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Marie von Ebner-Eschenbach


Marie von Ebner-Eschenbach darf als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen ihrer Zeit gelten. Insbesondere ihre gesellschaftskritische, auf den Adel bezogene Haltung, aber auch die sozialkritische Tendenz ihrer Werke weisen sie zudem als die wichtigste Vertreterin des österreichischen Spätrealismus au

s. Ihre Leserschaft rekrutierte sich vornehmlich aus dem Bildungsbürgertum, das offenbar in der Adclskritik Eb-ner-Eschenbachs die eigenen Vorstellungen und Meinungen bestätigt fand. Die Basis ihrer Skepsis der eigenen Klasse gegenüber gab jedoch nicht etwa ein Bekenntnis zum Bürgertum als der neuen modernen Klasse ab: Vielmehr war der Ausgangspunkt der Ebner-Eschenbachschen Adelskritik die österreichische Spätaufklärung, was sich vor allem in ihrem Interesse an dem Verhältnis von Landadel und freiem Bauerntum widerspiegelt; das Thema ihrer Romane und auch vieler ihrer Novellen ist die gespannte Be Ziehung zwischen Schlossbewohnern und Dorfgemeinde, zwischen Bauerntum und Adel. Mit dieser thematischen Ausrichtung darf Ebner-Eschenbach nicht zwingend als eine Vertreterin des Bürgerlichen Realismus bezeichnet weiden. Was aber dennoch zu dieser Einordnung berechtigt, ist, wie im Falle ihres Landsmannes Ferdinand von Saar, die von Ebner-Eschenbach vorgenommene Übertragung bürgerlicher Maximen auf die Adelsklasse, insbesondere die Forderung nach einem humanen Miteinander und nach dem sozialen Handeln des Einzelnen; weiterhin ihre scharfe Kritik an einem feudal eingestellten Adel, der es ablehnte, seine gesellschaftliche Vormachtstellung mit einem an der Gemeinschaft orientierten bei Ebner-Eschenbach ist dies in der Regel die bäuerliche Dorfgemeinschaft zu verbinden und zu begründen; wie oben erwähnt, verknüpft sie dieses Sujet mit der Darstellung des Konflikts zwischen Reformadel und Feudaladel. Mit ihren Entwürfen einer idealen Gesellschaft und der Vision idealer gesellschaftlicher Zustände steht Ebner-Eschenbach in einer idealistischen, aber aueh aufklärerischen Tradition. Doch gerade wegen der ihre Werke kennzeichnenden Verbindung eines aufgeklärt-absolutistischen und konfessionslosen Weltbildes mit einem bürgerlichen Werlesystem sowie mit der Forderung nach einem moralischen Empfinden als Grundlage sozialer Gerechtigkeit und sozialem Handeln, ist Ebner-Eschenbach ein Beispiel der Verbürgerlichung der Literatur im 19. Jahrhundert.


Bozena (I875)
In ihrer ersten großen Erzählung Bozena, 1876 von Paul llcyse in den von ihm herausgegebenen Neuen Den/sehen Novellenschatz aufgenommen, erzählt Ebner-Eschenbach den Werdegang einer tschechischen Dienstmagd. Der Roman gilt als einer der ersten Dienstmädchenromane der deutschen Literatur; auch steht [ ... ]
Das Gemeindekind (I887)
Das Gemeindekind darf in vielerlei Hinsicht als ein paradigmatisches Werk des Bürgerlichen Realismus gelten. Der Roman, an dem Ebner-Eschenbach fast fünf Jahre arbeitete die ersten Erwähnungen linden sich in den Tagebüchern des Jahres 1881 -, stellt eine gelungene Synthese zwischen Dorfgeschichte, s [ ... ]

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