Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Das zwanzigste jahrhundert

Index
» Das zwanzigste jahrhundert
» Drama
» Georg Kaiser (I878-I945)

Georg Kaiser (I878-I945)



mit seinem Schauspiel 'Die Bürger von Calais" . Den Stoff entlehnte Kaiser der Chronik des piccardischen Dichters Froissart , in welcher dieser das Ringen Philipps

VI.

und Eduards I

II.

um Frankreich geschildert hatte:
Nach seinem Siege bei Crecy marschierte der englische König gegen das stark befestigte Calais, das Frankreichs letztes Bollwerk war. Die Bewohner verteidigten sich heldenmütig und hielten den Belagerern ein volles Jahr stand. Als ihre Vorräte an Lebensmitteln erschöpft waren, boten sie Eduard I

II.

die Ãœbergabe an, wenn dieser nur das Leben der Bürger schonen wollte. Eduard ließ ihnen seine Bedingungen übermitteln: . . . 'Wenn sechs der angesehensten Bürger die Stadt verlassen, nackt, nur mit dem Hemd bekleidet und barhäuptig, den Strick um den Hals, die Schlüssel der Stadt und der Festung in der Hand, so werde ich mit ihnen nach meinem Willen verfahren und die Bewohner in Gnaden aufnehmen."
Kaiser war es nicht um ein historisches Drama zu tun, er nahm die historischen Tatsachen nur zum Vorwand, um seine Idee sichtbar zu machen. Zwei Probleme sind es, die Kaiser im Sinne der expressionistischen Erneuerungsethik lösen will: das Problem der Ehre und das der Tat. Indem er das Pflichtbewußtsein des Bürgers über den Ruhm der Waffen stellt, entscheidet er sich für ein passives Heldentum, das seine Krönung durch die selbstlose Tat erfährt. In der Gestalt des Eustache de Saint-Pierre gelang dem Dichter die reinste Verkörperung des 'neuen Menschen" in der Dichtung des Expressionismus.
      Die Uraufführung dieses Dramas, 1917 in Frankfurt a. M., leitete eine neue Epoche des deutschen Theaters ein. Die Bühne wurde wieder das bevorzugte Forum für die Auseinandersetzung zwischen Dichter und Volk, zwischen der Idee und der Masse.
      Einen Weg vom Einzelmenschen zur Gesellschaft beschritt Kaiser vor allem in der gewaltigen Trilogie 'Gas" . Die Trilogie soll nach des Dichters Worten mitten hineinführen in die 'Raserei des Lebens", in den Streit, 'der dauernd tobt: zwischen arm und reich . . . jeder gegen jeden schonungslos!" wie es in der 'Koralle" heißt. Dieses Drama wandelt das Erneuerungsthema auf das Verhältnis zwischen den Generationen, zwischen Vater und Sohn, ab. Das Spätwerk Kaisers, zum größten Teil in der Emigration entstanden -während des Dritten Reiches durften seine Werke auf deutschen Bühnen nicht aufgeführt werden - ist eine einzige große Anklage gegen die zerstörenden Gewalten in Europa: 'Das Floß der Medusa" , 'Der Soldat Tanaka" , 'NSDAP" u. a.
     

 Tags:
Georg  Kaiser  (I878-I945)    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com