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Zola, Emile - Leben und Biographie



Emile Zola, der letzte der großen französischen Romanciers des 19. Jahrhunderts, ist der Begründer und wichtigste Theoretiker des literarischen Naturalismus, mit seinem Gesamtwerk auch der bedeutendste Autor dieser Richtung in der europäischen Literatur.
      Der Sohn eines aus Italien stammenden Bauingenieurs schlug sich ab 1858 in Paris ohne abgeschlossene Schulbildung mit Gelegenheitsarbeiten durch und engagierte sich journalistisch für den Kiinstlerkreis der jungen Impressionisten. Seinen literarischen Durchbruch erreichte er mit dem »Experimentairoman« Therese Raquin , dessen drastische Wirklichkeitsschilderung des täglichen, privaten und sozialen Lebens den gängigen Realismus in der Nachfolge Honore de -» Balzacs weit übertraf und den eigenen Weg zur naturalistischen Darstellungsweise programmatisch vorbereitete.

      Drei Jahre später erschien DasGlückderFamilie Rougon , der erste Roman des sorgfältig geplanten Romanzyklus Die Rougon-Macquart, den Zola 22 Jahre später mit dem zwanzigsten Band [DoktorPascal, 1893) abschloss und der bis heute seinen Nachruhm sichert.
      Zolas zweites historisches Verdienst war sein couragierter Einsatz für die Rehabilitierung des 1897 wegen Landesverrats zu lebenslanger Haft verurteilten jüdischen Hauptmanns Alfred Dreyfus . Der unter dem Originaltitel J'accuse... berühmt gewordene Offene Brief an den Präsidenten der französischen Republik führte unmittelbar zur Gründung der Liga für Menschenrechte und schließlich zur vollen Rehabilitierung des zu Unrecht Verurteilten. Zola hingegen wurde wegen Unbotmäßig-keit zu einjähriger Haft verurteilt, der er sich durch die flucht nach England entzog. Bei seiner Rückkehr wurde er vom Volk begeistert gefeiert. Sein Leichnam ruht seit 1908 im Pantheon, dem Ehrentempel der größten Persönlichkeiten der französischen Nation.
      Die Rougon-Macquart
Mit Die Rougon-Macquart setzte Emile Zola dem monumentalen Zyklus Die menschliche Komödie von Honore de -> Balzac ebenso planvoll und ehrgeizig einen Romanzyklus entgegen, in dem erstmals nicht die persönliche Komödie oder Tragödie des Lebens im Vordergrund stand, sondern die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft bzw. in der Masse.
      Durch diesen Perspektivwechsel erschloss der Autor dem Roman Themen und Ausdrucksformen, die bis dahin als unerwünscht, sogar als tabu galten. Diese Innovation ging in die Literaturgeschichte unter der Bezeichnung »Naturalismus« ein.
      Aufbau: Der Untertitel des Zyklus, Natur- und Sozialgeschichte einer Familie unter dem Zweiten Kaiserreich, lässt klar Zolas naturwissenschaftliche, ja »analytische Betrachtungsweise« erkennen und steckt den zeitlichen Rahmen ab: Ihn interessiert das natürliche, wahre Dasein in der Gegenwart, das von Egoismus, Besitzgier und rücksichtslosem Machtstreben beherrscht wird; Kaiser Napoleon 111. selbst ist das Vorbild dafür.
      Es sind die politischen Vorgänge, die sozialen Bedingungen sowie die Errungenschaften der neu entwickelten Wissenschaften mit all ihrem Für und Wider, die über Wohl und Wehe des In-dividuums, ob Arm oder Reich, bestimmen.Deshalb hat der Autor die neu aufgekommene Philosophie des Positivismus studiert, die Vererbungs- und Evolutionstheorie von Charles -> Darwin, die Lehre von Karl -» Marx, und er konfrontiert die Mitglieder der beiden Stammfamilien seines Zyklus mit den geistigen und handfesten Konsequenzen dieses Fortschritts. Inhalt: Die Handlung beginnt 1851 mit dem Staatstreich Napoleon Bonapartes und der gleichzeitigen Wende im Leben der Familien Rougon und Macquart. Der Weg der großbürgerlichen Rougons führt eine Zeitlang steil nach oben, wenn auch oft auf krummem Weg, während einige der kleinbürgerlichen Macquarts ins Proletariat absteigen.
