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Vargas Llosa, Mario - Leben und Biographie



Mario Vargas Llosa gehört seit Ende der 1960er Jahre zu den bekanntesten lateinamerikanischen Autoren. Sein umfangreiches Gesamtwerk, das neben zahlreichen Romanen auch Erzählungen, Theaterstücke und Essays umfasst, spiegelt seine tiefe Verbundenheit mit den Problemen seines Heimatlandes sowie sein starkes politisches Engagement wider.
      Vargas Llosa wurde an einer TVlilitärschule erzogen. Bereits sein erster, 1963 veröffentlichter Roman Die Stadt und die Hunde wurde ein Welterfolg. Vargas Llosa studierte in Madrid Literaturwissenschaft und lebte in Paris, Barcelona, London und Washington ü. C, wo er an der Universität lehrte. 1974 kehrte er nach Peru zurück. 1977 wurde er zum Präsidenten des Internationalen P.E.N.-Clubs gewählt. 1990 trat Vargas Llosa als Kandidat der Konservativen zu den peruanischen Präsidentschaftswahlen an und unterlag Alberto Fujimori in der Stichwahl.


      Vargas Llosa ließ sich nie auf nur ein Genre festlegen, sondern überraschte seine Kritiker immer wieder mit historischen Romanen, auto-biografischen Erzählungen, politischen Betrachtungen und humoristischer Fiktion.
      Der Hauptmann und sein Frauenbataillon
In Der Hauptmann und sein Frauenbataillon erzählt Mario Vargas Llosa vom Erfolg und Scheitern des Soldaten Pantaleön Pantoja, des Organisators eines gut funktionierenden Pros-tituierten-»Services« in der peruanischen Armee. Anhand des Schicksals seines Protagonisten übt der Autor scharfe Kritik an den zu einerbloßen Farce verkommenen Wert- und Moralvorstellungen des peruanischen Militärs. Inhalt: Hauptmann Pantaleön Pantoja erhält einen brisanten Geheimauftrag - er soll die peruanische Armee in einem abgelegenen Amazonasgebiet mit Prostituierten versorgen und so den bisherigen Schändungen und Vergewaltigungen durch Soldaten entgegenwirken. Gewohnt, Befehle loyal auszuführen, macht sich Pantaleön sogleich an die neue Aufgabe, obwohl sie ihn in seiner militärischen Ehre verletzt und ihn zwingt, Mutter und Ehefrau zu belügen. Bald ist er aufgrund seines organisatorischen Talents und seines Fleißes so erfolgreich, dass sich der »Frauen-Service« kaum noch länger geheim halten lässt und seinen Vorgesetzten, die um den guten Ruf der Armee bangen, mehr und mehr zur Last fällt. Als sich Pantaleön Pantoja dann auch noch in eine seiner »Betreuerinnen« verliebt und seine bislang streng geheime Aufgabe ausplaudert, wird er in eine andere Region versetzt und der »Versorgungsdienst« aufgelöst. Letztlich, und hier wird der komische Held zu einer zutiefst tragischen Figur, erlebt Pantaleön Pantoja am eigenen Leib den Gegenstand seines Auftrags: die Un-terdrückung aller Leidenschaft durch bürokratisch-militärische Mittel.
      Wie auch in anderen Romanen übt Vargas Llosa scharf-züngige Kritik an der peruanischen Armee, deren strikte militärische Hierarchie »jede Spontaneität tötet« und die den Anspruch erhebt, jede Sphäre der Gesellschaft zu regeln - selbst die Prostitution. Dadurch, dass Pantaleön Pan-toja, der nach außen hin aufrechte, stolze Hauptmann, privat als von Ehefrau und Mutter umsorgtes Muttersöhnchen dargestellt wird, demontiert Vargas Llosa den lateinamerikanischen Männlichkeitswahn. So erscheint ganz Peru als ein von Lächerlichkeit, Inkompetenz, absurden Moralvorstellungen, falschem Ehrgeiz und Korruption geprägtes Land.
