Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Bürgerlicher realismus
Lange Zeit galt der Bürgerliche Realismus im Gegensatz zur Romantik und zum Naturalismus als eine Bewegung ohne klares theoretisches und programmatisches Profil.1 Begründet wurde ein solches Urteil ni
Index
» Bürgerlicher realismus
» Theorie und Ästhetik des Bürgerlichen Realismus
» Ideologische Dimensionen: Verklärung als Versöhnungsgeste

Ideologische Dimensionen: Verklärung als Versöhnungsgeste



Es ist insbesondere die Verklärungsstrategie, mit der sich der Bürgerliche Realismus nach 1848 als ein ,Realidealismus' etabliert. Verklärung ist nicht nur einer der zentralen Termini der Ã"sthetik des Bürgerlichen Realismus2": Stifter redet von 'Verklärung"21, Vischer von den 'grünen Stellen"22, Keller von der 'Reichsunmittelbarkeit der Poesie"2', Fontane von 'Läuterung" und 'poetischer Verklärung". Auf der erkenntnistheoretischen Ebene benennt man mit dem Begriff der Verklärung den Unterschied zur naturwissenschaftlichen Realitätsaneignung; im Bereich des Ã"sthetischen meint Verklärung die subjektive Schilderung des objektiven Geschehens und die Aufnahme der objektiven Realität aus subjektiver Perspektive. Man nimmt sich das Recht, poetisch über die Realität zu verfügen, und sieht in dieser Freiheit die Autonomie von Literatur begründet. Inhaltlich umgesetzt werden die verklärenden Erzähl verfahren durch spezifische Formen der Konfliktlösung, die in der Regel auf die Akzeptanz der gesellschaftlichen Gegebenheiten durch das Individuum hindeuten. Auf der damit eng zusammenhängenden ideologischen Ebene benennt 'das ästhetische Postulat des Verklärungsrealismus [...] ein nationaldidaktisches Programm"25, das den Bürgerlichen Realismus in Verbindung zur gesellschaftspolitischen Haltung des Bürgertums bringt und zwar vor 1871, aber dann insbesondere nach der Reichsgründling, die den bürgerlichen Traum von der nationalen Einigung einlöste. In der ästhetischen Verklärungsstrategie kommt jene Bereitschaft zu politischen Konzessionen und Kompromissen dem Adel gegenüber zum Ausdruck; nicht zuletzt ein erstarkender vierler Stand hat dieses Anpassungsverhalten des Bürgertums hervorgerufen. Sätze wie die aus der ersten Fassung von Gottfried Kellers Grünem Heinrich bestätigen einen solchen Zusammenhang zwischen gesellschafts- bzw. kulturgeschichtlicher und literarästhetischer Entwicklung:

|...| es handelt sich aber eben in der Geschichte und Politik um das, was die kurzatmigen Helden und Rheloren nie einsehen: nicht um ein Trauerspiel, sondern um ein gutes Ziel und Hnde, wo die geläuterte unbedingte Hinsicht alle versöhnt, um ein großes heiteres Lustspiel, wo niemand mehr blutet und niemand weint. Langsam aber sicher geht die Welt diesem Ziele entgegen."''
