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Das höfische Gesellschaftsideal
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Das höfische Gesellschaftsideal



Das höfische Gesellschaftsideal
Nach der Schilderung der Dichter erhielt der ganze höfische Gesellschaftsbetrieb mit seinem mater
iellen Prunk und seinen zeremoniellen Umgangsformen überhaupt erst seinen Sinn, wenn man ihn auf das Ideal der Courtoisie, der höfischen Vollkommenheit, bezog, wie es von den Rittern der Tafelrunde am Ho
Fürstenspiegel
Im höfischen Ritterbild sind alte und neue Vorstellungen von adliger Vorbildlichkeit zusammengekommen. Mit den modernen Forderungen der Courtoisie verbanden sich der religiöse Rittergedanke aus der Gottesfriedens- und Kreuzzugsbewe- gung sowie Elemente eines christlich geprägten Herrscherideals,
Musterkönige
Zur Verdeutlichung des traditionellen Herrscherideals wurden die großen Könige der Vergangenheit als Vorbilder zitiert. Die erste Stelle unter den »Musterkönigen« (exempla regis) nahmen die ehrwürdigen Königsgestalten des Alten Testaments ein, Sa-lomo und David. Vor allem König David als Präfigurati
Die Ãobertragung von Attributen königlicher Herrschaft auf die Fürsten
Wenn die Fürstenspiegel von »Fürsten« (principes) sprachen, haben sie, wie die Auftragsverhältnisse und die Widmungen bezeugen, fast ausnahmslos an Mitglieder der königlichen Fa- milie gedacht. Es war ein Vorgang von großer Bedeutung, als man im 12. Jahrhundert begann, die traditionellen Attribute
Kaiserbilder und Fürstenbilder
Der Grundtyp des mittelalterlichen Kaiserbildes zeigt den Herrscher in strenger Frontalität auf dem Thron sitzend, angetan mit den Insignien seiner Macht. Die wesentlichen Elemente dieses Bildaufbaus, in dem der universale Anspruch und die Erhabenheit der kaiserlichen Majestät zur Anschauung kamen,
Adelsethik und Reformgedanke
Seit den Anfängen der christlichen Kirche hatten die Begriffe milites Christi (Soldaten Christi) oder milites Dei (Soldaten Gottes) einen festen Stellenwert. Anknüpfend an das Wort des Apostels Paulus, der Timotheus gemahnt hatte: »Mühe dich ab wie ein guter Soldat Jesu Christi. Niemand, der für Got
Kreuzzugspropaganda
Seine wirkungsvollste Ausformung hat der Gedanke des geistlichen Kriegsdienstes in der Kreuzzugsliteratur gefunden. Von grundlegender Bedeutung war die große Predigt, die Papst Ur-banll. am 27. November 1095 auf dem Konzil von Clermont vor einer großen Versammlung von Geistlichen und Laien gehalten
Die geistlichen Ritterorden
Eine Gruppe von französischen Kreuzrittern, unter der Führung von Hugo de Payns, beschloß im Jahr 1118/19, im Heiligen Land zu bleiben und sich dort ganz dem Schutz der Pilger auf ihrem Weg nach Jerusalem zu widmen. Sie bekannten sich zu einer religiösen Lebensform und nahmen die Regel der Augustine
Volkssprachliche Zeugnisse
Die geistlichen Schriftsteller, die im 12. Jahrhundert die Idee der religiösen Ritterschaft propagiert haben, dürften mit ihren Schriften nur wenige von denen erreicht haben, für die die neue Theorie bestimmt war. Denn sie bedienten sich ausschließlich der lateinischen Sprache, die vom Laienadel, je
Das ritterliche Tugendsystem
Der Begriff »ritterliches Tugendsystem« stammt von Gustav Ehrismann. Er ist insofern mißverständlich, als es eine Systematik der höfischen Morallehre nie gegeben hat. Die höfische Tugendlehre ist fast nur in poetischer Form vorgetragen worden, und die Dichter haben wohl gelegentlich ganze Tugendkata
Adel und Schönheit
Der höfische Ritter war nicht nur fromm und tugendhaft, er war auch schön, stolz, reich, prachtliebend, voll Ruhmverlangen und von hoher Abkunft. An der Bewertung dieser weltlichen Vorzüge schieden sich die Positionen. Die militia Christiidee beruhte auf der Unterscheidung zwischen weltlicher Ritter
hövescheit (courtoisie)
Der eigene Charakter des höfischen Ritterbildes wird besonders deutlich in der Verbindung von Tugendforderungen mit Vorschriften des gesellschaftlichen Verhaltens. Der Ritter sollte nicht nur Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit besitzen, er sollte nicht nur vornehm, schön und geschickt
Ideal und Wirklichkeit
Das höfische Ritterideal und die gesellschaftliche Realität des adligen Lebens standen zueinander im Verhältnis krasser Gegensätzlichkeit. Die Diskrepanz zwischen dem hohen moralischen Anspruch, der sich mit dem Namen Ritter verband, und der gelebten Wirklichkeit ist am deutlichsten von Klerikern ge
