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Simon, Claude - Leben und Biographie



Claude Simon gilt als einer der letzten großen Vertreter der klassischen Moderne der europäischen Literatur. In seinem ca. 20 Romane umfassenden Werk setzt er sich mit dem Problemder Wahrnehmung und der sprachlichen Gestaltung von Wirklichkeit auseinander. Wiederkehrende Themen und Motive sind Krieg und Erinnerung, die Irreversibilität der Zeit und die Geschichte, die sich der Einflussnahme des Menschen entzieht.

      Der Sohn eines Kolonialoffiziers, der im August 1914 im Ersten Weltkrieg fiel, wuchs in Perpignan bei der Familie seiner Mutter auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Paris wandte er sich zunächst der Malerei zu. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte er auf Seiten der Republikaner. Bei Kriegsausbruch wurde er eingezogen und geriet im Mai 1940 in deutsche Gefangenschaft. Nach seiner Flucht versteckte sich Simon in Südfrankreich und begann zu schreiben. Die Erlebnisse während des Krieges und die Eigenheit des provinziellen Südens von Frankreich gingen in Simons Romane ein . Seine ersten Werke orientieren sich an traditionellen Erzählmustern. Erst mit Frühlingsopfer erteilte Simon dem konventionellen Romantypus eine Absage und näherte sich dem Nouveau Roman. In Tripty-chonund Ansehauungsunterricht{)975) experimentierte Simon mit sprachlichen Elementen.
      1985 wurde der als Einzelgänger geltende Simon mit dem Literaturnobelpreis geehrt.

      Triptychon
Radikal und konsequent entwickelt Claude Simon als herausragender Vertreter der literarischen Bewegung des Nouveau Roman in Triptychon seinen eigenwilligen Romanstil weiter. Er verzichtet auf eine fortlaufende Wandlung, auf ein zentrales Thema sowie auf Protagonisten mit Namen und Schicksalen. Drei verschiedene Szenerien, die banale Alltagsszenen beschreiben und durch eine subtile Montagetechnik überblendet werden, konstituieren den Roman. Deutlicher als in früheren Werken zeigt sich hier die künstlerische Entwicklung Simons von einem Nachfolger der Autoren William ^Faulk-ner und Marcel ^Proust zu einem radikalen Sucher neuer Formen, der die konventionelle Erzählweise hinter sich lässt. Enstehung: Simon ließ sich zu seinem Romanprojekt durch ein Triptychon des Malers Francis Bacon anregen. Der Titel verdeutlicht den dreigeteilten Charakter des Romans, dessen Einzelteile - wie bei der Gemäldeform -aufeinander verweisen und so ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Inhalt: Wie bei einem Puzzle ist der Leser gefordert, die verschiedenen Teile des Romans selbstzusammenzusetzen. Erst allmählich kristallisieren sich drei Geschehensabläufe heraus, die in etwa 60 bis 70 verschieden lange Einzelteile aufgeteilt sind und nicht chronologisch erzählt werden. Sie spielen an verschiedenen Schauplätzen und handeln von unterschiedlichen Personen. Irgendwo auf dem Lande trifft sich ein junges Paar in einer Scheune und wird von Halbwüchsigen beim Geschlechtsverkehr beobachtet. Ein kleines Mädchen, von der Frau in der Scheune unbeaufsichtigt, ertrinkt in einem Fluss. In einer nordfranzösischen Industriestadt wird eine Hochzeit gefeiert. Der angetrunkende Bräutigam verlässt mit seinen Freunden das Fest, besucht eine Kneipe und bändelt mit der Kellnerin an, in der er eine frühere Freundin erkennt. Er wird von einem Rivalen zusammengeschlagen und findet schließlich zurück in das Hotelzimmer, wo die Braut bereits auf ihn wartet. In einem Luxushotel an der Cöte d'Azur gibt sich eine Frau einem Geschäftsmann hin und erwartet als Gegenleistung, dass er sich für ihren Sohn verwendet, der offensichtlich wegen üro-gengeschäflen in Schwierigkeiten geraten ist.
      Alle drei Bilder, die sowohl nebeneinander stehen, als auch kunstvoll in- und übereinander geblendet werden, münden in die Beschreibung des Koitus. Keine der Personen trägt einen Namen, über die Art der Beziehungen kann der Leser nur Mutmaßungen anstellen. Die minutiösen Beschreibungen verschiedener Szenen und Gegenstände wirken wie Nahaufnahmen eines Films. Perspektiven und Stimmungen verdrängen die Aktion. Nicht die Geschehnisse stehen im Vordergrund, sondern die Form, die Beziehungen der Wörter und Wendungen überdie drei Szenerien hinweg. Teile des Geschehens wiederholen sich zudem auf Abbildungen und Zweitbildern, einem Zirkusplakat, einem Kupferstich, einem Film, einer Ansichtskarte, einer Fotografie, einem Kinoplakat. Die am Anfang des Romans beschriebene ländliche Szenerie stellt sich schließlich als ein Puzzle heraus, das -gerade fertig gestellt - von einer FilmfiguT am Ende des Romans vom Tisch gefegt wird.
      Die Sehweise und Darstellungstechnik von Simon erinnern stark an die Malerei, der er stets nahe stand. Seine Bücher solle man - so der
Autor - wie ein abstraktes Gemälde auf sich wirken lassen. Sie wollen nichts belegen, sondern die Welt im Schreiben erschaffen. Wirkung: Die Schwedische Akademie würdigte diese Beschreibung der conditio humana unserer Zeit, als sie dem Romancier 1985 den Nobelpreis verlieh. Sein Werk, das als schwer zugänglich gilt, wurde von der Kritik durchweg enthusiastisch gelobt. Erst nach der Verleihung des Nobelpreises wurden Simons z.T. vergriffene Bücher neu aufgelegt und in viele Sprachen übersetzt.
      Die wichtigsten Bücher von Claude Simon
Der Wind 1957 Der fiktive Erzähler in Simons epochalem Roman bemüht sich, einen Geschehensablauf anhand von bruchstückhaften Berichten, Gerüchten und Vermutungen zu rekonstruieren.
      Die Straße in Flandern 1960 Der Roman beschreibt eine Schlüsselszene im Lebenund Werk des Autors; ein als Soldatentod getarnter Selbstmord während des Feldzugs im Mai 1940 in Flandern.
      Der Palast 1962 Der Roman ist das Buch einer »traumhaften Erinnerung« an den Spanischen Bürgerkrieg, an dem Simon auf Seiten der Republikaner teilnahm.
      Geschichte 1967 Eine fragmentarische Rekonstruktion einer Familienchronik, wobei sich das Geschehen an einem einzigen Tag abspielt.
      Triptychon 1973 In drei unabhängigen, aber kunstvoll in- und übereinander geblendeten Erzählsträngen, in denen eine zentrale Handlung fehlt, experimentiert Simon mit traditionellen Erzähltechniken.
      Georgica 1981 Drei Figuren erlebenden Krieg in ganz unterschiedlichen Epochen: ein römischer Offizier, ein napoleonischer General und ein Journalist, der sich für die spanische Republik engagiert.
      Jardin des Plantes, 1997 Der nach der berühmten Gartenanlage in Paris benannte Roman greift Themen und Leitmotive des Gesamtwerks auf.
      DieAkazie 1989 Das Buch erzählt in kapitelweisem Wechsel die Lebens- und Familiengeschichte des Autors Simon: vom Ersten Weltkrieg und der Zeit davor, vom Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach.
      Die Tram way 2001 Der Roman evoziert mit den Bildern der von der Stadt zum Meer fahrenden Bahn die Kinderzeit des Autors in Perpignan.
     


