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Voltaire - Leben und Biographie



Der sich für Gedankenfreiheit und Toleranz einsetzende Schriftsteller und Philosoph Voltaire zählt neben Jean-Jacques -» Rousseau und Denis -^Diderot zu den markantesten und einflussreichsten Autoren der französischen Aufklärung. Sein umfangreiches Werk besteht aus Versepen, Romanen, Dramen sowie philosophischen und essayistischen Veröffentlichungen. Das 18. Jahrhundert wird wegen der herausragenden Stellung des Denkers auch das Jahrhundert Voltaires genannt.

      Voltaire, Sohn eines Notars, wurde am Pariser Jesuitenkolleg Lycee-le-Grand erzogen und studierte anschließend Jura. Nach kritischen Ã"ußerungen gegen den Hof verbannte man ihn 1716. Seinen ersten Erfolg hatte Voltaire mit der Tragödie Oedipus . Aufgrund einer persönlichen Auseinandersetzung wurde Voltaire 1726 erneut aus Paris verbannt und ging für drei Jahre nach Großbritannien. Dort beschäftigte ersieh mit der englischen Kultur und Philosophie, die seine tolerante und liberale Haltung stärkten. In seinem Werk Briefe über die englische Nation richtete sich Voltaire polemisch gegen französische Rückständigkeit, Dogmatismus sowie Willkürherrschaft und religiöse Herrschaftsansprüche - erstmals wurdenhier Vorstellungen der Aufklärung zusammen-gel'asst. Die Briefe wurden ein Skandalerfolg; man erließ einen Haftbefehl gegen Voltaire, der nach Lothringen auf das Schloss Cirey floh und dort bis 1744 blieb. Dort entstand u.a. die naturwissenschaftliche Studie Prinzipien dernew-tonschen Philosophie .
      In den 1740er Jahren begrub man den Streit zwischen Voltaire und dem Hof, 1746 wurde er zum Mitglied in der Academie Francaise gewählt. 1758 ließ sich Voltaire endgültig auf dem Gut Ferney in der Nähe von Genf nieder, blieb aber durch seine Schriften weiterhin gesellschaftlich und politisch aktiv. Er veröffent-lichle 1764 das Philosophische Taschenwörterbuch, dessen Artikel vor allem aus dem Bereich der Religion stammen und eine Kritik der Kirche darslellt. Mit seinem kulturhistorischen und ge-schichtsphilosophischen Kompendium Ãober den Geist und Sitten der Nationen trat Voltaire zudem als Vorläufer moderner Geschichtsschreibung hervor. 1778 reiste Voltaire zur Uraufführung seiner Tragödie Irene nach Paris, wo er - nach einem triumphalen Erfolg -wenige Monate später starb.

      Candide
In seinem philosophischen Roman Candide oder Der Optimismus kehrt Voltaire die von Gottfried Wilhelm -^Leibniz aufgestellte These von »dieser Welt als der besten aller möglichen« ins Ironische um, indem er die Welt als eine in sich fragwürdige Konstruktion darstellt. Der Roman ist eines der wichtigsten Werke der französischen Aufklärung.
      Entstehung: Voltaires Grundüberzeugungen von einer vernünftigen Einrichtung der Welt waren durch die Beendigung seiner Freundschaft mit König Friedrich 11., der Große, von Preußen , durch Berichte über den Siebenjährigen Krieg sowie durch das Erdbeben von Lissabon erschüttert worden. Seine daraus entstehenden Zweifel an einem optimistischen Weltbild der Metaphysik nahm Voltaire zum Anlass, diese in einem Roman auszudrücken.
      Inhalt: Candide , ein neugieriger Beobachter der Geschehnisse seiner Zeit, sieht sich mit den Lebensanschauungen seines Lehrers, Maitre Pangloss, konfrontiert, die besagt, dass alles, was in der Welt passiere, den Menschen nur zum Besten gereiche, auch die Katastrophen.
      Die Suche nach seiner geliebten Cunegonde führt Candide quer durch Europa, über Südamerika nach Portugal, wo er das Erdbeben von Lissabon miterlebt. Schließlich trifft er Cunegonde wieder: Sie wurde aus ihrer Heimat vertrieben, von Soldaten geschändet und befindet sich unter der Kontrolle eines Großinquisitors sowie eines Juden. Um weiteres Unheil zu verhindern, bringt Candide beide Gegner um. Immer wieder begegnet er seiner Geliebten, er gerät in die Hände von Kannibalen und Seeräubern, kann sich aber beide Male befreien.
      Als Candide den Gelehrten Martin trifft, erklärt ihm dieser, dass in der Welt nicht alles aufs Beste ausgerichtet sei, sondern dass neben einem guten auch ein böses Prinzip existiere. In Venedig versucht der Edelmann Pococurante dem lernbegierigen Candide zu vermitteln, die einzige Freude in dieser Welt sei zu akzeptieren, dass man an nichts Freude finden könne.
      Zuletzt gelangt Candide nach Konstantinopel, wo er Cunegonde wieder begegnet und die inzwischen zur Xanthippe Gewordene heiratet. Nach dem Erwerb eines kleinen Landgutes entdeckt er eine befriedigende Beschäftigung darin, »seinen Garten zu bestellen«. Aufbau: Voltaires Roman weist viele Elemente des Barockromans auf: Schiffbruch, Trennung und Wiederbegegnung der Liebenden, Katastrophen, Erkundung fremder Länder etc. Diese werden episodenartig miteinander verwoben, sodass Candide Schritt für Schritt zu der Ein-sicht gelangt, dass die Lehren seines Lehrers Pangloss nicht aufrecht zu erhalten sind.
      Hinter zahlreichen satirischen Elementen, die sich vordergründig zu einer humoristischen Erzählung fügen, verbirgt sich zum einen die nachdrückliche Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit; zum anderen wird auf diese Weise der Sinn des Lebens bzw. die Fxistenz eines alles zum Guten lenkenden Gottes angezweifelt. Die wirkliche Welt bringt Candide dazu, die theoretische Welt, die Welt der Ideale zu ignorieren.
      Die Episodenhaftigkeit des Romans beruht nicht nur auf einzelnen Motiven, sondern auch auf einer Vielzahl an geschilderten Utopien und Lehren, die darin münden, dass die tägliche Arbeit die beste Möglichkeit darstellt, das Leben in seiner Komplexität zu bewältigen. Wirkung: Candide war Vorbild für Werke verschiedenster Kunstrichtungen. Er eignete sich für Parodien und für Gegenschriften, so etwa der /4nf/-CaMrJevonJustus Vlöser .
      Der französische Komponist Jean-Benjamin de La Borde schrieb 1768 eine Oper mit dem Titel Candide. Im 20. Jahrhundert bildet Leonard Bernsteins Candide-Musical einen der Höhepunkte der modernen Cond/de-Rezeption. In den 1960er Jahren begann sich auch der Film für den Stoff zu interessieren. In der Malerei war es Paul Klee , den Voltaires Roman zu zahlreichen Illustrationen inspirierte.