Adlige Erziehung
Ãober die Adelserziehung im hohen Mittelalter ist nur wenig bekannt. Das liegt nicht zuletzt daran, daß die historischen Zeugnisse, die darüber Auskunft geben, noch nicht in dem erwünschten Umfang gesammelt und ausgewertet worden sind. Es ist bezeichnend für den Stand der Forschung auf diesem Gebiet
Dichtung als Vorbild
Wenn man zu erfahren sucht, wie weit die Grundsätze der höfischen Erziehung das praktische Handeln der adligen Herren bestimmt haben, wird man den Blick zuerst auf den Umgang mit den ritterlichen Waffen und das Verhalten im Kampf richten. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß viele adlige Herren p
Historische Voraussetzungen. Die Rolle der Hofkleriker
Wenn es zutrifft, daß im Idealbild des höfischen Ritters traditionelle Herrschervorstellungen sich mit dem religiösen Ritterbegriff der Reformbewegung, mit christlichen Tugendforderungen und mit dem modernen Kodex des feinen Benehmens verbunden haben, dann müssen geistlich Gebildete an der Ausformul
Das Schönheitsideal
»Wenn ich die Wahrheit sagen soll, so hat es, nächst der Majestät Gottes, niemals etwas so Begnadetes gegeben wie die Frau und ihre Art. Diesen Ruhm hat Gott ihr verliehen, daß man sie als den höchsten Wert auf Erden ansehen und immer preisen soll.«1 So war noch niemals von Frauen gesprochen worden.
Frauenverehrung und Frauenverachtung
Das Frauenbild der höfischen Dichter wirkt wie ein Gegenentwurf zu der übermächtigen Tradition christlicher Frauenfeindlichkeit, die in der weltverneinenden und weltverachtenden, körper- und sinnenfeindlichen Grundeinstellung des Christentums ihre Wurzel hatte. Nur in der Gestalt unberührter Jungfrä
Die schmückende und die dienende Rolle der Frau
Das poetische Schönheits- und Tugendideal, das die Dichter entworfen haben, erfuhr seine reichste Ausgestaltung dort, wo es um die schmückende und dienende Rolle der Frau in der höfischen Festgesellschaft ging. Auf den großen Hoffesten, von denen die Epiker erzählten, hat erst die Anwesenheit z
Lehren für Frauen. Erziehung und Bildung
Weil die weibliche Natur so schwach war, mußten Frauen sorgfältiger belehrt und angeleitet werden als Männer. Das hatten bereits die Kirchenväter festgestellt, die in zahlreichen Schriften die Frauen zur Keuschheit gemahnt und vor den Verlockungen der Welt gewarnt hatten. Vor allem die Briefe des hl
Handarbeiten
Die adligen Mädchen sollten spinnen und weben, nähen und sticken lernen, und viele werden einen großen Teil ihres Lebens mit solchen Tätigkeiten zugebracht haben, auch wenn sie nicht von der Arbeit ihrer Hände leben mußten. Für die Didaktiker war es ein schlechtes Zeichen, wenn eine Dame »den Spinnr
Literarische und künstlerische Ausbildung
Es war nicht ungewöhnlich, daß adlige Mädchen lesen und schreiben lernten; und in Verbindung damit haben nicht wenige Frauen auch elementare Kenntnisse im Lateinischen erworben, so daß sie imstande waren, den Psalter lateinisch zu lesen. Albert von Stade berichtete über Hildegard von Bingen (t 1179)
Anstandsregeln
Einen wichtigen Teil der Erziehung bildeten die Anstandsregeln, denen das gesellschaftliche Verhalten der jungen Mädchen unterworfen war. Was dabei alles zu beachten war, ist den Anweisungen von Thomasin von Zirklaere zu entnehmen. »Eine Dame soll nicht mutwillig scherzen.«104 »Eine Dame soll einen
Tugendlehre
In der adligen Mädchenerziehung nahm die Tugendlehre breiten Raum ein. Die Frau sollte ihr ganzes Leben den Normen des sittlichen Handelns unterwerfen und sollte sich auszeichnen durch »ihre hohe Moral, ihre Keuschheit, ihre guten Taten, ihre Aufrichtigkeit und ihre Beständigkeit, ihre Preiswürdigke
Die Frau als Herrscherin
Bis zum Ende der salischen Zeit war es üblich, daß der Kaiser in Urkunden und offiziellen Dokumenten seine Gemahlin als »Mitherrscherin« (consors regni) erwähnte und die von ihm beglaubigten Rechtsakte als auch von seiner Frau gewollt oder geradezu von ihr initiiert bezeichnete. »Auf den Rat unserer
Der Weg aus der Welt
Zahlreiche adlige Frauen, die nicht heiraten konnten oder nicht heiraten wollten, gingen ins Kloster oder schlössen sich einer religiös lebenden Frauengemeinschaft an. Das war in vielen Fällen eine Versorgungsfrage; aber offenbar sind immer mehr Frauen diesen Weg gegangen, um einer inneren Bestimmun
Was ist höfische Liebe?