      Aufbau: Vargas Llosa situiert den Erzähler weit außerhalb des Geschehens, um den Leser weder zu Solidarität noch zu Sympathie zu veranlassen. Kunstvoll erscheint die Vermischung verschiedener Perspektiven, die den Protagonisten abwechselnd als lächerliche Eigur und als tragisches Opfer der eigenen Aufgabe darstellen. Nicht das Erzählen ist jedoch das bevorzugte üarstellungsmittel, sondern das Zitieren von militärischen Berichten, Dekreten, Briefen, Radiosendungen oder Zeitungskommentaren. Daneben beschreibt Vargas Llosa das Innenleben seiner Hauptfigur in mehreren Albträumen. Wirkung: Kritiker in aller Welt waren zunächst verunsichert über diesen Roman, der auf den ersten Blick ganz anders war als die bis zu die-sem Zeitpunkt erschienenen Werke von Vargas Llosa. Doch hinter der spöttischen Komik übt der Autor auch mit Der Hauptmann und sein Frauenbataillon beißende Kritik an den Zuständen in der peruanischen 'Mmee und vor allem an ihrem Anspruch, alle Sphären der Gesellschaft zu regeln, selbst die Prostituion. Gleichzeitig demontiert Vargas Llosa in der FiguT des Pantaleön Pantoja den durch den Soldatenberuf symbolisierten lateinamerikanischen Männlichkeitswahn.
      Die wichtigsten Bücher von Mario Vargas Llosa
Die Stadt und die Hunde 1963 In diesem autobiografischen Roman über das Leben in der Kadettenanstalt Leoncio Prado rechnet Vargas Llosa mit den Idealen der peruanischen Armee und ihrer gesellschaftlichen Funktion ab.
      DasgrüneHaus 1966 Der Autor zeichnet in diesem aus einer frühen Erzählung entstandenen Roman das düstere, pessimistische Bild seines durch ökonomi sehe, soziale und kulturelle Differenzen zerrissenen Heimatlandes.
      Gespräch in der Kathedrale 1969 Dieser als Gespräch zwischen zwei Menschen, die beide vom Leben enttäuscht sind, konzipierte Roman handelt von den Zuständen unter dem diktatorischen Regime der 1950er Jahre in Peru.
      DerHauptmann und sein Frauenbataillon, 1973 Im Mittelpunkt dieses kritisch-ironischen Romans steht als komische und zugleich tragische Figur der Hauptmann Pantaleön Pantoja, der die peruanische Armee mit Prostituierten versorgen soll.
      TanteJulia und der Lohnschreiber, 1977 In diesem autobiografisch geprägten Unterhaltungsroman erzählt Vargas Llosa von einer Liebesbeziehung, die von der Gesellschaft der 1950er Jahre in der peruanischen Hauptstadt Lima angefeindet wird.
      DerKriegam Ende der Welt 1981 Der Autor beleuchtet in diesem Buch, einem »historischen Abenteuerroman«, eine von einem religiösen Fanatiker angeführte Revolution Ende des 19. Jahrhunderts in Brasilien.
      Maytas Geschichte 1984 In diesem politischen Roman erzählt Vargas Llosa in zehn Kapiteln die Lebensgeschichte des alt gewordenen, gescheiterten trotzkistischen Revolutionärs Alejandro Mayta in Peru.
      Dos Fest des Ziegenbocks 1999 Dieser Roman über die autokratische Regierung des Diktators Trujillo in der Dominikanischen Republik beleuchtet die Auswirkungen von Machtmissbrauch und menschenverachtender Brutalität.
      Hauptfiguren in »Das Fest des Ziegenbocks« vom Mario Vargas Llosa
Rafael Leönidas Trujillo: Der Diktator führtzwischen 1930 und 1961 in der Dominikanischen Republik ein von äußerster Brutalität, Männlichkeitswahn und Menschenverachtung geprägtes Regime. 1961 fällt er einem Attentat zum Opfer. Joaquin Balaguer: Der Nachfolger von Trujillo, trotz einiger Reformen geistiger Erbe des »Trujillismo«, ist zur Zeit der Diktatur Staatspräsident und wird von Trujillo als »harmloser Schöngeist« verspottet. Urania Cabral: Die Exildominikanerin ist die Tochter eines ehemaligen Günstlings des Despoten Trujillo. Sie wird als 14-Jährige vom Diktator vergewaltigt und kehrt in ihre Heimat zurück, um mit dem Vater und der eigenen Vergangenheit abzurechnen. Ramfis Trujillo: Der Sohn des Diktators ist ein verschwenderischer Lebemann und
Frauenheld. Er gilt lange als natürlicher Nachfolger seines Vaters und geht nach dessen Tod ins Exil.
      Agustin Cabral: Der ehemalige Senator und Günstling des Diktators fällt später in Ungnade. Er opfert Trujillo die Jungfräulichkeit seiner Tochter Urania. Jahrelang dämmert er in völliger Apathie vor sich hin. Johnny Abbes: Der mächtige Chef des dominikanischen Geheimdienstes ist einer der engsten Mitarbeiter von Rafael Trujillo und verantwortlich für die Verfolgung und Ermordung unzähliger Oppositioneller. Antonio de la Maza: Er ist einer der sieben Verschwörer und stammt aus einer Trujillo-kritischen Familie. Seit dem vom Regime verschuldeten Tod seines Bruders ist er erfüllt von persönlichen Rachegelüsten. Nach dem Attentat wird er ermordet.
