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Stifter, Adalbert - Leben und Biographie



Adalbert Stifter ist der bedeutendste österreichische Erzähler des Realismus. Seinem Gesamtwerk liegt das Prinzip der Ordnung zu Grunde: Der Mensch kann nur Glück und Zufriedenheit erlangen, wenn sein Denken, Fühlen und Handeln von Maß und Ordnung bestimmt werden. Stifter verbindet einen unpsychologischen, um Objektivität bemühten Erzählstil mit detaillierten Landschaftsschilderungen. Natur wird als eine den Menschen sowohl beschützende als auch bedrohende Macht dargestellt.

      Stifter, Sohn eines Leinenwebers und -händ-lers, begann nach dem Besuch des Gymnasiums im Stift Kremsmünster 1826 in Wien das Studium der Rechtswissenschaften und arbeitete nebenbei als Hauslehrer. Eine Zeit lang betrachtete er sich vor allem als Maler, doch mit zunehmendem Erfolg als Autor wurde ihm das Schreiben immer wichtiger. Nach einer unerfüllten Jugendliebe heiratete Stifter 1837 die Modistin Amalie Mohaupt; seine Ehe verlief jedoch glücklos. 1848 übersiedelte er nach Linz, wo er zunächst als Zeitungsredakteur tätig war und dann zum Inspektor der oberösterreichischen Volksschulen ernannt wurde. Schwerkrank starb er an den Folgen eines Selbstmordversuchs.
      Die wichtigsten Werke von Adalbert Stifter
Studien 1844-50 Den dreizehn Erzählungen des Buchs ist ein fatalistischer, resignativer Grundton gemeinsam. Sie handeln u.a. von verfehlten Liebesbeziehungen , gescheitertem Glücksstreben oder falschen Lebensentscheidungen {Der HagestolZ).
      Wien und die Wiener, 1844 In diesen ursprünglich für eine Anthologie geschriebenen Erzählungen thematisiert Stifter das Phänomen der modernen Großstadt.
      Bunte Steine 1853 E/nFesfgeschen/dn der Vorrede zu den Erzählungen der Sammlung formuliert Stifter seineTheorie vom »sanften Gesetz«, »wodurch das menschliche Geschlecht geleitet wird«. In der bekanntesten Erzählung, Bergkristall, verirren sich zwei Kinder im winterlichen Gebirge.
      Der Nachsommer, 1857 Stifters Hauptwerk ist ein radikaler Gegenentwurf zu den politischen und gesellschaftlichen Tendenzen seiner Zeit.
      Witiko 1865-67 Ursprünglich als vielbändiges Werk geplant, handelt der historische Roman von der Gründung des Königreichs Böhmen im 12. Jahrhundert.
      Der Nachsommer
Der Nachsommer ist der letzte große deutschsprachige Bildungsroman in der Nachfolge von -> Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre . Darin entfaltet Adalbert Stifter sein Konzept einer planvollen Erziehung und umfassenden Bildung, dessen Ziel die harmonische Entwicklung des Menschen ist. Entstehung: Der Roman zählt zu Stifters Spätwerk. Et ging aus Entwürfen für eine Erzählung mit dem Titel Der alte Hofme/ster hervor, an der Stifter ab 1848 gearbeitet hatte. Im Roman Der Nachsommer verlagerte er den Schwerpunkt und übertrug die Lebensgeschichte des Hofmeisters Risach auf die Entwicklungsgeschichte des jungen Heinrich Drendorf. Inhalt: Heinrich Drendorf, Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, macht im Rahmen seines Geologiestudiums auf einer Forschungsreise in den Alpen die Bekanntschaft des Freiherrn von Risach, eines einst einflussreichen Staatsbeamten, der zu seinem entscheidenden Erzieher und Mentor wird. Auf Risachs Landgut erweitert und vertieft Heinrich seine wissenschaftlichen und künstlerischen Kenntnisse und lernt Mathilde Tarona und deren Tochter Natalie kennen. Heinrich erfährt, dass Risach einst leidenschaftlich in Mathilde verliebt war, eine Verbindung zwischen den beiden aber nicht zu Stande kam, da ihre Eltern sie damals für zu jung hielten. Risach und Mathilde, die wenige Jahre später einen anderen Mann heiratete, verloren sich daraufhin aus den Augen. Erst nach dem Tod ihres Gatten nähern sie sich einander wieder an und leben nun »in Glück und Stetigkeit gleichsam einen Nachsommer ohne vorhergegangenen Sommer«. Heinrich seinerseits geht mit Natalie eine Ehe ein, die von Harmonie und gegenseitigem Verständnis geprägt ist. Struktur: üeT Roman wird aus der Perspektive Heinrichs in der 1. Person Singular erzählt. Der Protagonist und auch die übrigen Figuren bleiben undeutlich in der Charakterisierung und darüber hinaus ohne psychologische Tiefe. Stifter ging es offensichtlich nicht um eine genaue Darstellung der Charaktere oder eine spannende HandlungsfühTung, sondern um die Präsentation eines Ordnungssystems, in welchem alle dargestellten Bereiche das gleiche Maß der erzählerischen Behandlung verdienen: jene Bereiche, die ihm selbst zum Erlangen eines erfüllten Lebens wichtig erschienen, von handwerklichen Fähigkeiten über die Landwirtschaft bis hin zu Kunst und Religion. Der junge Heinrich gelangt, stets erfüllt von Dankbarkeit gegenüber seinen Lehrern, ohne Widerstandund innere Kämpfe von einer Erkenntnis- und Lebensstufe zur nächsten.
      Wirkung: Der Nachsommer ist ein radikaler Gegenentwurf zu den Tendenzen seiner Zeit: Den politischen Umbrüchen, naturwissenschaftlich-technischen Neuerungen und der zunehmenden Verunsicherung des Einzelnen stellte Stifter sein Modell einer harmonischen Welt gegenüber, in der Sinnfm-dung noch möglich zu sein schien. Die rückwärtsgewandte Idylle wurde von den Zeitgenossen nicht verstanden und trug dem Autor den Vorwurf der Weltfremdheit und Langeweile ein. Friedrich Hebbel versprach demjenigen, der das Werk lese, ohne dazu »als Kunstrichter« gezwungen zu sein, »die Krone von Polen«. Friedrich -> Nietzsche hingegen hielt es für einen der Romane, die es verdienten »wieder und wieder gelesen zu werden«. Erst im Zuge einer Stifter-Renaissance nach dem Ersten Weltkrieg wurde Der Nachsommer neu gewürdigt, und es blieb der neueren Forschung vorbehalten, seine Qualitäten jenseits ideologischer Kontroversen herauszuarbeiten.


