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Tschechow, Anton - Leben und Biographie



Anton Tschechow ist einer der berühmtesten Schriftsteller Russlands, der bis heute nicht nur Bewunderung, sondern echte Verehrung genießt. Er gilt als früher Meister der Kurzgeschichten und hat mit seinen Stücken wie Drei Schwestern oder Der Kirschgarten durch die subtile Analyse menschlicher Beziehungen das moderne Drama begründet. In seiner Prosa wie in seinen Theaterstücken thematisiert er die Unzulänglichkeit der Figuren, ihr seelisches Absterben, ihre Lebenslügen oder auch ihre pathologischen Fluchten in Traumwelten.

      Tschechow stammte aus einer verarmten Kleinbürgerfamilie und finanzierte 1879-1884 sein Medizinstudium mit der Schriftstellerei. Er praktizierte eine kurze Zeit lang als Arzt, widmete sich jedoch ab 1887 ganz seiner schriftstellerischen Tätigkeit. 1890 unternahm er eine Informationsreise nach Sachalin und besuchte die dortige Strafkolonie, ein Erlebnis, das ihn stark beeindruckte. Er führte ein Schriftstellerleben zwischen Moskau, der Provinz und der Krim, wo er als Tuberkulosekranker einige Male zur Kur war. 1898 ließ er sich endgültig in Jalta nieder.
      1899 erschien seine das heikle Thema des Ehebruchs behandelnde Erzählung Die Dame mit dem Hündchen. Seine Dramen Die Möwe , Drei Schwestern und Der Kirschgarten thematisieren die Probleme der frustrierten und gelangweilten Provinzintelligenz und gehören seit mehreren Jahrzehnten zu den meistgespielten Theaterstücken weltweit.

