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Tagore, Rabindranath - Leben und Biographie



Mit seinem umfangreichen und vielseitigen Gesamtwerk gelang Rabindranath Tagore der Brückenschlag zwischen traditioneller indischer Kultur und westlicher Moderne. Für sein lyrisches Hauptwerk Liedopfer wurde er 1913 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
      Tagore stammte aus einer begüterten bengalischen Brahmanenfamilie. Er wurde von seinem Vater unterrichtet, einem Gutsherrn und hinduistischen Religionsreformer, der seine religiöse und weltliche Einstellung prägte. Mit 17 Jahren ging Tagore nach England; nach dem Abbruch seines Jura-Studiums kehrte er 1880 nach Indien zurück. Ab Mitte der 1880er Jahre verfasste er zahlreiche Gedichte, Geschichten und Dramen in bengalischer Sprache, die er z.T. selbst ins Englische übersetzte. In Shantinike-tan/Westbengalen eröffnete Tagore 1901 eine Privatschule, die eineVerbindung indischer und europäischer Denkweisen und Erziehungsmethoden anstrebte. 1910 erschien sein episches Hauptwerk Gora, in dem er sich für politische und religiöse Toleranz einsetzte. Angesichts des drohenden Zweiten Weltkriegs wandte Tagore sich nachdrücklich gegen das nationalsozialistische Deutschland.

      Der Dichter, dessen lyrisches und philosophisches Werk 28 Großbände umfasst und der außerdem rund 2000 Gemälde schuf, wird in seiner Heimat als Heiliger verehrt. Sein 1911 verfasstes Lied Du bist der Herrscher über die Seelen aller Menschen wurde 1950 zur indischen Nationalhymne. Nachdem im Westen vor allem in den 1910er und 1920er Jahren eine wahre Tagore-Euphorie ausgebrochen war, geriet sein Werk nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend in Vergessenheit.

      Liedopfer
In seinem 157 Lieder und Gedichte umfassenden lyrischen Hauptwerk forderte Rabindranath Tagore eine Besinnung auf traditionelle indische Wette. Seine Themen - Natur, Liebe, Gottessehnsucht -verschmelzen zu einer von philosophischer Symbolik geprägten mystischen Einheit.
      Entstehung: Tagore übersetzte 51 Gedichte der Sammlung während einer Schiffsreise in rhythmische englische Prosa und fügte Ãobersetzungen aus seinen anderen Lyriksammlungen hinzu. Die oftmals von der indischen Originalvorlage abweichenden Ãobersetzungen enthalten jedoch neue Gedanken und Bilder und las-sen dafür andere weg, sodass sie literarisch eigenständig sind. 1912 erschien in London eine Ausgabe mit einem Vorwort von William Butler Yeats , die eine begeisterte Aufnahme fand.
      Inhalt: Eine wehmütige, romantisch-mystische Grundstimmung prägt die Gedichte der Liedopfer-Sammlung. Oftmals steht die Zwiesprache des Menschen mit Gott, der als »Herr«, »König« oder als geliebte Frau angesprochen wird, im Vordergrund. Liebessehnsucht, Gottessuche, das Lob der göttlichen Schöpfung und die Trauer über die menschliche Unvoll-kommenheit sind zentrale Themen. Das Zusammenspiel von erotischer Atmosphäre und Tagores philosophischem Idealismus macht den Reiz seiner Dichtung aus. Aufbau: Die Gedichte zeichnen sich formal durch einen einfachen liedhaften Charakter aus. Tagore verwendet nur ein begrenztes Vokabular und wenige Metaphern. Zahlreiche Lieder dieser Sammlung vertonte der Dichter selbst.
      Wirkung: Tagore gab mit Liedopfer der indischen Dichtung neue Impulse; das Weltbild, das sich darin vermittelt, wurde von den Bengalen wie eine Religion angenommen. Die Sammlung, für die Tagore 1913 den Literaturnobelpreis erhielt, wurde bald in zahlreiche Sprachen übersetzt. Andre -^Gide übertrug sie 1914 ins Französische. Die Rezeption des Werkes litt allerdings unter der Tatsache, dass es nur Ãobertragungen auf der Grundlage englischer Nachdichtungen gab. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen erste Ãobersetzungen aus dem Bengalischen.


 Tags:
Tagore,  Rabindranath    





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