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Bürgerlicher realismus

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Louise von Francis (I8I7-I893)



Wie Marie von Ebner-Eschenbach schreibt auch die zweite bekannte Autorin des Bürgerlichen Realismus vorzugsweise moralisch-didaktische Novellen. In Anlehnung an Keller führt Louise von Francois Bürgerlichkeit als die gesellschaftliche Verantwortung und das soziale Bewusstsein des Einzelnen wie als eine Notwendigkeit der Integration des Individuums in das Kollektiv gleichermaßen vor, exemplarisch etwa in der Novelle Der Posten der Frau aus dem Jahr 1857. Mit pädagogisch-didaktischer Geste wird Bürgerlichkeit als der individuelle Beitrag zur Gemeinschaft benannt und im Sinne eines politischen und sozialen Engagements des Einzelnen für eine humane Ausrichtung der Gesamtheit präzisiert. In ihrer Novelle Phosphorus Holunder aus dem Jahr 1857 entwirft von Francois den Konflikt zwischen einem kompromisslos auf seinen Vorrechten beharrenden Adel und einem fortschrittlich eingestellten Bürgertum. In Ãobereinstimmung mit der Programmatik des frühen Realismus wird die bürgerliche Klasse ausschließlich positiv dargestellt, Strebsamkeit und Fleiß, aber auch ein ethisch-moralisches und solidarisches Handeln kennzeichnen diese Schicht. Wie Gustav Freytag gibt von Francois den Adel aufgrund seiner unmoralischen Lebenshaltung und verantwortungslosen Handlungsweise dem Untergang preis. Seinem gesellschaftlichen Abstieg steht der wirtschaftliche und politische Aufstieg der bürgerlichen Klasse gegenüber, die nicht nur auf ökonomische Erfolge verweisen kann, sondern aufgrund ihres sozialen Gemeinsinns und der Rückbesinnung auf die Werte der Gemeinschaft auch ihren gesellschaftlichen Führungsanspruch betont.
      Gegenseitige Achtung und Respekt werden dabei als Voraussetzungen eines sozialen und humanen Miteinanders hervorgehoben. In der 1859 erschienenen Novelle Hinter dem Dom etwa fordert sie religiöse Toleranz ein. Thema der Novelle ist die protestantische Hetze gegen jüdische Mitbürger, aber auch die Hilfe und das mutige Engagement eines Hinzeinen. Auch in Francois' erfolgreicher Novelle Der Katzenjunker geht es um fehlendes Gemeinschaftsgefühl, hier innerhalb einer Ehe. Zweifel und mangelndes Vertrauen, aber auch die Eifersucht des Mannes zerstören die Gemeinschaft. Die Notwendigkeit gegenseitigen Respekts und Vertrauens wird damit auch im Hinblick auf die Zweiergemeinschall, auf die kleinste gesellschaftliche Institution vorgeführt.
     

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Louise  Francis  (I8I7-I893)    


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