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Bürgerlicher realismus
Im Unterschied zum Grünen Heinrich erzählt Adalbert Stifters zwei Jahre nach Kellers Beitrag zur Lrzählliteratur des Bürgerlichen Realismus erschienener Roman Der Nachsommer den problemlosen Entwicklu
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Verklärungsstrategien



In dieser Abwesenheit des Wesentlichen liegt Stifters Eingebundenheit in die Programmatik des Bürgerlichen Realismus begründet, erschließt eine solche Vorgehensweise doch eines der wesentlichen Prinzipien der realistischen Ã"sthetik: Stifters Rosenhauswelt ist das konsequenteste Ergebnis der Verklärungsstrategie des Bürgerlichen Realismus. Die von ihm im Rosenhaus unter Rückgriff auf eine bukolische Tradition entworfene Welt ist eine Ã"sthetisierung des Alltags, bei der alles Unschöne und Unharmonische ausgeschlossen bleiben. Das Ideal wird von allem Störenden, das vorgeblich Wesentliche von allem vermeintlich Unwesentlichen gereinigt. Stifters Welt ist damit eine geläuterte Welt, in der ausschließlich geläuterte Menschen im Rahmen einer festen, nach sittlich-moralischen Prinzipien funktionierenden Ordnung leben. Dementsprechend gibt es in ihr keine Konflikte, nichts stört die Harmonie der in ihr Lebenden, Spannungen zwischen dem Individuum und der Gesellschaft, die durch den Mikrokosmos Rosenhaus vertreten ist, gibt es nicht. In Einklang mit der Terminologie des 19. Jahrhunderts und des Bürgerlichen Realismus sprach Stifter von der 'dichterischen Verklärung des Stoffes zu einem Schönheitsbilde": 'Wir wollen [...] reeht naeh der Litteratur sehen, ihre Flügel in dieser trüben schmutzigen Zeit reinzuerhalten suchen [...], und dies umso mehr, je abgeschmacktere widrigere Dinge sie inder Außenwelt treiben", fordert er seinen Verleger Gustav Heckenast brieflich auf.
Man darf davon ausgehen, dass Stifter mit diesen ,,abgeschmacktere[n] widrigerefn] Dinge[n]" primär das revolutionäre Aufbegehren der städtischen Masse, die revolutionären Umtriebe sowie die politische Organisation des Industrieproletariats meinte. Bewältigt wird die .Reinhaltung' der Literatur im Nachsommer durch den Rückgriff auf die Verklärungsstrategie, die Stifter so exzessiv genutzt und ausgelegt hat wie kein anderer Autor des Bürgerlichen Realismus. Auch bei ihm ist der Verklärungsbegriff - ungeachtet seiner religiösen Einlarbung, die er bei Stifter erfährt die Synthese von Realismus und Idealismus. Ãober ihr Verhältnis hat Stifter in seinem Aufsatz Die Kunst und das Göttliche geschrieben:
Realismus wird so gerne geradehin verdammt. Aber ist nicht Gott in seiner Welt am allerrealslen? Ahmt die Kunst Teile der Well naeh, so muss sie dieselben den wirklichen so ähnlich bringen, als nur möglich ist, d.h. sie muß den höchsten Realismus besitzen. Hat sie über ihn hinaus aber nichts weiter, so ist sie nicht Kunst, der Realismus kann dann noch für die Naturwissenschaft Wert haben, für die Kunst ist er grobe Last. Idealismus ist eben jenes Göttliche, von dem ich oben sagte. Ist es in der Kunst dem größten Realismus als höchste Krone beigegeben, so steht das vollendete Kunstwerk da.
      Als bürgerlicher Realist versteht Stifter das literarische Werk als eine ^erdichtete' Well, als ein Destillat der realen Welt, in der das Wesentliche vom Unwesentlichen getrennt ist, als die, um Stifters Wort zu zitieren, 'wirklichste Wirklichkeit"/"

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