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Bildungsideale



Das im Roman entworfene Bildungsideal zielt dementsprechend - auch in diesem Punkt dem traditionellen Schema des Bildungs- und Entwicklungsromans in der Nachfolge Goethes folgend auf die Synthese von Ich und Welt, von Individuum und Gesellschaft. In Schiller ist dieses Ideal im Roman gegenwärtig22; allerdings lässt Keller keine Zweifel darüber aufkommen, dass es sich um ein Ideal handelt, das angesichts der gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Gegebenheiten im 19.

Jahrhundert kaum mehr einzulösen ist. So darf Kellers Roman als ein Desillusionsroman bezeichnet werden, weil die aufgezeigten Differenzen der Leeschen Sehnsüchte und Ziele zum idealen Bildungsgang eines Helden größer sind als die Möglichkeiten der harmonischen Verschränkung beider Pole. Dass aber Heinrich diese Sozialisation nicht realisieren kann, wird nicht nur der Gesellschaft angelastet, sondern auch ihm selbst. Zwar spricht der Text von der Notwendigkeit des 'Doppellebens" des künstlerisch tätigen Menschen. Doch diese erforderliche Spaltung der künstlerischen Tätigkeit in eine be-rulliche und eine künstlerische Existenz, in Beruf und Berufung, in bürgerliche, soziale Arbeit und in die künstlerische, individuelle Tätigkeit, wird innerhalb des Romans nicht etwa ausschließlich negativ konnotiert.

Im Gegenteil ist die gelungene Biografie des Vaters, der die beiden Pole in einer anderen Lebenswelt noch erfolgreich miteinander in Vereinbarung bringen konnte, im Hinblick auf Heinrichs Werdegang und Sozialisation stets präsent. Zwar führt der Roman auch vor, dass das humanistische Bildungsideal des 18. Jahrhunderts, das Adalbert Stifter in seinem Nachsommer in das 19. Jahrhundert zu retten versucht, destruiert und dem Scheitern preisgegeben wird. Doch die Negation des auf die allseitige, individuelle Ausbildung eines Individuums zielenden Bildungskonzepls, der auf die ausschließlich subjektive Identität abhebenden Bildungsidee wird innerhalb des Romans keineswegs positiv gewertet, da mit dem Vater eine Kontrastfigur zu Heinrich eingeführt ist. Auch der Romanverlauf ebenso wie die gesamte Konstruktion des Werks verweisen darauf.

     

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