Für die Ausrichtung des Bürgerlichen Realismus als ,Realidealismus' oder ,Idealrealismus' dürften mithin, wie bereits erwähnt, die gesellschaftspolitischen Hintergründe nicht ohne Bedeutung gewesen sein. Sozialgeschichtlich lässt sich die Verklärungsstrategie des Bürgerlichen Realismus als die Kompensation der 1848 gescheiterten Hoffnungen und Ideale verstehen. Das ästhetische, literarische Ideal ersetzt das politische, der literarische Realismus stellt sich demzufolge als ein Abbild des politischen Realismus, der Realpolitik, dar. In diesem Sinne spiegeln die idealistischen Anteile der realistischen Literaturtheorie die Harmonisierungstendenzen im gesellschaftspolitischen Verhalten des Bürgertums und in einer politischen Bürgerlichkeit wider. Denn letztlich benennt das Verklärungspostulat auch den bürgerlichen Versuch der Herstellung einer harmonischen und harmonisierenden Ordnung, die angesichts eines wachsenden Proletariats sowie einer zunehmend spannungsgeladenen Gesellschaft immer schwieriger aufrechtzuerhalten war. Die idealistischen Dimensionen der realistischen Theo-rie sind das Resultat dieser Harmoniesucht des Bürgertums, die vielfach zu einer offenen Verkennung oder bewussten Leugnung realer Verhältnisse führte. Man darl'diese idealistische Ausrichtung des Bürgerlichen Realismus nicht ausschließlich als Realitätsflucht abtun; es geht hier um mehr, um den letztlich politisch motivierten Versuch nämlich, die bürgerlichen Ziele, Vorstellungen, Erwartungen und Lebenseinstellungen in ihrer ethischen Ausrichtung zu erhalten: Das Verklärungspostulat legt den Autoren des Bürgerlichen Realismus nicht nur die VcrpHichtung zur Darstellung einer schönen, sondern auch einer harmonischen bürgerlichen Welt auf. Zwar wird der späte Realismus diese VcrpHichtung immer verhaltener wahrnehmen, doch kaum ein Autor hat sich ihr gänzlich entzogen.
      Verklärung als Bestandteil der Ã"sthetik des Bürgerlichen Realismus benennt mithin zunächst einmal ideologische Dimensionen: Die ästhetischen Positionen der bürgerlich realistischen Literatur lassen sich als Ausdruck der spezillschen Entwicklung des deutschen Bürgertums und des deutschen Liberalismus im Kontext ihrer Wende zur Realpolitik deuten. Sie implizierte die Idealisierung einer gesellschaftlichen Wirklichkeit, die durch die Vorherrschaft des Adels auf politischem und des Bürgertums auf ökonomischem Gebiet, durch die Industrialisierung der Lebenswclt und durch die Kapitalisierung der Gesellschaft, durch Standesdünkel, Unterdrückung der freien Presse und Ausschaltung der politischen Opposition, rücksichtsloses Profitstreben und Massenarmut, Imperialismus in der Außenpolitik und Korruption in der Innenpolitik gekennzeichnet war: Wer diese Phänomene von vornherein in der Literatur als nicht literatuiTähig einstufte und die Missstände gar nicht wahrnehmen wollte, wer sich letztlich also eine Wirklichkeit des 'schönen Scheins"2" zurecht ,modelte' um den Ausdruck Fontanes zu bemühen2' , und der Kunst die Aufgabe zuwies, ausschließlich die .schöne' Seite der Realität zu zeigen und eine wenig ideale Welt und Wirklichkeit in der Literatur zu verklären, der wird sich jedoch, wie Gerhard Plumpe zu Recht formulierte, den 'Vorwurf ideologischer Schönfärberei gefallen lassen müssen".
     

Partiell ist die im Namen des Realismus-Begriffs vorgenommene verklärende, antirealistische Tendenz des Bürgerliehen Realismus durch seine Anlage als eine bürgerliche Literaturrichtung zu erklären. Man praktiziert zu keinem Zeitpunkt einen ,Enthüllungsrealismus'; realistisches Schreiben übernimmt innerhalb der Programmatik des Bürgerlichen Realismus keine entlarvende, sondern vielmehr eine den gesellschaftlichen Status Quo bestätigende Funktion. Ilelmuth Widhammer hat die Theoretiker des Bürgerlichen Realismus eingehend untersucht und sowohl die Unterschiede als auch die Gemeinsamkeiten benannt: Die programmatischen Maximen bleiben, so sein Befund, bei allen Vertretern und Theoretikern des Bürgerlichen Realismus auf die Proklamation und Vermittlung bürgerlicher Werte zentriert. Der ,Realismus'-Gehalt der bürgerlich-realistischen Literatur ist diesem Ziel geschuldet: Durch eine realistische Darstellung der bestehenden Verhältnisse sollen eben diese Verhältnisse erhalten und gefestigt werden, an dieser Ausrichtung vermag auch die kritische Dimension und Tendenz des Spätrealismus kaum etwas zu ändern: .'Realismus' bedeutet inhaltlich Selbstdarstellung des bürgerlichen Bewußtseins, methodisch aber einen .Realismus' der Illusion, der Vorspiegelung eher als der Widerspiegelung."" Literatur wird innerhalb der Realismustheorie der bürgerlichen Realisten mithin keine erkennende Funktion zugewiesen; Realismus bedeutet nicht 'Erkenntnis von Wirkliehkeil, sondern |...| Affirmation bürgerlichen Selbstverständnisses". Denn
|...| nur unter dieser Formel konnte Literatur den an sie gestellten arbeitsteiligen Auftrag des liberalen Bürgertums zwischen dem politisch dominierenden Adel und dem heraul'drängenden Proletariat erfüllen. Dieser Auftrag wird formuliert in immer noch idealistischer Terminologie, die den re/eptionsiisthetischen Aspekt des programmatischen Realismus verschleiert.