      Jene Teile des Zyklus, die vor allem der saturierten Rougon-Klasse gewidmet sind, lassen noch die Nachbarschaft von Balzac-Clans erkennen. In eine für die Geschichte der Romanliteratur neue Umwelt fuhren dagegen die Macquart-Bände, z.B. Der Totschläger und Germmal . Die schonungslosen, detailversessenen Milieuschilderungen aus Pariser Flendsquartieren und die Beschreibung eines blutig beendeten Bergarbeiterstreiks im nord-französischen Kohlenrevier erschüttern noch heute, und die in Nana beschriebene Karriere einer Straßendirne in der Gefahrenzone zwischen Kriminellen unter den Brücken und jenen in den Stadtpalais hat zeitlose Gültigkeit. Bezeichnenderweise endet beinahe jeder Band mit einem seherischen Zukunftsbild. Zola ahnt das lnfemo der Materialschlachten eines ersten Weltkrieges voraus und den Aufstand der Massen gegen totalitäre Regime. Germinal schließt mit der Warnung: »Bald wird dieses Keimen die Erde sprengen«, und der letzte Band des Zyklus, Le docteur Pascal, mit der Hoffnung auf eine von der fortschreitenden Evolution zur Erkenntnis der »wahren Lebenswerte« geleiteten Menschheit von morgen. Wirkung: Kurz nachdem 1893 der letzte der 20 Rougon-Macquart-Bände erschienen war, betrug die französische Gesamtauflage bereits eine halbe Million Exemplare, und es lagen Ãobersetzungen in allen Kultursprachen vor. Der von Zola ins Leben gerufene Naturalismus inspirierte weniger die nachwachsende Erzählergeneration als die Dramatiker. Die überragenden Beiträge zur naturalistischen Weltliteratur lieferten vorwiegend Bühnendichter wie Henrik -> Ibsen, August -> Strindberg und Gerhart -»Hauptmann.
      Berühmte Romanzyklen
Honore de Balzac 1829-50 Die menschliche Komödie: 147 Werke sollte der erste und ambitionier-teste Romanzyklus laut Plan von 1845 umfassen. 91 Romane und Erzählungen wurden fertig gestellt.
      Emile Zola 1871-93 Die Rougon-Macquart : Aufstieg und Fall von fünf Generationen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten.
      Romain Rolland 1904-12 Johann Christof: Lebensroman eines deutschen Musikers als Appell zu moralischer Erneuerung und Völkerverständigung vom Träger des Literatumobelpreises 1915.
      John Galsworthy 1906-33 Die Forsyte-Saga : Für die Geschichte von mehreren Generationen einer Familie des gehobenen Mittelstands bekam der Brite 1932 den Literaturnobelpreis.
      Marcel Proust 1913-27 Auf der Suche nach der verlorenen Zeit : Der sprachlich anspruchsvollste, für die moderne Literatur richtungweisende Romanzyklus der Weltliteratur erschien zur Hälfte postum.
      Roger Martin du Qard 1922-40 D/e77i/üaute: Für das von Lew N.-> Tolstoi inspirierte Romanwerk um zwei Familien des französischen Bürgertums erhielt der Autor 1937 als sechster Franzose den Literaturnobelpreis.
      John Updike 1960-90 Rabbit-Romane : Lebensgeschichte eines ebenso triebhaften wie frustrierten Durchschnittsbürgers als Spiegelbild des gesellschaftlichen und individualpsychologischen Wandels in den USA.
      Alexander Solschenizyn 1971-88 Das Rote Rad : Der umfangreichste, noch unvollendete Romanzyklus der russischen Literatur behandelt die gesellschaftlichen Veränderungen 1914-17.
      Joanne K. Rowling 1997-2000 Harry Potter : Die Geschichten um die aus einer »Parallelwelt« stammenden Titelfigur wurden zum finanziell erfolgreichsten Romanzyklus aller Zeiten.
     


Durkheim, emile

»Kleine Hügel verschwinden bald, wenn man sich von ihnen entfernt: große Gebirgszüge lassen sich aus einigem Abstand in ihrer ganzen Ausdehnung ermessen«, so formulierte Rene König in bezug auf D.. den Gründervater der modernen Soziologie, dessen geistige Ziehväter neben Montesquieu Claude Henri de .....
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Ein deutscher zola

In der Tat: Heinrich Mann gilt damals, bewundert oder angefeindet, als der geistige ReprÄfsentant der Weimarer Republik. Er gilt als derje-nige, der am radikalsten mit dem Kaiserreich abgerechnet hat -sowohl Becher als auch Bloem beziehen sich ja auf das Werk mit dem programmatischen Titel ,Der Unte .....
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Zola,  Emile    





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