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Das höfische gesellschaftsideal

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Der Dienstgedanke



Der große Lehrmeister der Liebe, Ovid, hatte bereits gelehrt, daß die Liebe ein Dienst ist: »Jeder Liebende dient . . .«3. Die Trobadors und Minnesänger haben diesen Gedanken in den Mittelpunkt gerückt. Die eigentümliche Konstruktion, daß in der Minnebeziehung Mann und Frau einander nicht als Partner begegnen, sondern daß die Frau als Herrin erscheint und der Mann als Diener zu ihr aufblickt, und daß die Leistung, die der Mann vollbringt, um der Minne würdig zu werden, als Dienst aufgefaßt wird, ist sicherlich das auffälligste Merkmal der höfischen Liebe. »Seit ich überhaupt zu Verstand gekommen bin, riet mir mein Herz, daß ich in ihrem Dienst sein sollte, wenn ich je ein Mann würde. Jetzt ist die Zeit gekommen, daß ich ihr dienen muß. Nun helfe mir Gott, daß ich ihr so diene, daß ich von Kummer frei werde. Die wundervolle edle Frau, sie ist Herrin über mich und mein Herz. Wem würde ich lieber gehören?« Die Verpflichtung, den Frauen zu dienen, nahm in derritterlichen Tugendlehre einen wichtigen Platz ein: »Diene ihnen gerne, wenn du Verstand hast; du wirst in um so höherem Ansehen leben. Der ist von Gott gesegnet, dem ihre Huld zuteil wird, wenn er ihnen aufrichtig gedient hat. «

Die Minnesänger haben ihren Damen dadurch gedient, daß sie Lieder zu ihrem Ruhm verfaßt haben. In der Epik war der Dienst durch ritterliche Waffentat das übliche. Beides zusammen hat Ulrich von Liechtenstein geleistet, jedenfalls nach seiner Selbstdarstellung im >FrauendienstParzival< warb sogar um die Tochter seines eigenen Lehnsmanns, des Fürsten Lippaut. Auch König Loys im >Willehalm< war mit der Tochter eines seiner Vasallen, des Grafen von Nar-bonne, verheiratet. Ungeachtet solcher Rangunterschiede gehörten sie alle jedoch zum engen Kreis des Hochadels und waren in diesem Sinne standesgleich. Von Eheverbindungen über

Standesgrenzen hinweg wurde nur in legendenhaften Geschichten , in dem es um die Frage ging, ob eine Dame, die einen langen Dienst unbe-lohnt ließ, liebenswerter sei als eine andere, die ihre Gunst schenkte, noch ehe man sie darum bat, wurde die richtige Diensthaltung von Guillem de la Tor vertreten: »Ein wahrhaft Liebender soll nicht den Mut verlieren, wenn seine Dame ihm ihre Liebe nicht sofort zugestehen will, sondern er soll ihr dienen, wenn er freigebig und tüchtig ist, bis der Lohn kommt. « Im >Tristrant< von Eilhart von Oberg wurde erzählt, daß Gy-mele, eine Hofdame der Königin Isalde, den Prinzen Kehenis, als dieser zudringlich wurde, mit den Worten zurückwies: »Wo habt ihr euren Verstand gelassen, daß ihr mich in so kurzer Zeitum meine Liebe bittet? Ihr seht doch wohl, daß ich keine Bäuerin bin. Ich glaube aber, ihr seid ein Bauer.«

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