      Die Dame mit dem Hündchen
Anton Tschechows Erzählung verschiebt das oft behandeile Ehebruchsthema aus der Sphäre der gesellschaftlichen Moral in die Sphäre des Psychologischen und Ãoberzeitlichen. Inhalt: Der in Liebesabenteuern erfahrene verheiratete Bankangestellte Dmitri Gurow geht im Badeort Jalta eine, wie er glaubt, flüchtige Affäre mit einer jungen Beamtengattin, der stets mit ihrem Hündchen promenierenden Anna Sergejewna Dideritz, ein. Unerwartet für ihn bleibt Anna ihm nach seiner Rückkehr nach Moskau im Gedächtnis. Er fährt zu ihr in die Provinz und trifft Anna am Abend bei einer Opernpremiere. In der Pause erklärt Gurow Anna seine Liebe. Von nun reist Anna »alle zwei, drei Monate« nach Moskau zu Treffen mit Gurow in einem Hotel der Stadt. Die Erzählung schließt mit den Ãoberlegungen des Paars, sich eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Aufbau: Die Ehebruch-Geschichte wird, anders als die der Anna Karenina von Lew N. -> Tolstoi, nicht zu einem Schluss geführt; sie endet mit einem Ausblick auf die »größten Schwierigkeiten und Komplikationen«, mit denen die Liebenden in der Zukunft noch konfrontiert sein werden. Die irritierende Unabge-schlossenheit der äußeren Handlung lässt die Erzählung rätselhafterscheinen.
      Ein wichtiges Strukturmerkmal der Geschichte bildet die innere Handlung, die vor allem anhand des männlichen Helden dargestellt wird: Das »Interessante«, »Poetische«, »Schöne«, das es in seiner Beziehung zu Anna gibt, begründet für ihn ein zweites, heimliches, sinnhaftes Leben neben dem alltäglichen, trivialen. Reales Bild für diese Sphäre des Wesentlichen ist das nach dem ersten Liebeserlebnis wahrgenommene Meer. Gurov kommt der Gedanke, dass »im Grunde genommen alles schön war auf dieser Welt, außer dem, was wir selber denken und tun, wenn wir den höheren Sinn des Daseins und unsere eigene Menschenwürde vergessen«. Die gesellschaftliche Meinung tritt in den Hintergrund. Die zwei Leben sind nicht länger durch die Heimlickeit der außerehelichen Beziehung bedingt, sondern erscheinen als einander ausschließende Existenzformen. Das offene Ende lässt dieses Absolute, das »neue, wunderschöne Leben«, noch im Bereich des Möglichen, wirft aber zugleich ein skeptisches Licht auf die Bedingungen seiner Realisierung. Wirkung: Zusammen mit anderen Erzählungen der reifen Schaffenszeit verhalf das Werk mit seinem offenen Erzählschluss und lakonischen Psychologisrnus den neuen post-realistischen Erzählweisen zum Durchbruch.
      Drei Schwestern
In Drei Schwestern, einem seiner dramatischen Hauptwerke, schildert Tschechow die uneinlös-baren Ansprüche und unerfüllte Liebe dreier Schwestern. Im Szenario der angespannten Langeweile einer fernab von Moskau gelegenen Provinzstadt wird das Leiden der Figuren am Bewusstsein der Leere ihres Daseins deutlich gemacht.
      Inhalt: Die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina leben mit ihrem Bruder Andrej in ihrem Haus in einer trostlosen Garnisonsstadt. In der Provinz treffen die feinfühligen, gebildeten Frauen auf eine bedrückende Atmosphäre der Rückständigkeit und eintönigen Banalität. Ihre Sehnsucht gilt einem kultivierten Leben in ihrer Heimatstadt Moskau, einer erfüllten Arbeit und einer glücklichen Liebe. Sie setzen große Hoffnungen auf ihren Bruder Andrej, der anfangs noch eine Professur in Moskau anstrebt. Doch Andrej liefert sich durch die Heirat mit Nata-scha, einer kleinbürgerlichen und habsüchtigen Frau, noch mehr der Provinz aus und versinkt selbst gänzlich in Lethargie.
      Am Ende des Stückes werden alle Erwartungen der Schwestern, ihre Illusionen und Hoffnungen zerstört. Der zukünftige Bräutigam Irinas wird am Tag vor der Hochzeit in einem Duell getötet, Mascha muss sich ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen von ihrem Geliebten trennen, dessen Garnison verlegt wird, und kehrt frustriert zu ihrem ungeliebten Ehemann zurück. Olgas Traum von einer Heirat bleibt unerfüllt, ihr Beruf als Lehrerin überfordert sie nach wie vor. Ãoberdies muss Andrej aufgrundvon Spielschulden das Haus der Schwestern verpfänden. Einzig und allein Natascha, die sich im Verlauf des Stücks als üespotin entpuppt, hat ihr Ziel erreicht: Sie hat die Schwestern aus ihrem Haus vertrieben, hat einen Mann, der ihr willenlos ausgeliefert ist, und zwei Kinder, die sie leidenschaftlich bemuttert. Aufbau: Tschechows Drama in vier Akten porträtiert den sinnentleerten russischen Alltag vor der Revolution von 1905: Das langweilige Dasein der Menschen, die in ihrer Unfähigkeit zur Veränderung gefangen sind und angesichts der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse lediglich resignieren können, steht hier deutlich im Mittelpunkt. So ist es den drei Schwestern unmöglich, aus den erstarrten Verhältnissen ihres Landlebens auszubrechen. Die Hoffnung verheißende Großstadt Moskau bleibt ihnen unerreicht. Dabei geht es letztlich um die ewige Wiederkehr des immergleichen, grundsätzlich absurden Leids .
      Das Stück vereint in der subtilen Darstellung von Stimmungen und Seelenzuständen individuelle und gesellschaftliche Tragödien. Dabei verbinden parallele Handlungsstränge und Entwicklungslinien das gemeinsame Thema: die Frage nach dem Sinn des Lebens, ob es eine Möglichkeit des Glücks gibt, ob es lohnt, sich für den kulturellen Fortschritt der Menschheit einzusetzen. Zur Umsetzung dieser Themen weicht Tschechow vom klassischen Aufbau des Dramas ab. Er wendet eine eigens entwickelte, von ihm selbst als »indirekte Handlung« bezeichnete neue Darstellungstechnik an, die weitgehend auf äußere dramatische Handlungen verzichtet. Hierbei wird der Schwerpunkt von der eher spärlichen Handlung verlagert auf die Beleuchtung und Darstellung der Seelenzu-stände und Stimmungen der Charaktere, die nebeneinander bzw. gegeneinander gestellt werden.
      Wirkung: Dem von Tschechow entwickelten neuen Typus des »impressionistischen« Stimmungsdramas entspricht eine entsprechend neue Dialogteehnik, die die Ausrichtung der Repliken auf wechselseitiges Verstehen auflöst und den Eindruck des Aneinandervorbeiredens hervorruft. Das erforderte schließlich einen neuen Inszenierungsstil, der von Konstantin Sergejewitsch Stanislawskijs Moskauer Künstlertheater an diesen Stücken erarbeitet wurde und zu einem Höhepunkt des psychologischen lllusionstheaters führte. Er prägte die neuere Bühnenkunst ebenso nachhaltig wie die Wirkung Tschechows als Dramatiker.
     


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