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Bürgerlicher realismus
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Wilhelm Raabe: Abu Telfan (1868)


Auch Raabes dritter Roman Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge aus dem Jahr 1868 (Vorabdruck in Über Land und Meer, 1867''''), der Roman um den Helden Leonhard Hagebucher, lässt sich perspektivenreich auf der Basis der Programmatik des Bürgerlichen Realismus lesen. Der Roman nimmt Raabes im Stopfkuchen v

orgetragene Kritik an einem hohl gewordenen Begriff von Bürgerlichkeit und einer verkommenen' bürgerlichen Lebensweise voraus und leitet damit die Phase des kritischen Spätrealismus ein. Ziel der Kritik ist die Enge, Rückständigkeit und Provin-zialität deutscher Duodezresidenzen, eine Kritik, die den bürgerlichen Wunsch nach nationaler Einheit zum Ausdruck bringt; daneben aber auch jenes bürgerliche Philistertum, das für das Scheitern der Ziele der bürgerlichen Revolution von 1848, vor allem der angestrebten und gewollten Einheit der Nation, verantwortlich gemacht wird. Um die Engstirnigkeit eines kleinstädtischen (Klein-)Bürgertums vorzuführen, lässt Raabe seinen Protagonisten, der als Theologiestudent an der Universität versagt hatte, aus dem afrikanischen "Abu Telfan" in seine Heimatstadt und in sein Elternhaus zurückkehren. Hier hatte man den Verschollenen tot geglaubt; man erwartet nun seine zügige Integration in die bürgerliche Alltagswelt und die Anpassung an die in der Kleinstadt gelebte Bürgerlichkeit. Insbesondere Leonhards Vater, Inbegriff des Philisters, drängt seinen Sohn zur Rückkehr in ein geordnetes Leben. Mit Schilderungen wie der folgenden leitet Raabe die Phase seiner kritischen Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Klasse ein: Das germanische Spießbürgertum fühlte sich dieses labelhaften, /erfahrenen, aus Rand und Hand gekommenen, dieser entgleisten, entwurzelten, quer über den Weg geworfenen Existenz gegenüber in seiner ganzen Staats- und Kommunalsteuer zahlenden, Kirchstuhl gemietet habenden, von der Polizei bewachten und von sämtlichen fürstlichen Behörden überwachten, gloriosen Sicherheit und sprach sich demgemäß aus, und der Papa Hagebucher wäre der letzte gewesen, welcher dir seinen Afrikaner das Wort ergriffen hätte.''


Literarische Voraussetzungen
Unter literaturhistorischen Gesichtspunkten entsteht der Bürgerliche Realismus als eine Gegenbewegung sowohl zur Romantik als auch zum Jungen Deutschland und zum Vormärz. Deren literarische Programme [...]
- Die Kritik des Jungen Deutschland (I839-I840) und des Vormärz (I840-I848)
- Der englische Realismus
- Der französische Realismus
- Das Verhältnis zu den Klassikern
- Die Rezeption des Biedermeier (I8I5-I848)

Kulturphilosophische Voraussetzungen
[...]
- Die Bedeutung der Naturwissenschaften
- Die Philosophie Ludwig Feuerbachs (I804-I872)
- Die Philosophie Arthur Schopenhauers (I788-I860)

Theorie und Ästhetik des Bürgerlichen Realismus
Lange Zeit galt der Bürgerliche Realismus im Gegensatz zur Romantik und zum Naturalismus als eine Bewegung ohne klares theoretisches und programmatisches Profil.1 Begründet wurde ein solches Urteil ni [...]
- Verklärungsstrategien: Realismus und Idealismus
- Kunstverständnis
- Plausibilitätsprinzip
- Literatur und Mimesis
- Humor

Bürgerlicher Realismus und Roman
[...]
- Vermittelte Bürgerlichkeit: Kultur- und Gattungsgeschichte
- Individuum und Gesellschaft
- Realitätsaneignung und Romanstruktur
- Rückzugsphantasien
- Bürgerlicher Realismus und Bildungs- und Entwicklungsroman

Die Phase des programmatischen Realismus (1848-1870)
[...]
- Die Kunst als Bildlingsmoment
- Gottfried Keller: Der grüne Heinrich (I854/55)
- Friedrich Spielhagen: Sturmflut (I877)
- Adelige Unmoral versus bürgerliche Solidität
- Ã"sthetische Diskussionen

Adalbert Stifter: Der Nachsommer (1857)
Im Unterschied zum Grünen Heinrich erzählt Adalbert Stifters zwei Jahre nach Kellers Beitrag zur Lrzählliteratur des Bürgerlichen Realismus erschienener Roman Der Nachsommer den problemlosen Entwicklu [...]
- Verklärungsstrategien
- Bildung
- Bürgerliche Schreibmotivation
- Liebe
- Kunst

Wilhelm Raabe: Der Hungerpastor (1863/64)
Wilhelm Raabes 1864 erschienener Roman Der Ilungerpastor erzählt den Bildungsweg einer in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsenen Halbwaise, der es trotz der finanziellen und milieubedingten Wi [...]
- Bürgerliche Identität oder: Das Ankommen in der Realität
- Bildung als Sozialisation
- Verklärungsstrategien
- Bürgerlichkeit versus jüdischer Materialismus

Wilhelm Raabe: Abu Telfan (1868)
Auch Raabes dritter Roman Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge aus dem Jahr 1868 (Vorabdruck in Über Land und Meer, 1867''''), der Roman um den Helden Leonhard Hagebucher, lässt sich perspekti [...]

Der späte Realismus (1870-1900)
Der Roman des späten Realismus erzählt nicht mehr, wie noch Goethes Wilhelm Meisler, geradlinige Bildungswege. Vielmehr werden die Diskontinuitäten, denen ein Individuum ausgesetzt ist, gleichermaßen [...]
- Das 'uns tyrannisierende Gesellschafts-Etwas
- Verklärte Realität
- Versöhnungsgesten: Wo sich Herz zum Herzen find't
- Scheiternde Entwicklungsgänge
- Der verdeckte Philister

Theodor Fontane: Gesellschaftsromane 1882-1898
Theodor Fontanes nahezu gesamtes Romanwerk entsteht im Kontext des Bürgerliehen Realismus und aus einer bürgerlichen Mentalität heraus. Der im Umfeld des späten Realismus sehreibende Fontane hat den G [...]

Marie von Ebner-Eschenbach
Marie von Ebner-Eschenbach darf als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen ihrer Zeit gelten. Insbesondere ihre gesellschaftskritische, auf den Adel bezogene Haltung, aber auch d [...]
- Das Gemeindekind (I887)
- Bozena (I875)

Die Novellenliteratur des Bürgerlichen Realismus
[...]
- Individuum und Gesellschaft
- Ferdinand von Saar (I833-I906)
- Conrad Ferdinand Meyer (I825-I898)
- Marie von Ebner-Eschenbach (I830-I9I6)
- Kleider machen Leute

Lyrik im Bürgerlichen Realismus
[...]
- Lyrischer Realismus
- Programmatik und Gattung


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