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Das höfische gesellschaftsideal

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Volkssprachliche Zeugnisse



Die geistlichen Schriftsteller, die im 12. Jahrhundert die Idee der religiösen Ritterschaft propagiert haben, dürften mit ihren Schriften nur wenige von denen erreicht haben, für die die neue Theorie bestimmt war. Denn sie bedienten sich ausschließlich der lateinischen Sprache, die vom Laienadel, jedenfalls in Deutschland, nicht verstanden wurde. Allenfalls die Kreuzzugspredigten sind übersetzt worden; aber über Inhalt und Form der volkssprachlichen Kreuzzugspropaganda wissen wir sehr wenig. Es ist damit zu rechnen, daß der geistliche Ritterbegriff eine breitere Wirkung in der Laiengesellschaft erst erlangte, als er von den Autoren aufgenommen wurde, die in der Volkssprache für ein höfisches Publikum dichteten. Es waren vor allem die Didaktiker geistlichen Standes, die das Gedankengut der Reformbewegung aufnahmen und für ihre adlige Zuhörerschaft bereitstellten. In Frankreich beziehungsweise im normannischen England ist an erster Stelle Etienne de Fougeres zu nennen, der als Kleriker am Hof König Heinrichs TL von England tätig war, bevor er Bischof von Rennes wurde. In seinem >Buch der Sitten< , das der Gräfin von Hereford gewidmet war, hat er die sittlichen und religiösen Pflichten des Ritters ausführlich dargestellt und dabei die Bindung an die Kirche besonders betont. In Deutschland ist Thomasin von Zirklaere der wichtigste Zeuge, der 1215/16 eine umfangreiche Tugendlehre (>Der Wälsche GastRolandslied< bietet dafür reiches Anschauungsmaterial. Auch die höfische Lyrik kannte den Gedanken, daß die Teilnahme an der heiligen Fahrt eine innere Umkehr notwendig mache und die Bereitschaft, sich ganz dem Dienst an der religiösen Sache hinzugeben. »Das Kreuz fordert eine reine Gesinnung und ein sündloses Leben. So kann man Heil und höchsten Besitz erlangen.«


   Eine andere Gelegenheit, die religiösen Aspekte des Rittertums zu erläutern, bot sich den höfischen Dichtern bei der Schilderung der Schwertleite. Die feierliche Umgürtung war fast immer von mahnenden Worten begleitet, die dem neuen Ritter die Pflichten des Ritternamens vor Augen führen sollten.

     

»Beschirme die Armen: das ist Ritterschaft. Sprich für sie: das ist tugendhaft; so wirst du vor Gott erkannt. Deswegen hat man dir das Schwert gesegnet.« Ganz ins Geistliche gewendet ist die Ritterlehre im >Prosa-Lancelot

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