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Adalbert Stifter: Der Nachsommer (1857)


Im Unterschied zum Grünen Heinrich erzählt Adalbert Stifters zwei Jahre nach Kellers Beitrag zur Lrzählliteratur des Bürgerlichen Realismus erschienener Roman Der Nachsommer den problemlosen Entwicklungsgang sowie die konfliktfreie Einfügung des Helden Heinrich Drendorf in eine auf der bürge

rlichen Ordnung und ebensolchen Werten basierenden Gemeinschaft. Berichtet wird aus der Perspektive des jungen Heinrich Drendorf, dessen Namen der Leser aber erst gegen Ende der Romanhandlung erfahrt. Sein Bildungsgang verläuft ganz im Einvernehmen zwischen Ich und Welt, zwischen Individuum und Kollektiv, da das Subjekt seine Bedürfnisse in Angleichung an die Belange der Gesellschaft hier einer exklusiven ,Roscnhauswelt' -formuliert. Die entscheidenden Bildungsinslitutionen sind Natur, Kunst, Wissen und Liebe. Damit legt Stifter mit seinem Nachsommer einen Bildungsroman in der Nachfolge von Goethes Wilhelm Meisler vor. Insbesondere die hinter Stifters Roman stehende Idee der allseitigen Ausbildung des Individuums durch Natur und Kunst verbindet diesen mit dem Urmodeil des Genres. Allerdings bietet die im Nachsommer entworfene Alpenwelt enzyklopädisch das Inventar der bürgerlichen Epoche auf, die im Hinblick auf die Bereiche Geschichte, Kunst, Religion, Moral, Familie, Patriarchat und Wertegemeinschaft präzisiert werden. Dass Stifter dieses Repertoire um den Punkt Natur erweitert, verbindet ihn zwar mit der Romantik; doch im Unterschied zum romantischen Naturverständnis gehl es im Umgang mit der Natur um Dis-ziplinierungsphantasien, um Rationalität und Effektivität, um Ordnung und Zucht hier durchaus zu verstehen in der Doppeldeutigkeit, die dem Wort eigen ist.


Bürgerliche Refugien: Die Rosenhauswelt
Nähren diese Momente den Verdacht, hier versuche ein Autor das literarische Konzept der Romantik in den Realismus hinüberzuretten, so macht die genaue Lektüre jedoch die Unterschiede zwischen der Nachsommerwelt und den romantischen Gegenwelten deutlich. Denn letztlich wagt Stifter das Unterfangen, d [ ... ]
Kunst
Das Bildungsideal des Nachsommer ist nur vordergründig das des 18. Jahrhunderts. Zwar zielt der vorgeführte Bildungsgang auf Universalismus, auf die Ausbildung des Menschen in den Naturwissenschaften, der Naturkunde und auch auf die Reifung des Protagonisten in Verbindung mit Kunst, Theater und L [ ... ]
Liebe
Als ein weiteres Moment eines gelungenen Bildungsganges führt Stifter die Liebe ein. Die Nähe des Motivs zur Romantik ist auch hier gegeben; doch wiederum könnten die Unterschiede zum romantischen Bildungskonzepl kaum größer sein. Denn auch bezüglich der Liebe benennt Stifter das Maßhalten und die A [ ... ]
Bildung
Auch das Moment der Bildung zielt letztlich auf den Aufbau einer solchen Ordnung 'in uns selber" (S. 204). Bildung ist die Anerkennung der Ordnung; Bildung und Gebildetsein kommen mithin jenem Mensehen zu, den die Einsieht in die Notwendigkeit der Unterordnung des ,,eigene[n] Innerein]" und der 'Beg [ ... ]
Bürgerliche Schreibmotivation
Man hat Stifters Roman als verweisungsloses Kunstprodukt eines ästhetisie-renden Formalisten lesen wollen.44 Doch eine Analyse des Werks im literar-und kulturgeschichtlichen Kontext des 19. Jahrhunderts kann deutlich machten, dass Stifter sehr wohl auf die politische und gesellschaftliche Realität, [ ... ]
Verklärungsstrategien
In dieser Abwesenheit des Wesentlichen liegt Stifters Eingebundenheit in die Programmatik des Bürgerlichen Realismus begründet, erschließt eine solche Vorgehensweise doch eines der wesentlichen Prinzipien der realistischen Ã"sthetik: Stifters Rosenhauswelt ist das konsequenteste Ergebnis der Verklär [ ... ]

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