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Bürgerlicher realismus
Unter literaturhistorischen Gesichtspunkten entsteht der Bürgerliche Realismus als eine Gegenbewegung sowohl zur Romantik als auch zum Jungen Deutschland und zum Vormärz. Deren literarische Programme
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Der französische Realismus



Für die Ausbildung einer realistischen Literatur in Deutschland waren die realistischen Zeitromane der französischen, englischen und auch russischen Literatur nicht ohne Einfluss. Da der Beginn der Ausbildung des französischen und englischen Realismus weitaus früher zu datieren ist als die Entstehung des Bürgerlichen Realismus in Deutschland, sind Autoren wie Honore de Balzac, Gustave Flaubert und Charles Dickens als dessen Vorbilder zu nennen. Das Werk Balzacs z.B. er stirbt 1850 liegt in der Konstituierungsphase des Realismus in Deutsehland bereits vor, in den Jahren zwischen 1842 und 1848 war die erste Gesamtausgabe seiner Werke erschienen, die Balzac als die Comedie humaine verstanden wissen wollte; auch Flauberts Roman Madame Bovary, an dessen Qualität in Deutschland insbesondere Theodor Fontane anschließen konnte die thematische Nähe zu seinem Roman Effi Briest ist bekannt , war bereits 1857 erschienen.
      Allerdings sollte der Einfluss des französischen Realismus nicht überbewertet werden; in vielen Punkten ist gar von divergierenden Tendenzen im Vergleich zur französischen Literatur auszugehen. Den Realismus eines Flaubert lehnte man als einen Realismus ohne Idealismus ab.4S Denn weder wollte man einen Idealismus ohne Realismus, wie ihn Schiller und die Romantiker praktiziert hätten, noch einen Realismus ohne Idealismus, einen Naturalismus in der Art der Franzosen also. Emil Hornberger z.B., ein heute kaum mehr bekannter Schriftsteller und Literaturkritiker, urteilte über Flauberts realistische Romane:
Wie der Idealismus, welcher den Boden der realen Well verläßt, zu luftiger Phantasterei wird, so sinkt der Realismus, welcher die Wirklichkeit [...] nicht durch das Ideal vergeistigt, zum plumpen Materialismus herab. Der Verfasser der 'Madame Bovary" |...| scheint uns interessant |...| als vollendetes Muster eines materialistischen Dichters.

     
   Doch es war insbesondere Emile Zola, der das Missfallen der bürgerlichen Realisten hervorrief. Einer der schärfsten Kritiker des französischen Realismus respektive Naturalismus war Theodor Fontane. Mit Blick auf den deutschen Naturalismus schreibt Fontane an Friedrich Stephany im Oktober 1889:
Der Realismus wird ganz falsch aufgefaßt, wenn man von ihm annimmt, er sei mit der Häßlichkeil ein für allemal vermählt; er wird erst ganz echt sein, wenn er sich umgekehrt mit der Schönheit vermählt und das nebenherlaufende Häßliche, das nun mal zum Leben gehört, verklärt hat.
     
Fontane hatte bereits in seiner Rezension von Gustav Freytags Roman Die Ahnen die Devise ausgegeben:
Was soll ein Roman? Hr soll uns, unter Vermeidung alles Ãobertriebenen und Häßlichen, eine Geschichte erzählen, an die wir glauben. Er soll zu unserer Phantasie und unserem Herzen sprechen, [...]; er soll uns eine Welt der Fiktion auf Augenblicke als eine Welt der Wirklichkeit erscheinen [...] lassen.

     
   Das Vorbild eines solchen Romans fand man innerhalb der englischen Literatur realisiert.
     

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Der  französische  Realismus    


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