     
   Der Versuch des Bürgerlichen Realismus, eine 'Welt" zu entwerfen, 'die von der schaffenden Phantasie vermittelt ist, nicht von der gemeinen"", muss darüber hinaus als das Resultat einer grundlegenden Verunsicherung und einer allgemeinen Orientierungskrise gesehen werden. Die Lebenszusammenhänge wurden zunehmend undurchsichtiger, die Wissensfelder erweitert, das Bewusstsein für eine begrenzt erfahrbare Wirklichkeit ging verloren, alte Konzepte von Einheit, Ordnung und 'Zusammenhang" schienen kaum mehr tragfähig. Vor dem Hintergrund dieser epochalen Orientierungskrise nach 1850 in Verbindung mit den Prozessen der Industriali-sierung, Technisierung und Urbanisierung muss etwa Otto Ludwigs Definition des Begriffs des 'Poetischen Realismus" gelesen werden:
[...) sie [die schaffende Phantasie; S.B.] schafft die Welt noch einmal, keine sogenannte phantastische Welt, d.h. keine zusammenhanglose, im Gegenteil, eine, in der der Zusammenhang sichtbarer ist als in der wirklichen, nicht ein Stück Welt, sondern eine ganze, geschlossene, die alle ihre Bedingungen, alle ihre Folgen in sich selbst hat. So ist es mit ihren Gestalten, deren jede in sich notwendig zusammenhängt, als die in der wirklichen, aber so durchsichtig, daß wir den Zusammenhang sehen, daß sie als Totalitäten vor uns stehen [...]. Eine Welt, in der die Mannigfaltigkeit der Dinge nicht verschwindet, aber durch Harmonie und Kontrast für unsern (ieist in Einheit gebracht ist; nur von dem, was dem Falle gleichgültig ist, gereinigt. Ein Stück Welt, solchergestalt zu einer ganzen gemacht, in welcher Notwendigkeit, Einheit, nicht allein vorhanden, sondern sichtbar gemacht sind.
      Ludwigs Definition, die nicht zuletzt auch um eine Abgrenzung des "Poetischen Realismus" von der Romantik bemüht ist, verweist auf eine grundlegende Erfahrung der Autorengeneration des Bürgerlichen Realismus: Der Erfahrung, dass die Welt nur mehr als eine zusammenhanglose erlebbar sei, will man, ganz im Gegensatz zu den Romantikern, mit poetischer Kohärenz entgegnen. Dem fragmentarischen Charakter der Welt und der nur mehr fragmentarisch erfahrbaren Welt setzt man, in diesem Punkt an Hegel anschließend", eine in der Kunst noch denkbare 'Totalität" entgegen; die innere Geschlossenheit und Einheit der Mehrheit der Romane des Bürgerlichen Realismus verweisen auf diesen Ansatz. Dies verdeutlicht etwa eine Ã"ußerung Gustav Freytags, deren Motivation der antiromantische Impuls des Bürgerliehen Realismus sein dürfte:
Dadurch entsteht dem Leser das behagliche Gefühl der Sicherheit und Freiheit, er wird in eine kleine freie Well versetzt, in welcher er den vernünftigen Zusammenhang der Ereignisse vollständig übersieht, in welchem sein Gefühl für Recht und Unrecht nicht verletzt, er zum Vertrauten starker, idealer Empfindungen gemacht wird. Wenn nun aber dieser innere Zusammenhang dadurch gestört wird, daß der ganze ungeheure Verlauf des wirklichen Lebens, die ungelösten Gegensätze, die Spiele des Zufalls, welche das Detail der wirklichen Ereignisse bei fragmentarischer Behandlung darbietet, mit hereingetragen werden in den Bau des Romans, so geht dadurch dem Leser das Gefühl des Vernünftigen und Zweckmäßigen in den Begebenheiten in peinlicher Weise verloren.'''
