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Tomasi di Lampedusa, Giuseppe - Leben und Biographie



Giuseppe Tomasi, Fürst von Lampedusa, schuf mit seinem einzigen Roman Der Leopard einen Klassiker der italienischen Literatur, der bis heute das literarische Bild von Sizilien im 19. Jahrhundert prägt.
      Tomasi entstammte einem alten sizilianischen Adelsgeschlecht. Auf dem großen Landsitz seiner Eltern, der auch ein Theater enthielt, kam er in ersten Kontakt mit der Welt des Schauspiels. Dort schrieb er kleinere Stücke und Erzählungen, und zwar sowohl auf Italienisch als auch auf Französisch, das seine Mutter ihm beibrachte. Ab 1911 besuchte Tomasi ein humanistisches Gymnasium, zuerst in Rom, dann in Palermo. 1915 schrieb er sich an der juristischen Fakultät der Universität Rom ein, machteje-doch keinen Abschluss. Nachdem er als Offizier am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, quittierte er 1925 den Dienst und zog sich nach Sizilien zurück. Fr verließ die Insel nur noch für literarische Forschungsreisen. Sein besonderes Interesse galt der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Während der Zeit des Faschismus hielt Tomasi sich vorwiegend im Ausland auf . Erst im Alter von fast 60 Jahren begann er seinen einzigen Roman zu schreiben. Auf einem Kongress in San Pellegrino lernte er 1954 u.a. die bekannten italienischen Autoren Eugenio Montale und Giorgio Bassani kennen. Bassani war es auch, der nach TomasisTod die Veröffentlichung von DerLeo-pard durchsetzte und dem Roman zu Weltruhm verhalf. Nach Der Leopard erschienen noch der Erzählungsband Die Sirene [Racconti, 1961) und Essays über Themen der französischen und englischen Literatur.

      Hauptfiguren in »Der Leopard« von Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Don Fabrizio Corbera, Fürst von Salina:
Dominierendes Oberhaupt seiner Familie; von stattlicher Statur und starkem Charakter; Neigung zu den exakten Wissenschaften, besonders zur Astronomie; will durch die Heirat seines Neffen den Fortbestand des Adelsgeschlechts finanziell sichern; zugleich realistisch und resigniert, erkennt er jedoch, dass in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs die alten Traditionen seines Standes nicht überleben können. Tancredi Falconeri: Neffe von Don Fabrizio; leidenschaftlich, elegant und spöttisch; der Anhänger Garibaldis wirbt um die schöne Angelica und bringt es bis zum Offizier und schließlich zum Abgeordneten des neuen Königreichs Italien.
      Angelica Sedära: Tochter des neureichen, bürgerlichen Emporkömmlings Calögero Sedära, bezaubert alle, besonders den Fürsten, durch ihre natürliche Schönheit und Sinnlichkeit. Durch die Heirat mit Tancredi beschert sie ihrer Familie einen Adelstitel. Maria Stella Corbera, Fürstin von Salina: Ehefrau des Fürsten; ängstlich bis zur Hysterie, sehr fromm; ihrem Mann in unterwürfiger Liebe zugetan, aber völlig passiv. Concetta: Eine der drei Töchter des Fürsten; kühl und wenig liebenswert im Wesen; unglücklich in Tancredi verliebt, bleibt sie ebenso wie ihre beiden Schwestern unverheiratet.
      Pater Pirrone: Jesuit, Beichtvater der Familie und Vertrauter des Fürsten.

      Der Leopard
Der 1955/56 entstandene Roman von Giuseppe Tomasi di Lampedusa erschien erst ein Jahr nach dem Tod des Autors. Derleopardwurde sofort zu einem internationalen Erfolg und wurde 1959 mit dem Strega-Preis ausgezeichnet. Inhalt: Der Leopard erzählt vom Niedergang eines sizilianischen Adelsgeschlechts während des Risorgimento, der Einigung Italiens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach der Landung Garibaldis auf Sizilien 1860 bricht die alte Bourbonenherrschaft zusammen und die Insel wird Teil des italienischen Königreiches unter König Viktor Emanuel 11.
      In dieser Zeit gesellschaftlicher und politischer Umbrüche glaubt Don Fabrizio Corbera, der Fürst von Salina, die alten Traditionen seines Standes bewahren zu können. Gleichzeitig ist er Realist genug, um die veränderten Umstände zu erkennen. Daher unterstützt er die Verbindung seines ehrgeizigen Neffen Tancredi, der auf der Seite Garibaldis für ein vereintes Italien kämpft, mit der schönen Angelica Sedära, der Tochter eines reichen Emporkömmlings.
      Tancredi spricht aus, was der Fürst im Innersten ebenfalls ahnt: »Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, dann ist nötig, dass alles sich verändert.« Doch weder der Name noch der Reichtum der Familie werden überdauern - im Angesicht des Todes erkennt Don Fabrizio, dass mit ihm die alte Welt des sizilianischen Adels untergehen wird.
      Wie kein anderer Autor hat Tomasi mit dem Werk Der Leopard nicht nur der alten aristokratischen Gesellschaft Siziliens, sondern auch der Insel selbst mit ihrer reichen Kultur und Geschichte und ihren landschaftlichen Schönheiten ein Denkmal gesetzt. Seine Landschaftsschilderungen sind immer auch Spiegelbild der Figuren und ihrer Empfindungen. Aufbau: Die Episoden des Romans, in acht Kapitel gegliedert, kreisen um die Hauptfigur des
Fürsten. Während in den ersten vier Kapiteln das Schicksal der Familie in der Umbruchphase zur Zeit Garibaldis weitgehend mit den Mitteln des traditionellen historischen Romans erzählt wird, löst sich diese Komposition im Folgenden mehr und mehr auf, entsprechend der inneren und äußeren Auflösung des alten Familienadels. In den Kapiteln fünf bis acht wird in Zeitsprüngen von jeweils über 20 Jahren der weitere Niedergang punktuell beleuchtet. Höhepunkt ist das siebte Kapitel Der Tod des Fürsten, in dem dieser noch einmal sein Leben an sich vorüberziehen lässt und Bilanz zieht: »Er, Don Fabrizio, hatte selber gesagt, die Salina blieben immer die Salina. Er hatte Unrecht gehabt. Der Letzte war er.« Von der glanzvollen Familie bleiben nur die drei alten, unverheirateten Töchter des Fürsten übrig. Wirkung: Der Leopard erfuhr gleich nach seinem Erscheinen höchst unterschiedliche Beurteilungen. Vor allem linke Kritiker warfen Tomasi eine einseitig aristokratische Sicht auf die Vorgänge des Risorgimento vor und bezeichneten ihn als reaktionär und dekadent, während andere den Roman aufgrund seiner erzählerischen Qualitäten sogleich als Meisterwerk bejubelten. Seine Bekanntheit verdankt Der Leopard vor allem auch der 1963 in Cannes preisgekrönten Verfilmung durch Luchino Visconti mit Burt Lancaster, Alain Delon und Claudia Cardinale in den Hauptrollen. Besonders in Erinnerung geblieben ist die großartige Umsetzung der Ballszene aus dem sechsten Kapitel des Romans.
     


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