Definitionen »Kann mir jemand sagen, was Liebe ist?«1 Die Frage nach dem Wesen der Minne wurde für die höfischen Dichter zu einem zentralen Thema. Je mehr man aber darüber nachdachte, um so klarer trat nur zutage, daß menschlicher Verstand nicht ausreichte, das Geheimnis der Liebe zu ergründen, die
Andreas Capellanus
Im Mittelpunkt der Diskussion über das Wesen der höfischen Liebe hat immer der lateinische Traktat >Ãober die Liebe< (De amore) von Andreas Capellanus gestanden, der wahrscheinlich zwischen 1180 und 1190 verfaßt worden ist. Andreas war nach eigener Aussage »königlicher Hofkaplan« {aulae regiae capel
Der Dienstgedanke
Der große Lehrmeister der Liebe, Ovid, hatte bereits gelehrt, daß die Liebe ein Dienst ist: »Jeder Liebende dient . . .«3. Die Trobadors und Minnesänger haben diesen Gedanken in den Mittelpunkt gerückt. Die eigentümliche Konstruktion, daß in der Minnebeziehung Mann und Frau einander nicht als Partne
Erfüllte und unerfüllte Liebe
Die Vorstellung, daß höfische Liebe in ihrer höchsten Form unerfüllte Liebe sei, wurde aus dem Gedanken entwickelt, daß die läuternde und veredelnde Wirkung der Liebe sich nur dann entfalten könnte, wenn das Liebesverlangen des Mannes ohne letzte körperliche Erfüllung bliebe. Die erzieherische Rolle
Hohe und niedere Minne
Wenn die Liebe zum Gegenstand des Nachdenkens gemacht wurde und ihre Eigentümlichkeit ergründet werden sollte, ist man fast immer so vorgegangen, daß man verschiedene Arten von Liebe unterschieden hat; meistens eine gute und eine schlechte Liebe. Grundlegend für die christliche Liebesphilosophie des
Der höfische Charakter der Liebe (Liebe als gesellschaftlicher Wert)
»O was für eine wunderbare Sache ist die Liebe, die den Menschen in so vielen Tugenden erstrahlen läßt und ihn eine solche Fülle edler Sitten lehrt.«54 In diesem Punkt gab es keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Andreas Capellanus und den höfischen Dichtern. Die Liebe, vor deren Gefahren sie ebe
Die Unvereinbarkeit von Liebe und Ehe
Seit man sich mit dem Phänomen Höfische Liebe beschäftigt, gilt der Gedanke, daß diese Liebe sich nur außerhalb der Ehe voll verwirklichen könne, als ein besonders auffallendes und besonders anstößiges Merkmal. Man hat geradezu vom ehebrecherischen Charakter der höfischen Liebe gesprochen und hat di
Ehepraxis und Ehelehre
Es ist schon lange aufgefallen, daß die minnetheoretische Trennung von Liebe und Ehe sich überraschend gut vertrug sowohl mit den tatsächlichen Eheverhältnissen in der adligen Gesellschaft als auch mit der kirchlichen Ehelehre der damaligen Zeit.