Dem Programm des Bürgerlichen Realismus gemäß soll der Roman also keineswegs eine nur mehr fragmentarisch erfahrbare Lebenswirklichkeit darstellen, ungeachtet der Tatsache, dass dies der realen Erfahrung entsprechen würde. Auch wenn sich die Lebens- und Erfahrungswelt als zusammenhanglos, zerrissen, vielfältig und kaum mehr durchschaubar erwies, sollte ihre literarische Verarbeitung die bekannten Orienticrungs-, Ordnungs- und Sinnmustcr noch einmal bestätigen. Dieses Streben nach Totalität und Ãoberschaubarkeil innerhalb der literarischen Darstellung unterscheidet den Bürgerlichen Realismus maßgeblich von der ästhetischen Modernität der Romantik. Auch die romantische Generation musste die Erfahrung der wachsenden Zusammenhanglosigkeit und des Fragmentcharakters der Wirklichkeit machen; im Unterschied zu den bürgerlichen Realisten entschied sie sich jedoch dazu, die Provokation, die diese Erfahrung darstellte, anzunehmen und ihr ästhetisch gerecht zu werden.
      So ist das Verklärungspostulat des Bürgerlichen Realismus sicherlich auch das Resultat der Sehnsucht nach einer geordneten und ordnenden und damit zugleich einer normativen Aneignung von Welt. Denn letztlich wird mit ihm nicht nur eine Normierung literarischer Kategorien vorgenommen; vielmehr handelt es sich zugleich um ein selektives Verfahren, durch das bestimmte Sujets als nicht literaturfähig ignoriert werden. Dem spezillschen Rcalismusverständnis des Bürgerlichen Realismus ist von daher eine Themenselektion implizit. Bestimmte Stoffe und Phänomene behandelt der Bürgerliche Realismus nicht, mit der Maxime der harmonisierenden Verklärung erlährbarer Wirklichkeit und erlcbbarer Gegenwart geht der Ausschluss bestimmter Sujets einher. Insbesondere das in diesen Jahrzehnten entstehende Industrieproletariat ebenso wie die soziale Frage, soziales Elend, proletarisches Milieu und industrieller Arbeitsalltag finden keinen Eingang in die Romane der bürgerlichen Realisten, obwohl diese Entwicklungen unbedingt zur historischen Realität der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten. Neben den Negativerscheinungen einer industrialisierten Lebenswelt schloss man weiterhin Themenbereiche wie Wahnsinn, Krankheit und Tod, die 'Nachtseite der menschlichen Natur", wie es bei Fontane heißt17, systematisch aus.'* Aus einer solchen Einstellung heraus erklärt sich z.B. die vehemente Kritik an Georg Büchners Novelle Lenz, über die Julian Schmidt in einem Aufsatz aus dem Jahr 1851 urteilt:
Die Darstellung des Wahnsinns ist eine unkünstlerische Aufgabe, denn der Wahnsinn, als die Negaliviläl des Geistes, folgt keinem geistigen Gesetz, f...] Der Wahnsinn |gehört| in das Gebiet der Pathologie, und hat ebensowenig das Recht, poetisch behandelt zu werden, als das Lazarett und die Folter. [...] Amschlimmsten ist es, wenn sich der Dichter so in die zerrissene Seele seines Gegenstandes versetzt, daß sich ihm selber die Welt im Fiebertrattm dreht.
