Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Bürgerlicher realismus
Lange Zeit galt der Bürgerliche Realismus im Gegensatz zur Romantik und zum Naturalismus als eine Bewegung ohne klares theoretisches und programmatisches Profil.1 Begründet wurde ein solches Urteil ni
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» Bürgerlicher realismus
» Theorie und Ästhetik des Bürgerlichen Realismus
» Die philosophische Basis

Die philosophische Basis



Die Ausgangsbasis der realistischen' Ã"sthetik des Bürgerlichen Realismus ist, ungeachtet des Bedeutungsverlusts philosophischer Deutungsmuster, die idealistische Philosophie bzw. Flegels Kunstphilosophie; nicht zuletzt der von vielen Zeitgenossen synonym gebrauchte Begriff des ,Realidealismus' verweist auf diesen Einfluss. Mit diesem Terminus will man zum einen die spezilischen Dimensionen des Realismus-Begriffs, zum anderen aber auch das dabei vorausgesetzte Verhältnis zwischen Realität und Literatur benennen.

      Im Anschluss an Hegel differenziert der Bürgerliche Realismus zwischen dem 'Kunst-Schönen" und dem 'Real-Schönen"."' Eine solche Unterscheidung lindet sich in fast allen zeitgenössischen theoretischen Eingrenzungen sowohl des Realismus-Begriffs im Speziellen als auch des Literaturverständnisses im Allgemeinen. Diese Definitionen kreisen stets um die Bestimmung des Realismus als Real-Idealismus. Mit der Entstehung des Naturalismus, der dritten in einer realistischen Tradition stehenden Bewegung des 19. Jahrhunderts nach dem Vormärz und dem Bürgerlichen Realismus wird die spezitische Ausrichtung eines solchen Realidealismus in ihren Konturen schärfer, etabliert sich der Naturalismus doch von Beginn an in Absetzung vom Bürgerlichen Realismus als ein ,Radikal-Realismus', als ein 'konsequenter" Realismus, dessen primärer Bezugspunkt die Natur bzw. die empirisch wahrnehmbare Außenwelt ist. Idealisierenden Momenten kommt innerhalb eines solchen Realismusverständnisses keinerlei Bedeutung mehr zu. Dabei hatte der Bürgerliche Realismus in einem Punkt Vorarbeit geleistet: Denn gegen Hegel hatte dieser das Reale partiell zum 'Kunst-Schönen" deklariert und damit dessen Poesiefähigkeit postuliert. Ãoberwunden hatte man so zugleich das Hegeische Diktum vom 'Ende der Kunst" angesichts einer prosaisch gewordenen Lebenswelt, in der 'Real-Schönes" nicht mehr existiere. Der Bürgerliche Realismus korrigiert Hegels Urteil von der prosaischen und demzufolge nicht literaturfähigen Moderne und legt damit den Grundstein der stofflichen Ausrichtung der literarischen Moderne des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
      Der Hegel-Schüler Friedrich Theodor Vischer hatte hierfür in Absetzung von Hegels Ã"sthetik entscheidende Impulse gegeben. Denn zwar ist der Einfluss der Hegelschen Ã"sthetik und des von ihm favorisierten ,Realidealismus' von kaum zu überschätzender Bedeutung für das Verklärungspostulat des Bürgerlichen Realismus. Hegel hatte den Realidealismus als das 'Zusammenstimmen des konkreten Ideals mit seiner äußerlichen Realität"4' definiert; diesen Ansatz rezipierte Vischer. Doch gelangte seine 1837 erschienene Schrift Ãober das Erhahene und Komische insofern über Hegel hinaus, als Vischer die 'Naturschönheit" akzentuierte und damit die sinnlich erfahrbare, empirische Realität als literarisches Sujet aufwertete. Dabei wird zwar die Diskrepanz zwischen Literatur und Wirklichkeit keineswegs geleugnet; allerdings möchte Vischer diese mittels einer 'Einheit des Idealen und Realen", einer 'Ineinsbildung des Realen und ldealen" die die nicht ideale Realität mit einer real erscheinenden Idealität in Einklang zu bringen sucht, aufheben. Mit dieser Konstruktion wird die von der klassischen Literatur und Poetik explizit formulierte und akzeptierte Spannung

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