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Bürgerlicher realismus
Im Unterschied zum Grünen Heinrich erzählt Adalbert Stifters zwei Jahre nach Kellers Beitrag zur Lrzählliteratur des Bürgerlichen Realismus erschienener Roman Der Nachsommer den problemlosen Entwicklu
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Liebe



Als ein weiteres Moment eines gelungenen Bildungsganges führt Stifter die Liebe ein. Die Nähe des Motivs zur Romantik ist auch hier gegeben; doch wiederum könnten die Unterschiede zum romantischen Bildungskonzepl kaum größer sein. Denn auch bezüglich der Liebe benennt Stifter das Maßhalten und die Aussparung von Leidenschaft als die wesentlichen Kennzeichen. Diese ist stets in die Familie, in den Ort des Familiären eingebunden, Liebe als Leidenschaft und Maßlosigkeit, Erotik, Sinnlichkeit und Begehren oder auch Liebe als Metapher der romantischen Sehnsucht nach dem Unendlichen und Universalen, nach Totalität und dem .Ganzen' kommen bei Stifter nur als Negativfolie vor40; würden sie doch, wie das Beispiel des alten Risach und seiner Jugendliebe Mathilde zeigt, das Glück der Liebenden gefährden. Die 'ausschweifende [...] Jugendneigung" muss Risach in einer Lhe ohne alle echte Zuneigung und damit durch Entsagung und Verzicht sühnen. Rigider konnte die mitgeteilte bürgerliche Moral kaum ausfallen, daran vermag auch das kurze 'Nachsommer"-Glüek der beiden Gereiften wenig zu ändern. Das junge Paar indes hält von Anfang an Maß und erntet dafür das Lob des alten Risach: 'Lure Neigung ist nicht schnell entstanden, sondern hat sich vorbereitet, [...] ist kein hastiges, fortreißendes Verlangen, welches dich erfaßt hat, sondern eine auf dem Grunde der Hochachtung beruhende Zuneigung" . Die Proklamation der leidenschaftslosen Liebe ist an die Affirmation der bürgerlichen Institutionen Lhe und Familie gebunden. Die Entscheidung für diese Form der Liebe entspricht der Ethik und Moral des Bürgertums: Auch die Liebe wird dem Bedürfnis nach Ordnung und Disziplinierung im Rahmen von Ehe und Familie zugeordnet und damit den Maßstäben bürgerlicher Ideale und einer auf diese aufbauenden Normalität angeglichen:
Die als Garten gehegte Natur, die im Museum konservierte Kunst und die zur Ehe gemäßigte Liebe fungieren in Stifters Werk als Formen einer unbedingten Ordnung des Seins, die alles subjektive Wollen, alles individuelle Begehrenwesenlos erscheinen lassen soll. Im Garten, im Museum, in der Ehe wird das Subjekt buchstäblich ,zur Ordnung' gerufen.
      Das Leben des jungen Risach und Nalalies ist fortan von 'Einfachheit, Halt und Bedeutung" geprägt, diese Eigenschaften und Verhaltensweisen garantieren ihnen, so die durchaus in Ãobereinstimmung mit der bürgerlichen Lebensmoral formulierte Bolschaft des Romans, eine glückliche Zukunft.
     

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