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Shalev, Zeruya - Leben und Biographie



Zeruya Shalev hat mit ihren beiden bisher übersetzten Romanen - Geschichten von Liebe und Begehren, von den Schwierigkeiten zwischen Mann und Frau - offenbar einen zentralen Nervder Leser getroffen, denn sowohl Liebesleben als auch Mann und Frau wurden zu internationalen Bestsellern. Shalev gehört zu einer neuen Generation israelischer Schriftsteller, die sich auf individuelle Schicksale konzentrieren und die politische Lage in Israel in ihren Büchern gänzlich ausblenden.

      Die Schriftstellerin entstammt einer Literatenfamilie: Ihr Vater, Mordechai Shalev, zählt zu den renommiertesten Literaturkritikern Israels; ihr Cousin ist der bekannte Schriftsteller Meir Shalev; auch ihr Bruder und ihr Ehemann sind Autoren. Zeruya Shalev studierte Bibelwissenschaften und arbeitet als Lektorin in Jerusalem. Mit ihrem zweiten Roman Liebesleben, der vor ihrem weitgehend unbeachteten ersten Roman auf Deutsch erschien, gelang ihr ein internationaler Bestseller. Auch der nachfolgende Roman Mann und Frau wurde ein weltweiter Erfolg. Zuvor hatte Shalev in Israel bereits einen Gedichtband veröffentlicht.
      Liebesleben
Liebesleben erzählt das Wegbrechen der abgesicherten Existenz einer jungen Erau, die einem älteren Mann verfällt. Damit verquickt ist ein alter Familienkonflikt, in dessen Zentrum das frühere Liebesleben der Mutter steht. Inhalt: Die Ich-Erzählerin Ja'ara, jung, erfolgreich um eine universitäre Karriere bemüht und seit fünf Jahren mit einem netten Mann verheiratet, lernt in der Wohnung ihrer Eltern Arie, einen Jugendfreund ihres Vaters, kennen, der sie sofort durch herausfordernde Männlichkeit und kaltes Selbstbewusstsein fasziniert. Noch bevor es ihr bewusst wird, ist sie ihm verfallen. Sie beginnt eine Affäre mit ihm, die obsessiv und destruktiv ist und für sie demütigend, denn der alternde Mann erwidert ihr Glühen in keiner Weise; seine Sexualität ist wie sein gesamtes Wesen auf eine zynische Weise übersatt, durch kaum etwas mehr zu reizen. Ja'ara sucht trotz der ständigen Demonstrationen seiner Gleichgültigkeit weiter Aries Nähe und verliert dabei zusehends die Kontrolle über ihr Leben. Dieser Verlust äußert sich in der Vernachlässigung ihrer Pflichten an der Universität und in ihrer Ehe, deren eher geschwisterlicher Charakter ihr nun überdeutlich wird.
      In einem zweiten Uandlungsstrang verdichten sich die Hinweise darauf, dass Arie tiefer in das Schicksal ihrer Familie verstrickt ist als nur durch Freundschaft mit ihrem Vater. Er war einst die große - und erwiderte - Liebe ihrer Mutter, die sich aber gegen ihn entschied, weil er durch ei-ne Kriegsverletzung zeugungsunfähig wurde. Ja'ara ist somit - durch ihre schiere Existenz -der lebendige Grund für die Trennung ihrer Mutter von Arie.
      Das Ende des Romans ist offen, weist aber auf Befreiung hin: Ja'ara fährt zwar zum Flughafen, um ihren Mann abzuholen, bleibt dann aber unerkannt im Hintergrund. Der Dekan stellt ihr ein Ultimatum für ihre Abschlussarbeit, und Ja'ara lässt sich in der letzten Szene über Nacht in der Bibliothek einschließen: ihre erste selbstbestimmte Handlung seit langem. Wirkung: In Israel stieß Liebesleben wegen seiner freizügigen Szenen auf Kritik, wurde aber trotzdem mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Schnell entwickelte es sich auch zum internationalen Bestseller. Bewunderung gezollt wurde allgemein dem »atemlosen« Erzählstil. Etwas irritiert stellten vor allem ausländische Leser fest, dass Israel in dem Buch nicht einmal als Kulisse deutlich wird. Lobend hervorgehoben wurden auch die zahlreichen Bibelanspielungen und -zitate, die Shalev nicht für ideologische Zwecke, sondern als Metaphern für Zwischenmenschliches nutzt. Vereinzelt konstatierten Kritiker passagenweise Kitsch und äußerten Zweifel , ob die Autorin wirklich in der Klasse der hohen Literatur mitspiele oder nicht doch eher dem Genre des unterhaltsamen Frauenromans zuzuordnen sei.
     


 Tags:
Shalev,  Zeruya    





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