Die wichtigsten Prosawerke von Voltaire
Briefe über die englische Nation 1734 Voltaire verfasste die 25 Briefe im englischen Exil und kritisiert darin die engstirnige Dogmatik des französischen Katholizismus im Gegensatz zu den liberaleren Gewohnheiten in England.
      Zadig oder Das Schicksal 1747 Die philosophische Erzählung zeigt den Aufstieg des Babyloniers Zadig zum Premierminister, seinen tiefen Fall sowie die Einsicht, das Schicksal einfach anzunehmen. Am Ende wird er König.
      DasJahrhun-dert Ludwigs X

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1751 Voltaire gibt einen Ãoberblick über die europäische Staatenwelt vor Ludwig X

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und schildert die Phasen der Regierungszeit des »Sonnenkönigs«.
      Mikromegas 1752 Philosophische Erzählung um einen gelehrten Geist, der ins All verbannt wird und dort das Sonnensystem erkundet.
      Candide oder Der Optimismus 1759 Philosophischer Roman, in dem der gutgläubige Candide verschiedene Kulturen kennen lernt und in zahllose Abenteuer gerät, um in einem geordneten Leben sein Glück zu finden.
      Ober den Geist und die Sitten der Nationen, 1756 Ein großes kulturphilosophisches Kompendium, in dem Voltaire verschiedene Kulturen beschreibt und eine liberale, »moderne« Auseinandersetzung mit der Geschichte propagiert.
      Traktat über die Toleranz anlässlich des Todes von JeanCalas, 1763 Voltaire bezieht sich in dieser religionskritischen und moralphilosophischen Kampfschrift auf den Tod eines kalvinistischen Kaufmanns. Es ist ein Plädoyer für die Ideale der Aufklärung und gilt bis heute als Musterbeispiel des kritischen Humanismus.
      Philosophisches Taschenwörterbuch, 1764 Philosophisch-enzyklopädisches Lexikon, in dem Voltaire Artikel und kurze Abhandlungen über Religionskritik und Religionsgeschichte zusammengestellt hat.
      DerHorm/ose 1767 Der Roman handelt von der Begegnung eines Indianers mit der Zivilisation. Er wird zum Christentum bekehrt und verliebt sich in das Fräulein von Saint-Yves, die am Ende entehrt stirbt.
     


Voltaire, fraticois marie (d.i. francis marie arouet)

Als V.s Lettres phihsophiques 1734 in Frankreich erschienen, wurden sie vom Pariser Parlament als »anstößig und der Religion, den guten Sitten und der Achtung vor der Obrigkeit zuwiderlaufend« verurteilt und verbrannt. Der Form nach ein Lob auf die fortschrittlichen Verhältnisse in England, waren di .....
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