Stifters bildungsideal - rettung in heilloser zeit

Adalbert Stifters 1857 erschienener und im Untertitel schlicht als "Erzählung" bezeichneter Roman Der Nachsommer kann als ein Sonderfall nicht nur in der zeitgenössischen Literatur, sondern auch in der Geschichte des Bildungsromans gelten. Denn die durchgängige Asthetisierung der dargestellten Welt .....
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Stifter, adalbert

Geb. 23.10.1805 in Oberplan/ Böhmerwald; gest. 28.1.1868 in Linz Albert St. entstammt einer Handwerkerfamilie, in der man Leinen webte und mit Flachs handelte. St.s Leben hat sich im wesentlichen in der europäischen Kernlandschaft zwischen Prag, Passau, Linz und Wien abgespielt; diese Landschaft z .....
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Fanny und amalia - Ãober adalbert stifter

Spät am Abend zog es ihn in einen Ballsaal. Kr trank Wein, sang, tanzte, aß mindestens sechs Korellen und war noch immer hungrig, rauchte 'Zigarren und gab Geld aus, das er sich nur geborgt hatte. Gewiss, er war durchaus in Geldnöten, aber in dieser Augustnacht überließ er sich nur dem Augenblick. .....
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Adalbert stifter

Adalbert Stifter wird in Oberplan im südlichen Böhmen geboren. Der Vater, Johann Stifter, ist Leinweber und -händ-ler. Das Flternhaus ist ein karges, schindelgedecktes Gebäude mit Brunnen und Hof. Die Stifters leben einfach, haben aber ihr Auskommen. Adalbert ist das älteste Kind. Da er kurz nach de .....
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Stifter, ädalbert

Das Freudenfest am Trauerdenkmale Kienesberger, Konrad. In: Stifters Freudenfest, 1968, S. 51-75. .....
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Adalbert von chamisso (i78i-i838)

Chamisso, der auf Schloß Boncourt in der Champagne geboren wurde und mit seinen vor der Revolution flüchtenden Eltern in Berlin eine zweite Heimat fand, war einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit. In seiner Lyrik, so in dem von Robert Schumann vertonten Zyklus 'Frauenliebe und -leben" i .....
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Adalbert stifter (i805-i868)

Was Grillparzer auf dem Gebiete des Dramas, das bedeutet Stifter auf dem Gebiete der Erzählung für die Zeit des Biedermeier. In dem Flecken Oberplan an der Moldau in Böhmen geboren und aufgewachsen inmitten der unberührten großartigen Natur des Böhmerwaldes und im vertrauten Umgang mit dessen Mensc .....
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Stifter, adalbert

Albert S. entstammt einer Handwerkerfamilie, in der man Leinen webte und mit Flachs handelte. S.s Leben hat sich im wesentlichen in der europäischen Kernlandschaft zwischen Prag, Passau, Linz und Wien abgespielt; diese Landschaft zwischen Moldau und Donau beherrscht auch das Werk; nur einmal in sei .....
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Stifter,  Adalbert    





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