     
   Zugleich legte man einen thematischen Kanon fest, der den Ausprägungen bürgerlicher Mentalität nach 1848 korrespondiert: Man bevorzugte die Themenbereiche des Privaten und des Familiären und favorisierte Sujets wie Ehe und Liebe, Beruf und Arbeit, Erziehung und Entwicklung, Bildung und Ausbildung. Vcrlässt der Held seinen familiären Kreis und seine Heimat, so steht am Ende dieser Romane in der Regel seine Etablierung in ein neu geschaffenes bürgerlich-familiäres Umfeld.
      Hinter den Kunststrategien des Bürgerlichen Realismus steht mithin der Versuch der Harmonisierung der politischen und sozialen Gegebenheiten, die ästhetischen Richtlinien sind das Resultat politisch-ideologischer Erwägungen; so erweist sich das Prinzip der Verklärung in vielerlei Hinsieht als eine Flucht in restauralive Utopien. Das Bürgertum war auf Harmonie und Kompromisse mit dem Adel aus, man hatte sich nach der gescheiterten Revolution, in gemeinsamer Konfrontation zum Proletariat, mit dem Adel arrangiert.
      Für die Bewertung dieser thematischen Ignoranz des Bürgerlichen Realismus sollte in Rechnung gestellt werden, dass er kulturhistorisch als Vermittlungsinstanz von Bürgerlichkeit und bürgerlicher Kultur zu lesen ist und mithin primär auf den Entwurf einer bürgerlichen Lebens- und Wertewelt beschränkt bleibt. Der Blick auf die Lebensverhältnisse und das soziale Elend genau jener Klasse, von der man sich ängstlich distanzierte, ja bedroht sah, interessierte dabei nur am Rande. Die ökonomische Bedeutung des Bürgertums wuchs nach der Revolution, doch sein politischer Einfluss, die Möglichkeit, am politischen Gestaltungsprozess mitzuwirken, ging merklich zurück. Hinzu kam die wachsende Verteidigungsstellung der sich organisierenden Arbeiterschaft gegenüber. Beide Entwicklungen begründeten die Selbstbezogenheit der bürgerlichen Klasse, im Zuge derer die bürgerlichen Werte bestätigt werden sollten. An diesem Prozess der Selbstbestätigung und Selbstversicherung hat die Literatur des Bürgerlichen Realismus sicherlich einen nicht unmaßgeblichen Anteil, ihr Affirmationscharakler in Bezug auf die bürgerliche Wertewelt kam dem Verlangen großer Teile des Bürgertums, auch des Bildungsbürgertums, entgegen. Und so ist der Realismus des 19. Jahrhunderts zweifelsohne ein bürgerlicher' Realismus, d.h. die nach 1848 entstandene realistische Literatur entwickelt sich im Umfeld der bürgerlichen Klasse, und das meint in einer bestimmten historischen Situation des deutschen Bürgertums und aus einer spezifisch bürgerlichen Haltung heraus. Diese Koordinaten bestimmen nachhaltig das in der Literatur von der Wirklichkeit gezeichnete Bild, dieses ist ein selektierendes, welches die maßgeblich vom Bürgertum geschaffenen gesellschaftlichen Missstände aus-schloss: Als Träger der ökonomischen Entwicklung und des industriellen Forlschritts war man zugleich Produzent eines vierten Standes, des Proletariats, das von der Stunde seiner Entstehung an das Bürgertum in seiner sozialen und kulturellen Stellung bedrohte. Genau diese Widersprüchlichkeil der eigenen Klasse konnte und wollte das Bürgertum sich nicht eingestehen, und auch die Literatur des Bürgerlichen Realismus hat mehr ein Bild von der bürgerlichen gesellschaftlichen Realität entworfen, das der Mehrheit des deutschen Bürgertums als Ideal vor Augen schwebte: Das Bild einer harmonisch funktionierenden und nach humanen, liberalen Werten lebenden Bürgergemeinschaft, in der ein sozialer Friede existiert und in der der Einzelne in Einklang mit den Anforderungen der Gemeinschaft leben kann.
     

 Tags:
Ideologische  Dimensionen:  Verklärung  als  Versöhnungsgeste    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com