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Das höfische gesellschaftsideal

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Kreuzzugspropaganda



Seine wirkungsvollste Ausformung hat der Gedanke des geistlichen Kriegsdienstes in der Kreuzzugsliteratur gefunden. Von grundlegender Bedeutung war die große Predigt, die Papst Ur-banll. am 27. November 1095 auf dem Konzil von Clermont vor einer großen Versammlung von Geistlichen und Laien gehalten hat und mit der er die Christenheit zum bewaffn

eten Zug nach Palästina und zur Befreiung der orientalischen Kirche aufrief. Die verschiedenen Berichte über diese Predigt - der Text selbst ist nicht erhalten - lassen erkennen, daß der Papst sich dabei besonders an den französischen Adel gewandt hat mit der Verheißung, als »Gottesstreiter« in einem gerechten Krieg gegen die Feinde des Glaubens den Ablaß der zeitlichen Sündenstrafen und ewigen Lohn gewinnen zu können. Dabei scheint Urban IL recht harte Worte für die üblichen Gewalttätigkeiten des Adels gefunden zu haben, um davon um so glänzender das neue Bild des geistlichen Ritters abzuheben. Die Berichte weichen im Wortlaut voneinander ab, stimmen aber in der Sache überein. »Die sollen jetzt Christi Ritter werden, die solange Räuber waren.« »Bisher habt ihr willkürliche Kriege geführt, habt immer wieder wütend die Waffen zu gegenseitigem Morden erhoben, nur aus Habgier und Ãobermut.« »Wendet die Waffen, die ihr in gegenseitigem Morden auf straf -liehe Weise blutig gemacht habt, gegen die Feinde des Glaubens und des Christentums.« Nach dem Bericht von Robertus Mo-nachus soll Urban IL die ständigen Fehden des Adels auf die Ãobervölkerung Frankreichs zurückgeführt und den Kreuzrittern Landgewinn im Orient versprochen haben: »Kein Besitztum soll euch aufhalten und keine Besorgnis über Vermögenssachen. Denn dieses Land, das ihr bewohnt, ist auf allen Seiten vom Meer und von Gebirgszügen eingeschlossen und ist durch eure Zahl zu eng geworden. Es hat keinen Ãoberfluß mehr an Reichtümern und gewährt seinen Bewohnern kaum mehr genügend Lebensmittel. Daher kommt es, daß ihr miteinander streitet und kämpft, daß ihr Kriege anfangt und euch oft gegenseitig verwundet und tötet. Macht ein Ende mit dem Haß unter euch, hört auf mit dem Streit, steht ab vom Krieg und laßt alle Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten ruhen. Begebt euch auf den Weg zum heiligen Grab, entreißt dem gottlosen Volk jenes Land und unterwerft es euch, jenes Land, das Gott den Kindern Israels zum Besitz gegeben hat, wie die heilige Schrift bezeugt, >wo Milch und Honig fließen.Ãober den Gottesstaat< von den Fürsten des Volkes Gottes geschrieben: »Die, die herrschen, dienen denen, die sie zu beherrschen scheinen.« Wie lebendig diese Gedanken in der Zeit der Kreuzzüge waren, bezeugt der Brief des Grafen Henri von Saint Pol an den Herzog von Brabant über die Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1203, der in der >Kölner Königschronik< zitiert wurde: »Wenn jemand Gott dienen will, ihm, dem zu dienen herrschen heißt, und wenn er einen ausgezeichneten und berühmten Namen unter der Ritterschaft erringen will, so nehme er das Kreuz und folge dem Herrn und komme zu dem Turnier des Herrn, zu dem er von dem Herrn selbst eingeladen wird.« Noch einen Schritt -weiter gingen die Reformtheologen, die auch den Dienst an der menschlichen Gemeinschaft - als Schutz der Bedrängten und Unterstützung der Notleidenden - denen, die zur Herrschaft berufen waren, zur Pflicht machen wollten. Ins Weltliche gewendet ist dieser Dienstgedanke zu einer wichtigen Komponente des höfischen Ritterbegriffs geworden. Ãober die Erziehung des Freiherrn Bernhard

II.

zur Lippe , der zunächst für die geistliche Laufbahn bestimmt war, dann aber in den Laienstand zurücktrat, berichtete das >LippifloriumReinfried von Braunschweig

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