Dach, simon

Daß Preußen die »Kunst der Deutschen Reime« von ihm gelernt habe, daran läßt D. keinen Zweifel: »Zwar man sang vor meinen Zeiten Aber ohn Geschick und Zier.« Er schätzte sich und seine Bedeutung gewiß nicht falsch ein. Seine Königsberger Mitbürger lohnten sein Talent und seinen Fleiß mit Autträgen u .....
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Dach, simon

An Hn. Obermarschalien Ahasv. von Brandt, daß sein Gehalt erfolgen möge Kühlmann, Wilhelm. In: Frankfurter Anthologie 14, 1991, S. 17-21. Die Sonne rennt mit prangen Segebrecht, Wulf. In: Frankfurter Anthologie 12, 1989, S. 17-21. Klage über den endlichen Untergang ... der Musicalischen Kü .....
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Beauvoir, simone de

Spitze Kritikerzungen nannten sie »Notre-Dame de Sartre« oder »La Grande Sartreuse«, um ihre intellektuelle Abhängigkeit vom Lebensgefährten Jean-Paul Sartre und damit zugleich ihre künsterlische Epigonalität zu geißeln. Unterstellungen dieser Art sind unzutreffend. Die Tochter aus gutem Hause tMemo .....
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Vigee, claude

Winterweiden Melchinger, Christa. In: Frankfurter Anthologie 11, 1988, S. 199-202. .....
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Helvetius, claude adrien

Als Voltaire Ende der 60er Jahre in einer Versepistel anläßlich der Herausgabe eines atheistischen Textes durch den Holbach-Kreis sein berühmtes Diktum tätigt, daß »wenn es Gott nicht gäbe, man ihn erfinden müsse«, und er den »falschen Raisonneur« warnt, sein Steuerschuldner, sei er Atheist, werde i .....
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Levi-strauss, claude gustave

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Saint-simon, claude henri de

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Presentifier - representer. pedantische und unzuverlässige ecriture. zu claude simon: l'invitation (i987)

Retrospektiv, im Vergleich mit der älteren Programmatik des Nouveau Roman1, namentlich von Robbe-Grillet, und eigenen Positionen in Einzelwerken vor 1987, werden Claude Simons Textqualitäten der achtziger Jahren solider zu bestimmen sein als im punktuellen und darum fast beliebigen Austausch mit gle .....
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Cueni, claude

Pseud. für: Marcel Schwarz Biografie: 13.1.1956 in Basel. C. Cueni brach seine Schulausbildung ab und reiste per Anhalter durch Europa. Zwischen 1974 und 1982 nahm er immer wieder Gelegenheitsarbeiten an, die stets auch zur Stoffbeschaffung für seine schriftstellerische Arbeit dienten. So war er unt .....
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Elisabeth simons - der sozialistische realismus — eine neue weltkunst

[...] Die junge Sowjetmacht war als Heimat des Weltproletariats Ziel der Hoffnungen und der Aufmerksamkeit der fortschrittlichen und revolutionären Werktätigen aller Länder. Die sozialistischrealistische Literatur und Kunst der Sowjetunion gestaltete als erste das neue Menschenbild des revolutionär .....
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