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Bürgerlicher realismus
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Theorie und Ästhetik des Bürgerlichen Realismus


Lange Zeit galt der Bürgerliche Realismus im Gegensatz zur Romantik und zum Naturalismus als eine Bewegung ohne klares theoretisches und programmatisches Profil.1 Begründet wurde ein solches Urteil nicht zuletzt mit dem Hinweis auf ein fehlendes gemeinsames Foru

m sowie mit der Tatsache, dass sich die Mehrheit der im Umfeld des Bürgerlichen Realismus schreibenden Autoren nie persönlich begegnet und vielfach auch nicht persönlich miteinander bekannt geworden sind. Im Gegensatz zu diesem Ansatz soll der Bürgerliche Realismus im Folgenden als eine Bewegung mit einem fest umrissenen Programm und einer klar definierten Ästhetik beschrieben werden, die über ein halbes Jahrhundert die deutsche Literaturgeschichte bestimmt hat. Der Romantik vergleichbar kennt der Bürgerliche Realismus ausgesprochene Theoretiker wie Julian Schmidt, der selbst nie literarisch tätig wurde, Gustav Freytag und Otto Ludwig, daneben aber auch Autoren wie Fontane, Raabe, Keller, Storni, Stifter u.a., die sich in Zusammenhang mit ihren Werken auch theoretisch zum Phänomen des literarischen bzw. des poetischen Realismus geäußert haben. Zwar hat der Bürgerliche Realismus keine geschlossene Literaturtheorie vorgelegt, im Unterschied zur Romantik war er keine theorieorientierte Bewegung. Dennoch darf man von einer gemeinsamen literaturtheoretischen und ästhetischen Grundauffassung und programmatischen Basis sprechen, auf der die Mehrheit der Werke entsteht. Gemeinhin wird die Bewegung des Bürgerlichen Realismus in zwei Phasen unterteilt. Die Epoche nimmt ihren Anfang um die Mitte des 19. Jahrhunderts nach der .gescheiterten' Revolution von 1848/49. Das Ende der Wirkungszeit liegt im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, konkurrierende Strömungen wie der Naturalismus und auch die unter dem Begriff der ,Jahrhundertwende' subsumierten literarischen Strömungen der Neuklassik, Neuromantik und Decadence sowie des Ästhetizismus und Impressionismus nehmen in diesen Jahren ihren Anfang. Mithin kann der Bürgerliche Realismus eine Wirkungsphase von fast fünfzig Jahren für sich beanspruchen; auch hat seine Programmatik die Literatur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich bestimmt, sie dürfte die dominante Ästhetik dieser Zeit gewesen sein.


Der programmatische Realismus
Die erste Phase des Bürgerlichen Realismus wird gemeinhin als die Wirkungszeit des programmatischen Realismus bezeichnet; insbesondere die Jahre zwischen 1849 und 1859 dürfen, da in diesem Jahrzehnt grundlegende theoretische Richtlinien festgelegt wurden, als die programmatische Konstituierungsphase [ ... ]
Literatur und Realität
Die Theorie des Bürgerlichen Realismus kreist vornehmlich um die Frage nach der Beziehung zwischen Literatur und Wirklichkeit; es ist insbesondere das differenzierte Verhältnis des Bürgerlichen Realismus zur Realität, das diese Bewegung so komplex und ambivalent macht. Denn einerseits soll Realität [ ... ]
Verklärungsstrategien: Realismus und Idealismus
Eine Deckungsgleichheit von Literatur und Realität lehnt die realistische Literatur des 19. Jahrhunderts strikt ab; hinsichtlich des Verhältnisses von Ideal und Wirklichkeit dagegen strebt man eine Identität an. Ausgangspunkt dieser programmatischen Maxime ist die Annahme, dass eine solche Identität [ ... ]
Ideologische Dimensionen: Verklärung als Versöhnungsgeste
Es ist insbesondere die Verklärungsstrategie, mit der sich der Bürgerliche Realismus nach 1848 als ein ,Realidealismus' etabliert. Verklärung ist nicht nur einer der zentralen Termini der Ã"sthetik des Bürgerlichen Realismus2": Stifter redet von 'Verklärung"21, Vischer von den 'grünen Stellen"22, Ke [ ... ]
Die philosophische Basis
Die Ausgangsbasis der realistischen' Ã"sthetik des Bürgerlichen Realismus ist, ungeachtet des Bedeutungsverlusts philosophischer Deutungsmuster, die idealistische Philosophie bzw. Flegels Kunstphilosophie; nicht zuletzt der von vielen Zeitgenossen synonym gebrauchte Begriff des ,Realidealismus' verw [ ... ]
Literatur und Mimesis
Insbesondere die Ã"ußerungen Theodor Fontanes, aber auch die Urteile anderer Vertreter des Bürgerlichen Realismus über die Realismuskonzeption der Naturalisten machen deutlich, dass man unter Realismus keinesfalls die möglichst exakte und getreue Reproduktion der Wirklichkeit, keine Kopie der Realit [ ... ]
Realismus / Naturalismus
'Widerspiegelung" innerhalb der Ã"sthetik des Bürgerlichen Realismus meint dementsprechend im Gegensatz zum französischen Realismus eines Emile Zola, aber auch zum deutsehen Naturalismus nicht etwa die Annäherung von literarischer Darstellung an die Natur und lässt sich demzufolge auch nicht auf d [ ... ]
Kunstverständnis
Das literarische Programm und ästhetische Konzept des Bürgerlichen Realismus basiert auf dem Entschluss, die verloren gegangene Poetizität des Realen in der Literatur wiederherzustellen, genau genommen also das Gegenteil einer realistischen Darstellung zu geben. Die Beschreibung von Literatur als ei [ ... ]
Realismuskonzept
Auf der Grundlage des Verklärungspostulats definiert die Programmatik des Bürgerlichen Realismus das Phänomen ,Realismus' im Sinne der thematischen und stofflichen Hinbettung der Literatur in die historische Realität des 19. Jahrhunderts und im speziellen in die der bürgerlichen Welt. Realistisches [ ... ]
Plausibilitätsprinzip
Fontanes Ã"ußerungen deuten es an: Für den von ihm geforderten 'Griff ins volle Menschenleben" wollte man eines nicht: 'Rhetorik"; poetologische Leitlinien sind vielmehr die Erzählprinzipien der Anschaulichkeit und Plau-sibilität des Geschilderten: 'Niemand muß nüchterner in die Welt hineinsehen als [ ... ]
Sentimentalismus
Indem der deutsche Realismus weniger auf eine objektive Erfassung der gesellschaftlichen und historischen Realität als vielmehr auf das subjektive und individuelle Erleben dieser Realität zielt, schildert er die Welt aus einer subjektiven Sicht, aus einer Perspektive der Innerlichkeit heraus. Hier d [ ... ]
Humor
Die Abwehrhaltung der Autoren des Bürgerlichen Realismus gegen den in den 1880er Jahren sich konstituierenden Naturalismus liegt letztlich auch im Fehlen einer humoristischen Dimension naturalistischen Schreibens begründet. Die Kritik des Bürgerlichen Realismus an der naturalistischen Ã"sthetik zeig [ ... ]

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