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Georg Trakl (I887-I9I4)



wurzelt im Expressionismus, wenngleich sie sich vom revolutionären Ton der Dichter Georg Heym, Ernst Stadler und J. R. Becher durch die Neigung zu zartem Mitleiden und tiefer Melancholie unterscheidet.
      Trakl wurde am 3. Februar 1887 in Salzburg geboren. Die Atmosphäre dieser Stadt und das Erlebnis seiner von schweren Schatten belasteten Kindheit haben seine Dichtung wesentlich beeinflußt. Durch väterlichen Wunsch zum Pharmazie-Studium gezwungen, wurde er vorübergehend Militärapotheker im Innsbrucker Garnisonsspital. Bei Ausbruch des Krieges wurde Trakl einer Sanitätskolonne zugeteilt, mit welcher er nach Galizien einrückte. Nach der Schlacht bei Grodek hatte er neunzig Schwerverwundete zu betreuen, ohne auch nur Verbandmaterial zur Verfügung zu haben. Der Gedanke, ihnen nicht helfen zu können, vernichtete ihn seelisch bis zum Zusammenbruch. Er starb im Krakauer Militärspital, wahrscheinlich an einer Uberdosis eines Schlafmittels.
      In der Tragik dieses Lebens und Sterbens - man denke an Hölderlin und Kleist - liegt etwas von der geheimnisvollen Notwendigkeit, mit welcher die Seele über das Physisch-Menschliche triumphiert. Sein Werk ist das Ergebnis dieses Triumphs: der Versuch, sich von der quälenden Zwiespältigkeit des inneren und äußeren Lebens zu befreien.
      Dem Tod zugewandte Schwermut, Verfall und Verwesung sind die Grundmotive seiner meisten Gedichte, nur selten glänzen lichtere Bilder auf. Diereinste Verdichtung seines Erlebnisses gelang Trakl in den Herbstgedichten; es sind die schönsten, die seit Rilke geschrieben worden sind. Alles, was seine Seele berührt, gerinnt zu unwirklicher Schönheit, es sind - wie ein Kritiker es ausdrückte — 'Glasblumen, die eine traumhafte und verhaltene Musik ertönen lassen, wenn man sie anrührt":
Der Herbst des Einsamen

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
      Ein reines Blau tritt aus verfallner Hülle;
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
      Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.
      Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;
Im roten Wald verliert sich eine Herde.
      Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;
Es ruht des Landmanns ruhige Gebärde.
      Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel
Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.
      Bald nisten Sterne in des Müden Brauen;
In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden

Und Engel treten leise aus den blauen
Augen der Liebenden, die sanfter leiden.
      Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,
Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.
     

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Georg  Trakl  (I887-I9I4)    


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