Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Semprün, Jorge

Semprün, Jorge - Leben und Biographie



Der aus Spanien stammendende Autor, Widerstandskämpfer und Politiker Jorge Semprün wurde durch seine größtenteils autobiografischgeprägten Werke berühmt. Zeitlebens setzte er sich mit Faschismus und Stalinismus, den herrschenden Ideologien seinerzeit, auseinander.
      Semprün, Sohn eines Juraprofessors und spanischen Botschafters in Den Haag, emigrierte mit seiner Familie nach der Machtübernahme General Francos 1937 nach Frankreich. In Paris studierte Semprün an der Sorbonne und schloss sich dem französischen Widerstand an. 1943 wurde er von der deutschen Besatzungsmacht gefasst und ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Er überlebte die Zeit und ging nach seiner Rückkehr als Mitglied der spanischen Exil-KP in den spanischen Widerstand gegen das Franco-Regime. Wegen seiner Kritik an der stalinistischen Parteilinie wurde Semprün 1964 aus der KP ausgeschlossen. Nach dem Ende der Diktatur berief 1988 Premierminister Felipe Gonzalez Semprün als Kulturminister in sein Kabinett, in dem er bis 1991 blieb.

      Der erste Roman von Semprün war Die große Reise , in dem er seine Fahrt ins Konzentrationslager aufarbeitet. Das nächste autobio-grafische Werk, Federico Sänchez: Eine Autobio-grafie , beschreibt sein Leben unter diesem Decknamen im Untergrund. Eine Fortsetzung erschien 1993 unter dem Titel Federico Sänchez verabschiedet sich . In DerTote mit meinem Namen , seinem bislang letzten Buch, berichtet Semprün über seine Zeit in Buchenwald. Auch als Filmautor wurde Semprün international bekannt. So schrieb er unter anderem die Drehbücher zu Alain Resnais' Der Krieg ist vorbei und Costa-Gavras' Z . Neben zahlreichen anderen Literaturpreisen erhielt Semprün 1994 den Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

      Die groBe Reise
In diesem frühen Buch greift Jorge Semprün bereits das Thema auf, das sein ganzes weiteres Werk bestimmen wird: die Erinnerung an seine Teilnahme am Widerstand gegen Faschismus und Stalinismus in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Auch hat er in dem Roman bereits zu seinem Stil gefunden, der von Rückblenden, Ãoberblendungen und Assoziationen geprägt ist.
      Inhalt: Das Buch berichtet von der vier Tage und fünf Nächte dauernden Fahrt gefangener Widerstandskämpfer in einem überfüllten Viehwaggon. 120 Männer drängen sich in diesem Wagen, ohne Essen und Trinken, mit kaum ausreichender Luftversorgung. Die Fahrt in einem schneidend kalten Winter geht von Compiegne in das Konzentrationslager Buchenwald. Im Lauf des Buchs wird der Autor anmerken, dass die Deutschen in die gleichen Waggons 200 Juden pferchten. Der Bericht endet mit dem Erreichen des Lagers.
      Der Autor ist 20, als er diese Reise antreten muss; Semprüns engster Gefährte während der »Reise« ist ein 16-Jähriger, der nur der »Junge aus Semur« genannt wird. Schon auf den ersten Seiten setzen die Rückblenden aus verschiedenen Perspektiven ein, einmal aus der des eingepferchten jungen Mannes, bald schon aus der des Schreibers. So denkt der Erzähler während der Zugfahrt durch das Moseltal an den Geo-grafieunterricht am Gymnasium. Etwas später fällt ihm ein, dass er 1945, auf der Rückkehr aus Buchenwald, in einem Hotel in Eisenach zum ersten Mal in seinem Leben Moselwein trank.
      Die Erinnerungen wuchern häufig, durchdringen und überlagern einander. Doch immer wieder kehrt Semprün zurück zu der qualvollen Situation der Menschen im Viehwaggon, die kaum Platz haben zum Stehen. Der gesunde Menschenverstand des Jungen, seine burschikose Art führen ihn in die Realität zurück, bestärken ihn. Voller Kraft scheint dieser Junge und widerstandsfähig. Doch schon bald beginnt der Autor anzudeuten, dass der Junge sterben wird, noch ehe sie das Lager erreichen. Mit seinen Erinnerungen versucht er, die Leiden der fahrt abzumildern. Nach und nach erfährt der Leser aus dem Vor- und Zurückschweifen der Gedanken die Geschichte der Wider-standsgruppe, ihrer Zerschlagung und Festnahme. Am Ende des Buchs erfährt er vom überraschenden Tod des Jungen; ebenfalls deutet der Erzähler bereits das Grauen des Lagers an. Die Sprache des Berichts ist nüchtern und kühl, manchmal schneidend kalt. Häufige Wiederholungen geben ihr ein insistierendes Drängen. Wirkung: Semprüns Buch hat zunächst vor allem in Frankreich Anerkennung gefunden. In Deutschland wurde der Autor, obwohl er nie Ressentiments gegen das Land äußerte, zunächst nicht zur Kenntnis genommen. Mehrere Male war er für den Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels im Gespräch, erhielt ihn jedoch erst 1994. Die Bilder und Ereignisse, die seine Erinnerungen als die wichtigste Quelle seines Werks bloßlegten, waren schmerzhaft. »Schreiben oder leben« hieß letztendlich die Entscheidung des Schriftstellers. Er gab schließlich am Ende des Jahrhunderts seiner »Obsession der Erinnerung« nach, als das allgemeine Vergessen begann.


Jorge guillen

Von hier aus führt eine Brücke zu dem Spanier Jorge Guillen. Seine Poesie steht im Strahlbereich Mallarmes und Valerys. Letzteren hat er übersetzt, auch persönlich verkehrte er mit ihm. In seinen früheren Jahren bekannte er sich ausdrücklich zur poesie pure [, wie er hinzufügte; 330, S. 328); später .....
[ mehr ]
Index » EUROPÄISCHE LYRIK IM ZWANZIGSTEN JAHRHUNDERT

 Tags:
Semprün,  Jorge    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com