handhabung der Sprache aus. Dabei bedient sich Enzensberger ebenso der 'Weltsprache der modernen Poesie" wie auch der Kunstmittel der [ ... ]
Elisabeth Langgässer (I899-I950)
aus der Bedrückung der modernen Angst mit ihrem Roman 'Das unauslöschliche Siegel" (1947), in welchem der Glaube an Gott und die Nachfolge Christi als letzte Plattform eines sinnerfüllten Lebens erscheint. Die 'Märkische Argonautenfahrt" (1950) behandelt ein ähnliches Thema: Menschen, die sich der W [ ... ]
Marie-Luise Kaschnitz (geb. I90I),
erinnert in ihren Anfängen manchmal an Hofmannsthals Symbolismus. Wie Elisabeth Langgässer, so sieht auch sie des Menschen letzten und einzigen Halt im Dasein Gottes: Es muß doch nodi irgendwo sein Eine Kammer voll Orgelwind, Etwas, das trägt und hält. Ein si [ ... ]
Luise Rinser (geb. I9II)
steht nicht minder fest wie Elisabeth Langgässer und Marie-Luise Kaschnitz auf dem Boden eines positiven Christentums. In ihrem 'Gefängnistagebuch" (1946) gibt sie einen erschütternden Bericht über ihre Haft in der Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Erzählung 'Jan Lobel aus Warschau" (1952) zeigt da [ ... ]
Ingeborg Bachmann (I926—I973)
Moderne Problematik und moderne Form verschmelzen sich schon in ihren ersten Gedichtbänden 'Die gestundete Zeit" (1953) und 'Anrufung des Großen Bären" (1956) zu packenden Bildern. In ihrem kühlen und harten Klang sind ihre Gedichte charakteristisch für die Gegenwarfslyrik; ihre Wortgew.ilt und Mus [ ... ]

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