Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Das höfische gesellschaftsideal

Index
» Das höfische gesellschaftsideal
» Musterkönige

Musterkönige



Zur Verdeutlichung des traditionellen Herrscherideals wurden die großen Könige der Vergangenheit als Vorbilder zitiert. Die erste Stelle unter den »Musterkönigen« nahmen die ehrwürdigen Königsgestalten des Alten Testaments ein, Sa-lomo und David. Vor allem König David als Präfiguration von Christus ist für die literarische und auch die künstlerische Ausformung des Herrscherbilds im Mittelalter wichtig geworden. In seiner Doppelrolle als »König und Prophet« galt er zumal in der Karolingerzeit als Inbegriff des christlichen Herrschers. Später trat der Gedanke seines geistlichen Amtes etwas zurück. Aber als »gerechter König« und als »demütiger König« wurde er das ganze Mittelalter hindurch als Vorbild gefeiert. Prototyp königlicher »Weisheit« war sein Sohn Salomo, der auch wegen seines Reichtums und seiner Machtfülle von den mittelalterlichen Herrschern gerne als Muster angenommen wurde. Außerdem wurde ihm der Ehrentitel eines »Friedensfürsten« zuteil. Im >Ordo für die Weihe des Kö-nigs< wurde Gott angefleht, den neugeweihten König so regieren zu lassen, »wie du Salomo sein Reich in Frieden hast besitzen lassen«3.

      Neben den Königen des Alten Testaments wurden die antiken Kaiser den Herrschern als Muster vorgeführt. Unter den heidnischen Kaisern hat außer Augustus, auf den sich die mittelalterliche Kaisertitulatur berief, Kaiser Trajan eine große Rolle gespielt, dessen Gerechtigkeit und Umgänglichkeit ge-priesen wurden. In der deutschen >Kaiserchronik< des 12. Jahrhunderts hieß es: »Nun sollen sich alle Könige der Welt daran ein Vorbild nehmen, wie der edle Kaiser Trajan die Gnade Gottes erfuhr, weil er auf gerechte Weise Recht sprach.« In der höfischen Zeit trat Kaiser Alexander als Bezugsfigur in den Vordergrund. Ihm haftete das Odium der sündhaften »Ãoberhebung« an, weil er - wie die mittelalterlichen Alexanderromane berichteten - bis an die Pforten des Paradieses vorgedrungen war; aber mit seiner legendären Großmütigkeit und Freigebigkeit hatte er großen Einfluß auf das höfische Herrscherbild. »Schaut Alexander an, der hat in Fülle gegeben. Daher breitet sich sein Ruhm in allen Ländern aus.«
Unter den christlichen Kaisern der Antike nahm Konstantin den ersten Platz ein, den bereits Eusebius von Caesarea in seiner sogenannten >Vita Constantini< zum christlichen Idealherrscher stilisiert hatte. Neben ihm wurde Kaiser Theo-dosius wegen seiner Bußfertigkeit als Muster des »demütigen Königs« verehrt. Von allen Herrschern der Vergangenheit war Karl der Große der gegenwärtigste. Auf ihn beriefen sich die Könige in Deutschland und Frankreich als ihren Vorfahren und als das Vorbild ihrer Regierungstätigkeit. Und die Dichter feierten ihn als ideale Verkörperung christlichen Herrschertums. »Karl war ein wahrer Gotteskämpfer. Die Heiden hat er gezwungen, das Christentum anzunehmen. Karl war tapfer, Karl war schön, Karl war beständig und besaß wahre Güte. Karl war preiswürdig, Karl war furchtgebietend. Er besaß die größte Vortrefflichkeit.«

 Tags:
Musterkönige    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com