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Bürgerlicher realismus
Lange Zeit galt der Bürgerliche Realismus im Gegensatz zur Romantik und zum Naturalismus als eine Bewegung ohne klares theoretisches und programmatisches Profil.1 Begründet wurde ein solches Urteil ni
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Verklärungsstrategien: Realismus und Idealismus



Eine Deckungsgleichheit von Literatur und Realität lehnt die realistische Literatur des 19. Jahrhunderts strikt ab; hinsichtlich des Verhältnisses von Ideal und Wirklichkeit dagegen strebt man eine Identität an. Ausgangspunkt dieser programmatischen Maxime ist die Annahme, dass eine solche Identität bereits in der Realität selbst angelegt ist. 'Der Realist" sucht, den Worten Julian Schmidts zufolge, 'in der Wirklichkeit die positive Seite auf." Aus diesem Grund verzichten die Autoren des Bürgerlichen Realismus auf die Thematisierung von Phänomenen des wirklichen Lebens, die der Einheit von Ideal und Realität zuwiderlaufen; man vermeidet 'Zufälle", 'Häßliches" sowie Amoralisches es sei denn. Letzteres diene als Hintergrund oder Konturierung positiver Linstellungen der bürgerlichen, moralisch integren Helden. 'Das wirklich Ekelhafte" so Schmidt dürfe in der Literatur keinen Platz linden, 'und was nicht in idealer Form dargestellt werden kann, hat überhaupt nicht das Recht, künstlerisch dargestellt zu werden".1' Auch Pur Theodor Fontane war die Darstellung 'eines sterbenden Proletariers, den hungernde Kinder umstehen"'*, kein literaturfähiger Stoff. Im Hinblick auf diese Grundposition, auf das Zusammengehen einer realistischen Literatur mit der idealistischen Tradition hat man die Literatur des Bürgerlichen Realismus als einen 'Real-Idealismus" charakterisiert. Der Terminus wurde von dem Philosophen und Ã"sthetiker Moriz Carriere zur Kennzeichnung einer religiös eingellirbten Kunsldoklrin eingerührt"'; auch wenn die religiöse Komponente innerhalb der Programmatik und Literatur des Bürgerlichen Realismus keine große Rolle spielte, sind auch die von Schmidt, Freytag und Fontane überlieferten Definitionen mit dem Begriff ,real-idealistisch' adäquat zu umschreiben. Und tatsächlich wird der ursprünglich von Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Wilhelm Schelling verwendete Begriff im Umfeld des Bürgerlichen Realismus aufgegriffen. Man definierte diesen als Mittelweg zwischen einem spekulativen Idealismus und einem platten Naturalismus, wie man ihn in den Werken der französischen Realisten gegeben sah. Hinter dem Konzept des ,Realidealismus' stand nicht zuletzt auch die philosophische Ãoberzeugung, dass die 'Idee der Dinge [...] auch ihre Realität" sei. Insofern wurden Realismus und Idealismus wenn auch nicht als Synonyme verwendet, so doch in engen Bezug zueinander gesetzt. Auch glaubte man durch das Ideal jene Harmonie und Ordnung in der Literatur garantiert, die man in der modernen Gesellschaft zunehmend zurückgedrängt sah. Die Aufgabe von Literatur erkannten die Realisten aber in der Rekonstruktion einer geordneten und harmonisch strukturierten Welt:
Das Ideal bringt Ordnung in die Wirrnis der Erscheinungen, macht das Große zum Großen, das Kleine zum Kleinen, verbindet das Zusammenhanglose und setzt dem Schrankenlosen Schranken. |...| Durch das Ideal wird der Dichter frei von Unklarheit und Unordnung, frei von blindem Zufall und gesetzloser Willkür,heißt es z.B. in Emil llombergers Aufsatz Der realistische Roman stellvertretend für die gesamte realistische Literaturtheorie.'"'

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