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Das zwanzigste jahrhundert

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Bert(olt) Brecht (I898-I956).



Er fühlt sich als Beschützer der Mühseligen und Beladenen, der Unterdrückten und Ausgebeuteten, für die er das Heil vom Kommunismus erwartet:
'Denn die einen sind im Dunkeln Und die andern sind im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, Die im Dunkeln sieht man nicht",so tönt es von den Brettern, 'die die Welt bedeuten", in Brechts berühmt gewordener 'Dreigroschenoper" .
      Brechts künstlerisches Hauptziel ist das 'epische Drama", die lose Aneinanderreihung von Milieuszenen, die zum einen dem satten Bürgertum ins Gesicht schlagen, zum anderen die unterdrückten Klassen aufrütteln wollen. Der Dichter verzichtet in konsequenter Verfolgung dieses Zieles auf jegliche Illusion, hebt jede stoffliche Spannung durch die Einführung des Ansagers und durch die Verwendung von Spruchbändern auf. Dichtung ist für ihn Begegnung mit den Tatsachen des alltäglichen Lebens und Geschehens. Es ist gar keine Frage, daß Brecht trotz seiner bewußt derben, oft sogar zotigen Sprache ein echter Dichter ist.
      Im Drama - der von ihm hauptsächlich bevorzugten Gattung der Dichtung -trat er bis zuletzt mit eindringlichen 'Bühnenlehrstücken" hervor. Schon in 'Baal", dem ersten seiner Dramen, versucht Brecht sich aus der Konvention zu lösen, und schockiert die bürgerliche Welt durch Entlarvung ihrer heuchlerischen Moral. In 'Trommeln in der Nacht" läßt er einen aus dem Kriege Heimkehrenden, der alles verloren hat, die Erkenntnis gewinnen, daß der Egoismus die wahre Religion des Bürgertums sei.
      Die "Weltwirtschaftskrise regte Brecht 1932 zu einem Stück an, das die Verderbtheit kapitalistischer Praktiken zeigen sollte: 'Die heilige Johanna der Schlachthöfe".
      Eine Heilsarmistin stellt sich inmitten einer passiven manipulierbaren Masse allein den Methoden der Ausbeuter entgegen, allerdings nicht in revolutionärem, sondern in sanft reformistischem Geiste. An die Stelle der Inquisition im klassischen Stoff treten Machenschaften der Börsenschieber.
      Unter dem Eindruck der 1938 gefundenen Möglichkeit der Kernspaltung schrieb Brecht sein bedeutendstes Drama 'Leben des Galilei". Im Mittelpunkt steht der Physiker, der die gefundene Wahrheit reaktionären Mächten ausliefert und dabei schwer an seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft trägt. So heißt es in der vorletzten Szene: '... ich überlieferte mein Wissen den Machthabern, es zu gebrauchen, es nicht zu gebrauchen, es zu mißbrauchen, ganz wie es ihren Zwecken diente. Ich habe meinen Beruf verraten ..." Verrat am Menschentum bestimmt auch die Handlung des 1939 in Dänemark entstandenen Lehrstückes 'Mutter Courage und ihre Kinder", dem der Roman 'Die Erzbetrügerin und Landstörzerin Courage" von Grimmelshau-sen zugrundeliegt. Die Heldin, eine Marketenderin im dreißigjährigen Kriege, ist Nutznießerin des grausamen Geschehens, aber selbst die Tatsache, daß ihre Kinder an ihm zugrunde gehen, hindert sie nicht, mit ihrem Marketenderwagen weiterzuziehen und in den Kriegswirren ihre Geschäfte zu machen.
      In der Parabel 'Der gute Mensch von Sezuan" wird die Existenz eines guten Menschen gefährdet, eben wegen seiner Güte. 'Gut zu sein und doch zu leben" erweist sich schwierig in dieser Welt.
      Im nordischen Exil entstand 'Herr Puntila und sein Knecht Matti", das den reichen Gutsbesitzer und seinen Chauffeur Matti miteinander konfrontiert. Als Herr Puntila seine Tochter zwingen will, Matti zu heiraten, unterzieht dieser sie einer Prüfung, der sie nicht standhält. Angewidert verläßt er schließlich das Gut.

     
In 'Der Kaukasische Kreidekreis" rettet die Magd das Kind der Herrin. Später wird ihr durch den Dorfrichter das Kind zugesprochen, weil sie sich als die bessere Mutter erwiesen hat.
      In der Lyrik fand Brecht — im Gegensatz zur harten Sprache seiner Dramen — oft Töne tiefer Menschlichkeit. Als Beispiel diene 'Fragen eines lesenden Arbeiters" :
Wer baute das siebentorige Theben?

In den Büchern stehen die Namen von
Königen.
      Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?
Und das mehrfach zerstörte

Babylon
Wer baute es so viele Male auf? In welchen Häuserndes goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute?

Wohin gingen an dem Abend, wo die
Chinesische Mauer fertig war,

Die Maurer?
Das große Romist voll von Triumphbögen. Wer errichtete sie? Ober wentriumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene
Byzanznur Paläste für seine Bewohner? Selbst in demsagenhaften Atlantisbrüllten in der Nacht, wo das Meer es verschlang,die Ersaufenden nach ihren Sklaven.
      Der junge Alexander eroberte Indien.

      Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
      Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotteuntergegangen war.

      Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wersiegte außer ihm?

Jede Seite ein Sieg.
      Wer kochte den Siegesschmaus?

Alle zehn Jahre ein großer Mann.
      Wer bezahlte die Spesen?

So viele Berichte. So viele Fragen.
     

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Bert(olt)  Brecht  (I898-I956).    


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