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Tocqueville, Alexis de - Leben und Biographie
Alexis de Tocqueville war im 19. Jahrhundert einer der brillantesten Analytiker politischer Zustände und gab mit seinen Arbeiten der Demokratie eine philosophische Theorie.
Tocqueville, der einer alten normannischen Adelsfamilie entstammte, studierte Recht und wurde 1827 Richter am Gericht von Versailles. Nach einer USA-Reise legte er 1832 sein Richteramt nieder, um sich der Politik und der Wissenschaft zu widmen. 1838 wurde er Mitglied der Academie des Sciences Morales et Politiques, drei Jahre später der Academie Fran-caise. In seiner politischen Laufbahn bekämpfte er nach 1839 als Abgeordneter den französischen Außenminister Francois Guizot , deT eine Reform des französischen Wahlrechts ablehnte und damit zum Ausbruch der Revolution von 1848 beitrug. 1849 wurde Tocqueville für kurze Zeit Außenminister. 1856 veröffentlichte er mit Das alte Staatswesen und die Revolution ein Meisterwerk, in dem er nachzuweisen versuchte, dass die zentralistische und nivellierende Tendenz des französischen Absolutismus dem Gleichheitsgedanken der großen Revolution von 1789 den Weg bereitet habe. Nach dem Staatsstreich von Napoleon 111. zog sich Tocqueville ins Privatleben zurück.
Alexis de Tocqueville über die Stellung der Schwarzen in den USA
Zu den klarsichtigen Analysen der politischen und sozialen Verhältnisse in Ober die Demokratie in Amerika gehören Alexis de Tocquevilles Ausführungen über die Stellung der Schwarzen. Sie wurden zu einer Zeit geschrieben, als es im Süden der USA noch die Sklaverei gab. Sie zeigen, dass Tocqueville den US-amerikanischen Bürgerkrieg schemenhaft voraussah, und scheinen in ihrer soziologischen Analyse auch Anfang des 21. Jahrhunderts ihre Gültigkeit nicht vollständig verloren zu haben. Absonderung: Tocqueville war überzeugt, dass Schwarze und Weiße nicht gleichberechtigt zusammenleben können. Nur einem Despoten könne es gelingen, Schwarz und Weiß »unter dem gleichen Joch« zusammenzubringen. Der Autor vermutete, dass die weißen Amerikaner sich mit der Zeit immer stärker um eine Absonderungvon den schwarzen Bürgern bemühen würden.
Konflikt: Tocqueville sah das Ende der Sklaverei in den Südstaaten voraus. Denn »inmitten der demokratischen Freiheit und der Bildung unseres Zeitalters« könne sie nicht fortbestehen. Sie werde entweder durch den Sklaven oder durch den Herrn ihr Ende finden: »In beiden Fällen steht großes Unheil bevor.« Doch auch für eine Zeit nach der Sklaverei vermutete Tocqueville einen unvermeidlichen Konflikt zwischen Schwarz und Weiß. Sobald die Schwarzen freie Menschen geworden sind, werden sie sich darüber empören, weiterhin »fast aller Bürgerrechte beraubt zu sein«. Und da die weiße Rasse sich bemühen werde, die Emanzipation der Schwarzen zu verhindern, komme es in den Südstaaten zwangsläufig zum Kampf.
über die Demokratie in Amerika
Das zweiteilige Werk Über die Demokratie in Amerika von Alexis de Tocqueville gilt als glänzendste Analyse des US-amerikanischen Regierungssystems.
Entstehung: 1832 reisteTocqueville für ein Jahr in die USA, um im Auftrag der französischen Regierung das Gefängniswesen zu studieren. Gemeinsam mit seinem Freund Gustave de Beau-mont, der ihn auf der Reise durch die USA begleitete, veröffentlichte Tocqueville 1833 das Buch Amerikas Besserungssystem und dessen Anwendung auf Europa. Doch mehr als der Kontakt mit den Strafgefangenen interessierte ihn das US-amerikanische Verfassungssystem. Der Umgang mit der gelebten und erlebten Wirklichkeit der Demokratie in den USA war für ihn unerläss-lich bei der Konzeption seines Buchs. Inhalt: Im ersten Band beschäftigt sich Tocqueville insbesondere mit der Soziologie des US-amerikanischen Staats. Er analysiert nicht nur die Struktur des Bundesstaats, sondern auch den Aufbau der Einzelstaaten, die er als Ergebnis ihrer ethnisch-geografischen und historischen Voraussetzungen beschreibt. Er setzt sich mit der Allgewalt der Mehrheit in der US-amerikanischen Demokratie auseinander, die er als die größte Gefahr für das Staatswesen betrachtet. In diesem Zusammenhang hebt er u.a. die Bedeutung des unabhängigen Rechtswesens hervor. Mit dem 1840 publizierten zweiten Band beabsichtigt Tocqueville, allgemeine Züge demokratischer Gesellschaften zu zeichnen, von denen bis dahin noch kein vollständiges Modell existierte. Er versucht, zur universellen Problematik einer demokratischen Weltordnung vorzudringen, wobei ihm die Demokratie in den USA lediglich als Folie dient. Dabei analysiert er Probleme, die auch in der Gegenwart nicht an Aktualität verloren haben, wie z.B. das Spannungsverhältnis zwischen den Prinzipien Gleichheit und Freiheit.
Wirkung: Der erste Teil war von überragendem Erfolg, sodass er bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung ins Deutsche übersetzt wurde und großen Einfluss auf den deutschen Frühliberalismus ausübte. Dem zweiten Teil blieb lange Zeit der gleiche Erfolg versagt, bis beide Teile als Gesamtwerk betrachtet wurden, das die wissenschaftliche Welt überzeugte und Tocquevilles Ruhm als »Montesquieu des 19. Jahrhunderts« begründete. Auch Anfang des 21. Jahrhunderts gelten Tocquevilles Analysen nicht als überholt.
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