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Biographische und werkgeschichtliche hintergründe

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Das Team Brecht/Neher/Engel



Brecht hatte nie Bedenken, seine Freunde mit ihren Fähigkeiten voll in seinen Dienst zu nehmen. Wer in seinen Kreis trat, mußte damit rechnen, als Mitarbeiter rekrutiert zu werden. Schon in seiner Pennälerzeit stand für Brecht fest, daß sein Augsburger Schulfreund Caspar Neher mit seinem Maltalent sein Bühnenbildner werden mußte. Für die Münchener Uraufführung von Trommeln in der Nacht konnte er ihn noch nicht vermitteln; der Regisseur Otto Falckenberg hatte keinen Sinn für den ungelenk anmutenden Realismus des jungen Malers. Erich Engel benutzte bei seiner Inszenierung des Garga-Stücks bereits Skizzen von Neher. Erst in Brechts eigenen Inszenierungen ließ er seinen literarischen Verfremdungsstil von seinem Freund bildnerisch umsetzen.
      Nehers Bühnenskizzen zeigen den gleichen harten, ungefälligen Strich, mitunter aber auch die gleiche poetische Bewegtheit wie Brechts Dichtung. Brecht rückte seinen Freund in die Nähe des französischen Barockzeichners Jaques Callot, mit dessen grausam realistischem Radierungszvklus 'Die großen Schrecken des Krieges" er seinen Courage-Yilm illustriert sehen wollte.
      Nehers Talent war vielfältig. Er verstand es, die Schauerelemente im Leben Eduards des Zweiten von England mit düster romantisierenden Hintergründen zu unterstreichen; für Brecht/Weills Songspiel Mahagonny dagegen machte er einen nüchtern technizistischen Entwurf: einen Boxring mit Projektionsleinwand, auf die karikierende Zeichnungen von den besungenen Personen geworfen wurden.
Von dem Regisseur Erich Engel erwartete Brecht ähnliche stilistische Reduzierungen, hatte dieser doch schon 1920 ganz im Sinne Brechts gegen ein 'Theater der Stimmung" polemisiert. Die Trias Brecht/Neher/Engel bei der Uraufführung der Dreigroschenoper versprach daher eine ideale Teamwork. Es kam andeis. Biccht verkrachte sich kräftig mit seinem Freund Engel, weil der nach den Vorstellungen des Theaterleiters Ernst Aufricht eine 'lustige literarische Operette mit einigen sozialkritischen Blinklichtern" inszenierte statt der von Brecht gewünschten Entlarvung der bürgerlichen Gesellschaft. Bei den chaotischen Proben für die Revue

Happy End, mit der der Erfolg der Dreigroschenoper wiederholt werden sollte, legte Engel unter Protest die Regie nieder.
      Nach dem Krieg holte Brecht Erich Engel in sein neu gegründetes 'Berliner Ensemble". Jetzt aber war er selbst der Theaterleiter, und Engel mußte sich fügen. Er durfte die sorgsam ausgearbeiteten Regiemodelle des Dichters, als erstes die Mutter Courage, behutsam modifizierend umsetzen. Brecht lohnte es ihm mit metaphorisch überhöhtem Lobpreis: Engel 'handhabt ein solches Arrangementsmodell so behutvoll wie ein großer Geigenbauer eine Stradivarigeige."

   Auch Caspar Neher fand sich nach dem Krieg wieder zur Zusammenarbeit ein, und zwar schon 1948 in Zürich, wo Brecht vor seiner Übersiedlung nach Berlin Zwischenstation machte. Neher gestaltete hier das Bühnenbild für die Antigone-Fassung Brechts, die im Februar, kaum beachtet, auf einer kleinen Provinzbühne in Chur zur Aufführung kam. Nehers Arrangement wirkt in vielem wie ein Vorlaufmodell zur Courage-Bühne von 1949, die er nicht gestaltet, aber inspiriert hat. Auf einem arenaförmigen Spielfeld, das von einem Halbrund aus ochsenblutfarbenen Leinwandbla-chen, standen vier Pfähle, bestückt mit Pferdekopfskeletten. Es gab keinen Vorhang. In ähnlich reduzierter Szenerie, vor einem Halbrund von Stoffschirmen aus Zeltleinwand und in grellem, un-gebärbtem Licht, 'so viel die Apparate hergaben, um auch den Rest von Atmosphäre zu beseitigen"46, spielte die Courage von 1949 in Berlin. Brecht war nicht zufrieden damit; 'wir warteten bis zum Schluß auf Dich", schrieb er an Neher, 'und mußten dann einfach improvisieren" .
     

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