Methodische Vorüberlegungen |
| Der folgenden Darstellung liegt das kulturwissenschaftliche Grundaxiom zugrunde, nach dem Menschen allenfalls ihre subjektive Erfahrungswelt erkennen können, Literatur dementsprechend auch kaum objektiv beziehungsweise realistisch sein könne. Das kulturwissenschaftliche Paradigma eines „radikalen Ko |
Kultur- und sozialgeschichtliche Aspekte des Bürgerlichen Realismus |
| Im Anschluss an die angesprochenen kulturwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Prämissen begreift die vorliegende Untersuchung den Terminus Realismus nicht ausschließlich als Stilbegriff im Sinne von realistisch schreiben', sondern verwendet ihn als historischen Epochenbegriff, als Ke |
Sozial- und kulturgeschichtliche Voraussetzungen: I848 und die Folgen |
| Die gesellschaftspolitischen Voraussetzungen des Bürgerlichen Realismus liegen vor allem im Seheitern der Revolution von 1848 und in der Entstehung einer modernen Industriegesellschaft. Sein zeitlicher Ausgangspunkt, das Jahr 1848, ist als ein markanter Hpoeheneinschnitt, als eine Zäsur innerhalb de |
Gescheiterte Revolution und Literatur |
| Realismus als Epochenbezeichnung bezeichnet die Entwicklung der Literatur im 19. Jahrhundert, und dies über die nationalen Grenzen hinaus. Allerdings sind fundamentale Unterschiede innerhalb des literarischen Realismus etwa in England, Frankreich und Deutschland zu benennen. Die verschiedenen Ausprä |
Realpolitik und Literatur |
| Das Scheitern der Revolution von 1848/49 löste eine tiefgreifende politische Identitätskrise des Bürgertums und ihres Liberalismusverständnisses aus: Die Ideen der Freiheit und Einheit blieben weiterhin als Ziele bestehen, doch die bislang gülligen politischen Mittel der Realisierung waren durch das |
Bürgerliche Ängste |
| Zwar gab es vereinzelt Ansätze zu einer zweiten republikanisch-sozialistischen Revolution, so z.B. in den badischen Aulständen, der Frankfurter Arbeiterrevolte vom September 1848 oder den Wiener Aufständen. Die gewalttätigen Ausschreitungen, die diese Aufslände begleiteten, führten jedoch zur Distan |
Zwischen Kritik und Affirmation |
| Im Zuge des wirtschaftlichen Aufstiegs zeigte sich immer deutlicher, dass sich die Freiheilsvorstellungen der Bourgeoisie von denen der liberalen Intelligenz zunehmend entfernten. Das Besitzbürgertum, vor allem die Industriellen verstanden unter Freiheit, Liberalismus und Liberalität primär die unei |
Verklärende Versöhnung und versöhnende Verklärung |
| Das Bürgertum kam in den Jahrzehnten nach 1848 zu einem beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung, man spricht in diesem Zusammenhang von einer ersten Gründerzeil in den 1850er Jahren.''11 Insbesondere die 5 Millionen französische Francs, die Frankreich nach seiner Niederlage an Deutschland zu entric |
Zwischen Repräsentation und Resignation |
| Der bürgerliche Liberalismus wich angesichts seiner politischen Ohnmacht in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur aus; dessen ungeachtet war eine gewisse Resignation des Bürgertums nicht zu vermeiden. Sie wird zur Grundstimmung nicht nur der bürgerlichen Kreise, sondern auch der Literatur jener Zeit. |
Bürgerliche Gegenwelten |
| Bei aller affirmativen Tendenz war die Literatur des Bürgerlichen Realismus aber nicht blind dafür, dass der neue Typus des Erwerbs-, Besitz- und Bildungsbürgers sich in den Gründerjahren nach 1871 vom Kleinbürger zum Typus des keiner Tradition mehr verpflichteten Bourgeois wandelte; im Zeichen der |
Bevölkerungszuwachs und Urbanisierung |
| Neben der gescheiterten Revolution und den gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen nach 1848 müssen weitere Ereignisse und Prozesse genannt weiden, die um 1850 von der Mehrheil der Menschen als abrupte Veränderungen erfahren wurden und als Voraussetzungen des Bürgerlichen Realismus zu behandeln s |
Literatur als Vermittlungsinstanz |
| Das Bild des Literaten und der Beruf des Schriftstellers waren seit der gescheiterten Revolution, die maßgeblich von Autoren bestimmt worden war, diskreditiert. Robert Prutz z.B. diagnostizierte die sinkende Achtung Literatur und Literaturproduzenten gegenüber:
Wie schon einmal im Laufe der dreißig |