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Wilde, Oscar - Leben und Biographie



Oscar Wilde gehört zu den umstrittensten Dich-terpersönlichkeiten der frühen Moderne, der durch sein scharfzüngiges Schreiben und seinen vermeintlich unmoralischen Lebenswandel die Leserschaft polarisierte.
      Der Sohn eines Arztes und einer Dichterin studierte in Dublin und Oxford und wurde, beein-flusst vom Kunstkritiker Walter Pater und den französischen Symbolisten, zum Vorreiter der ästhetizistischen Bewegung in England. Wilde vertrat die Ansicht, die Kunst existiere um ihrer selbst willen und verarbeitete diesen Standpunkt in seinem Werk. Ab 1879 führte er ein dandyhaftes Leben in London und heiratete 1884 Constance Lloyd, mit der er zwei Söhne hatte. Das Jahr 1895 wurde zu einer tragischen Wende in seinem Leben, als ihn der Vater seines langjährigen Freundes Lord Alfred Douglas wegen Homosexualität anklagte. Wilde wurde zu zwei Jahren Einzelhaft verurteilt und war damit gesellschaftlich, finanziell und menschlich ruiniert. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis in Reading ging Wilde 1897 nach Frankreich.
      Wilde wurde besonders durch seine geistreichen Gesellschaftskomödien bekannt ; seine Tragödie Salome wurde zum Libretto für Richard Strauss' Oper . Neben satirisch-ironischen Erzählungen wie Das Gespenst von Canterville und Lord Arthur Soviles Verbrechen schrieb Wilde Lyrik und zahlreiche Kunstmärchen. Sein Gefängniserlebnis verarbeitete Wilde 1897 in der Ballade vom Zuchthaus zu Reading und einem als De Profundis bekannt gewordenen Brief an seinen Freund Bosie.

      Das Bildnis des Dorian Gray
In seinem einzigen Roman, dem Bildnis des Dorian Gray, treibt Oscar Wilde das Thema des ästhetischen Hedonismus auf die Spitze und distanziert sich zugleich davon, sodass der Roman auch ein Zeugnis seines künstlerischen Selbstverständnisses in der späteren Schaffensphase darstellt. Der reine Ästhetizismus der von
Wilde mitinitiierten Literatur der Dekadenz wird hier in Frage gestellt und letztlich verneint - das Schicksal Dorian Grays ist die Geschichte eines unaufhaltsamen menschlichen Niedergangs.
      Inhalt: Der Maler Basil Hallward malt das lebensechte Porträt des außergewöhnlich schönen Jünglings Dorian Gray, den er leidenschaftlich anbetet. Voll unterdrückter Eifersucht tnuss er mit ansehen, wie sein Freund, der zynische Lord Henry Wotton, ihm Dorian zunehmend entfremdet. Von Lord Henry verführt, gibt sich Dorian skrupellos den sinnlichen Genüssen und Versuchungen des Lebens hin. Von seiner Verlobten, der jungen Schauspielerin Sibyl Vane, trennt er sich nach einer missglückten Theatervorstellung, da sie ihn in seinen künstlerischen Erwartungen enttäuscht hat. Daraufhin nimmt sie sich das Leben. Am Morgen danach zeigt das Porträt Dorians einen ersten »Anflug von Grausamkeit um den Mund« und ihm wird klar, dass sein narzissti-scher Wunsch in Erfüllung gegangen ist, statt seiner möge das Bild altern.
      Dorian erweist sich als verhängnisvoll für alle, die sich mit ihm abgeben, und sein völlig ruinierter Ruf macht ihn gesellschaftlich unmöglich. Doch seine äußere Erscheinung bleibt stets jung und schön, während das in einem Dachzimmer verborgene Porträt zunehmend die Spuren seines zutiefst unmoralischen Lebenswandelszeigt. In einer plötzlichen Aufwallung des Hasses ersticht er eines Abends Basil Hallward, den Schöpfer des verräterischen Porträts. Immer stärker sehnt sich Dorian nach der Reinheit seiner Jugend zurück; er will ein neues Leben beginnen und mit dem Bild den Beweis seiner Laster zerstören. Als er jedoch mit einem Messer die Leinwand durchsticht, tötet er sich selbst. Seine Diener finden »an der Wand ein herrliches Porträt ihres Herrn, wie sie ihn zuletzt gesehen hatten, in dem ganzen Zauber seiner unvergleichlichen Jugend und Schönheit. Auf dem Boden lag ein toter Mann mit einem Messer im Herzen. Er war welk, runzlig und Abscheu erregend von Angesicht. Erst als sie die Ringe untersuchten, erkannten sie, wer es war«. Wirkung: Mit Das Bildnis des Dorian Gray brachte Wilde durch seine symbolisch-allegorisch überhöhte Schreibweise und die Konzentration auf wenige Gestalten die Entwicklung des nachviktorianischen Romans in England voran und beeinflusste zahlreiche Romanautoren des 20. Jahrhunderts. Impressionistische Stimmungsbilder wechseln mit geistreichen Dialogen, die zum Erfolg des Romans beigetragen haben. Immer wieder wurden die autobiografi-schen Bezüge diskutiert, immer wieder wurde Wilde mit seinen Figuren gleichgesetzt, angestoßen durch seine eigene Äußerung: »Basil Hallward, das bin ich, wie ich zu sein glaube; Lord Henry, wie die Welt mich sieht; Dorian, wie ich gern wäre - zu anderen Zeiten, vielleicht«.
      Alle drei Figuren enthalten Elemente ihres Schöpfers, doch wird keine idealisiert: weder der idealistische Künstler Basil noch der spöt-tisch-distanzierte Dandy Lord Henry, noch derhemmungslosen Ästhet Dorian, deren Lebensentwürfe alle scheitern. In der tödlichen Auflösung des Doppelgängermotivs verdeutlicht Wilde gleichnishaft die Vorrangstellung der seelischen Unversehrtheit gegenüber der rein körperlichen Schönheit, der Wirklichkeit gegenüber dem künstlerischen Schein.

      Dandy
Herkunft: Vorbildhaft für diesen literarischen Typus wurde das Leben des Engländers George Brummell , der um 1810 im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in London stand und mit seiner Kleidung und seinem Stil zum Modell für eine ganze junge Generation wurde. Der extravagante, gelangweilte Lebemann, der snobistisch alles Alltägliche verachtet, wurde um 1830 zur beherrschenden Figur der englischen Gesellschaftsromane und fand von dort aus seine Vertiefung und Stilisierung bei Autoren wie Lord -» Byron, Alfred de Musset und Gabriele d' -> Annunzio. Lebensart: Der Dandy ist ein typischer Vertreter der decadence und des Ästhetizismus: Er ist ein gebildeter, stets perfekt gekleideter und finanziell unabhängiger
Großstadtbewohner, der keiner geregelten Arbeit nachgeht, aber aufgrund seines Reichtums und seiner amüsanten Art gesellschaftlich akzeptiert ist. Moralische und emotionale Bindungen lehnt er ab und setzt sich über alles hinweg. Aussage: Bei Wilde, der selbst phasenweise die Existenz eines Dandys führte, verkörpert diese Figur auch den Protest gegen die Konventionen und Moralvorstellungen der spätviktorianischen Zeit. Entwicklung: Mit Beginn des Ersten Weltkrieges verschwindet der Dandy aus der Literatur, obgleich sich Nachklänge noch in der Figur des Charles Swann in Marcel -> Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit oder in der US-amerikanischen Literatur der »Goldenen Zwanziger« bei F. Scotts Fitzgerald finden.
     


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