      Das Fest des Ziegenbocks
In seinem Roman Das Fest des Ziegenbocks zeichnet Mario Vargas Llosa ein erschreckendes, düsteres Porträt der Dominikanischen Republik während der über 30-jährigen blutigen Diktatur des Generals Rafael Leönidas Trujillo, der 1961 einem Attentat zum Opfer fiel. Im Mittelpunkt dieses Romans über Macht, Gewalt und Sexualität steht die reale Figur des Diktators, im Volksmund »Ziegenbock« genannt. Den peruanischen Autor interessiert insbesondere die Frage, weshalb das dominikanische Volk den Grausamkeiten und der Willkür des Trujillo-Re-gimes jahrzehntelang keinerlei Widerstand entgegensetzte.
      Inhalt: Urania Cabral kehrt nach langen Jahren des Exils in ihre dominikanische Heimat zurück, um endlich Gewissheit über ihre Vergangenheit und die Rolle ihres Vaters, den sie in völliger Apathie vorfindet, während der Diktatur zu erlangen. Kurz vor dem Tod des Diktators hatte sie mit dem Wissen ihres eigenen Vaters ihre Jungfräulichkeit an den Despoten verloren und war in die LISA geflohen.
      In verschiedenen Rückblicken, die immer wieder um das entscheidende Jahr 1961 kreisen, präsentiert Vargas Llosa zahlreiche Details einer despotischen Herrschaft, welche die Volksmassen ausbeutete, Militär und Industrie beherrschte, Hunderte politischer Gegner verschwinden ließ und dem »Generalissimus«, wie Trujillo sich selbst nannte, das Recht zuerkannte, die Ehefrauen und Töchter seiner Würdenträger sexuell zu missbrauchen.
      Dennoch, und diesen Widerspruch arbeitet der Autor in überzeugender Weise heraus, wurde Trujillo in seiner Heimat eher verehrt als gehasst und bekämpft. Das Fest des Ziegenbocks ist somit auch ein Roman über die Passivität eines Volks, in dem Feiglinge und korrupte Mitläufer den Ton angaben.
      Gleichzeitig erzählt Vargas Llosa vom langen, zermürbenden Warten der sieben Attentäter, die 1961 dem mittlerweile 70-jährigen Dikta-tor, erfüllt von persönlichen Rachegelüsten, nach dem Leben trachteten. Der Anschlag gelang und dennoch - so das ernüchternde Fazit - starb der »Trujillismo« nicht mit dem Diktator, sondern lebte in Gestalt seines Nachfolgers Ba-laguer noch viele Jahre fort. Aufbau: In Das Fest des Ziegenbocks kombiniert Vargas Llosa in überzeugender Weise geschichtliche Daten und Persönlichkeiten einerseits und Fiktion andererseits. Auch Urania Cabral, anhand deren Schicksal die Gräuel einer ganzen Ã"ra aufgedeckt werden, ist eine fiktive, wenn auch nach Worten des Autors »ungemein wahrscheinliche« Gestalt. Geschickt verbindet Vargas Llosa die Biografien der Günstlinge wie der Opfer des Diktators zu einer Anklage gegen ein unmenschliches Regime und bewegt sich hierbei abwechselnd in der Gegenwart der 1990er Jahre und der Vergangenheit. Wirkung: Der kritische, realistische Diktatorenroman wurde auf der ganzen Welt als überzeugendes Lehrstück gegen den Missbrauch der Macht begeistert aufgenommen. Lediglich in der Dominikanischen Republik fühlte man sich angegriffen. Die Verärgerung ging sogar so weit, dass der peruanische Autor bei der Buchpräsentation in Santo Domingo Morddrohun-gen erhielt. Er selbst sagte einmal, der Roman spiele zwar in der Dominikanischen Republik und sei an die Gestalt von Leönidas Trujillo angelehnt, die »spirituelle Knechtschaft«, um die es ihm in erster Linie gegangen sei, existiere jedoch in jeder Diktatur der Welt.
     


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Biografie: *16.5.1 in Villingen/ Schwarzwald. M. Schwarzwälder stu- dierte Literatur-, Sprach- und Erziehungswissenschaften und machte eine Ausbildung in Rhythmik. Sie arbeitet als Saxophonistin in Programmen mit Lesung und Musik gemeinsam mit dem Saxophonisten und Komponisten Gottfried Klier. Nach .....
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