Feudale Ehepraxis
Für den Laienadel war die Ehe primär eine politische Institution, ein Instrument der dynastischen Politik. Der wichtigste Zweck der Ehe war die Fortsetzung des eigenen Hauses, also die Erzeugung legitimer Erben, vor allem legitimer Söhne. Dieses dynastische Prinzip erforderte, daß nur der Ehemann di
Scholastische Ehelehre
Auf eine Trennung von Liebe und Ehe zielte auch die kirchliche Lehre; jedenfalls konnte man sie so verstehen. Alles, was die Theologen zu diesem Thema zu sagen hatten, war geprägt durch die extrem negative Bewertung der geschlechtlichen Lust (libido). Das asketische Ideal der unberührten Jungfräulic
Der Konflikt zwischen Lehre und Praxis
Die christliche Ehelehre stimmte in einigen wichtigen Punkten mit dem feudalen Ehemodell überein: für beide lag der Hauptzweck der Ehe in der Fortpflanzung; in beiden war von Liebe, das heißt von dem, was die Eheleute persönlich miteinander verband, kaum die Rede. In anderen wichtigen Punkten stande
Ehe und Liebe in der höfischen Literatur
Was die höfischen Didaktiker über das Wesen der Ehe zu sagen hatten, paßte zu den Lehren der Kirche genauso gut wie zu den tatsächlichen Verhältnissen. »Ein mannhafter Mann, der auf sein Ansehen hält, vor dem soll eine frauliche Frau von rechts-wegen ihre Hände falten. Ein mannlicher Mann und eine f
Der Ehebruch
Der Ehebruch war nach mittelalterlicher Rechtsauffassung ein Delikt, das nur von Frauen begangen werden konnte. In diesem Punkt stimmten germanische und römische Rechtsvorstellungen überein. Nur die Kirche hat darauf gedrängt, die Männer wie die Frauen zu behandeln. Die kirchlichen Forderungen haben
Ehebruch in der Gesellschaft
Wie häufig Ehebruch in der adligen Gesellschaft vorkam, ist nicht leicht zu entscheiden. Einige berühmte Fälle sind in die Geschichtsschreibung eingegangen, vor allem wohl wegen der drakonischen Strafen, die der betroffene Ehemann in Selbstjustiz verhängte. Auf Befehl Herzog Ludwigs II. von Bayern (
Ehebruch in der Literatur
Welche Bedeutung der Ehebruch als literarisches Motiv besaß, wird unterschiedlich bewertet. Die Ansicht, daß höfische Liebe in ihrer typischsten Form ehebrecherische Liebe gewesen sei, konnte sich auf Aussagen aus der höfischen Zeit berufen. Eine satirische Versdichtung des Stricker mit dem Titel >D
Die ungleiche Geschlechtsmoral
»Man soll es den Männern erlauben, aber nicht den Frauen.«163 Diese Worte aus einem Minnelied von Albrecht von Johansdorf könnten als Motto über einer Darstellung der mittelalterlichen Sexualethik stehen. Von der Hochzeitsnacht des Kaisers Focas mit Athanais wurde erzählt: »Er legte die schöne
Das Verhalten der Männer
Ãober die sexuellen Praktiken des Adels ist aus den historischen Quellen nicht viel zu erfahren. Aus den Berichten geistlicher Autoren gewinnt man den Eindruck, daß Ausschweifungen und Gewalttätigkeiten an der Tagesordnung waren. Ein düsteres Bild vom Sittenleben seiner Zeit hat Papst Innozenz III.
Das Verhalten der Frauen
Ganz andere Normen galten für das Sexualleben der Frauen. Daß ein Mann seine Frau verstieß, um eine andere zu heiraten, war normal. Wenn aber eine Frau ihren Mann verließ und einen anderen nahm, setzte sie sich den schlimmsten moralischen Verdächtigungen aus. Die Gräfin Bertrade von Anjou (t nach 11
Minnegeselligkeit
Man kann die höfische Liebe als ein Gegenprogramm zu den Verhältnissen der Wirklichkeit interpretieren. Hier war alles anders: statt Gewalt und Hemmungslosigkeit ein ausgesuchtes Benehmen nach den Vorschriften der höfischen Etikette; statt einer Sexualität, die nur auf körperliche Befriedigung aus w
Die Situation in Frankreich
Die Trobadors haben nicht selten ihre Lieder mit einer »Torna-da« versehen; das waren Geleitstrophen, in denen einige Male die Namen von historisch nachweisbaren Mitgliedern des südfranzösischen Hochadels genannt wurden, die die Gönner und Freunde der Dichter waren. Auf diese Weise wurde eine Verbin
Die Situation in Deutschland
Erst 'wenn man die französischen Verhältnisse ins Auge faßt, wird deutlich, wie ganz anders die Situation in Deutschland war. Hier fehlt praktisch alles, was in Frankreich eine engagierte Minnegeselligkeit für die höfische Zeit bezeugt. Die deutschen Minnesänger haben die romanischen Liedformen über



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