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Seghers Anna - Leben und Biographie



Anna Seghers widmete sich bereits in ihrem Frühwerk der 1920er Jahre politischen und sozialen Fragen. Ihr in der Emigration entstandenes, auf persönlichen Erlebnissen beruhendes Hauptwerk gilt als repräsentatives Beispiel der Exilliteratur nach 1933, die sich gegen den Nationalsozialismus engagierte und für die Erneuerung der deutschen Kulturtradition eintrat.
      Seghers entstammte einem jüdischen Elternhaus und schloss sich nach dem Studium unter Einfluss ihres Ehemanns Läszlö Radvänyi kommunistischen Kreisen an. Mit der Erzählung AufstandderFischervonSt. Barbara international bekannt geworden, wurde sie im gleichen Jahr Mitglied der KPD und begann, offen gegen die Nationalsozialisten aufzutreten. Als Jüdin und Kommunistin 1933 zur Emigration gezwungen, lebte sie bis 1947 in Frankreich und Mexiko, wo sie im antifaschistischen Widerstand aktiv war. Hier entstanden auch ihre großen Romane Doss/eöfe/Creuzund Transit. Seghers kehrte 1947 zunächst nach Westdeutschland zurück und siedelte 1950 in die DDR über.

      Vielfach ausgezeichnete »Vorzeigeautorin« und Kulturfunktionärin , vermochte Seghers mit ihren späten, die ostdeutsche Lebenswirklichkeit schildernden Romanen und Erzählungen nicht mehr an das Niveau früherer Werke anzuknüpfen.

      Das siebte Kreuz
Mit dem Roman Das siebte Kreuz, der den Untertitel Roman aus Hitlerdeutschland trägt, legte Seghers die Lebensverhältnisse unter dem Nationalsozialismus und dessen ideologische Wurzeln bloß. Als Ursache des Zerfalls der deutschen Kulturnation sah sie die ungehemmte, vom Faschismus gesteuerte Freisetzung desmenschlichen Urtriebs, die Durchsetzung persönlicher Interessen über das Wohl und die Rechte der Mitmenschen zu stellen. Der inhumanen, auf Verrat und Unterdrückung beruhenden Gegenwart hält Seghers die ermutigende Kernaussage ihres Romans entgegen, dass der ungebrochene Widerstand dauerhaft die Aussicht auf den Anbruch einer friedvollen, gerechten Zukunft zu sichern vermag. Inhalt: Im Zentrum des 1937 spielenden Romans steht die Flucht von sieben Häftlingen aus einem deutschen Konzentrationslager. Sechs der Häftlinge werden im Lauf der sieben Tage umspannenden Handlung zu Tode gejagt oder gefangen. Im Lager stellt der KZ-Kommandant die Opfer an eigens errichteten »Kreuzen« zur Schau. Nur die Hauptfigur Georg Heisler, der siebte Flüchtling, kann den Verfolgern entkommen. Die Flucht ins Ausland gelingt dank der Hilfe von Freunden, Familienmitgliedern und Zufallsbekanntschaften, deren Lebensumstände und Beweggründe - wie die der Häscher und Mitläufer des Regimes - in zahlreichen mit der Rahmenhandlung verwo-benen Episoden mitgeteilt werden. Widerstand und Zivilcourage fuhren dazu, dass das siebte, für Heisler bestimmte Kreuz am Ende leer bleibt und zu einem Symbol der Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit wird. Aufbau: Seghers' Gestaltungsverfahren dient der kritischen Darstellung der nationalsozialistischen Gesellschaftsstruktur. Zugleich sollen die Möglichkeiten, Voraussetzungen und Ziele für eine geistig-politische Erneuerung Deutschlands im humanistischen Sinn ausgelotet werden. Als wichtiges Mittel verwendet die Autorin eine psychologisch exakte Kontrasttechnik bei der Figurengestaltung: Komplexe Beschreibungen der Täter und Mitläufer stehen vielschichtigen Charakterporträts der Verfolgten und Fluchthelfer gegenüber. Seghers verzichtet dabei auf ein eindimensionales Gut-Böse-Schema;jede Romanfigur wird in ihren indivi-dual-psychologischen Merkmalen und Motiven gezeigt.
      Die Erkenntnis, dass vom Ãœberleben der Flüchtlinge alle Hoffnung auf eine humanere Zukunft abhängt, hebt Seghers mithilfe christlich-religiöser Symbole und Motive hervor. Besonders prägnant tritt dieses Erzählmittel im Leitmotiv der traditionell als heilig erachteten Zahl Sieben zutage: Nur der siebte Häftling Heisler überlebt die siebentägige, in sieben Romankapiteln berichtete Flucht; das letzte der titelgebenden »Sieben Kreuze« bleibt leer. Die spannende Fluchtgeschichte offenbart sich als Fort- bzw. Neuschreibung der Leidensgeschichte Christi; die Rettung seines weltlichen »Wiedergängers« Heisler symbolisiert die Sicherung der menschlichen Zivilisation.
      Wirkung: Das siebte Kreuz gehört zu den international erfolgreichsten, früh in viele Sprachen übersetzten Bestsellern der Exilliteratur . Nach 1945 trug der viel gelesene, in Ost und West kontrovers diskutierte Roman zur Aufklärung über den Nationalsozialismus und seine Ursachen bei. Das siebte Kreuz hatte auch weit reichenden Einfluss auf das literarische Programm des sozialistischen Realismus.

Hauptfiguren in »Das siebte Kreuz« von Anna Seghers
Georg Heisler: Der KZ-Flüchtling ist ein junger, willensstarker, ungebrochener Mann. Nicht ohne charakterliche Schwächen, verkörpert er den einfachen, bodenständigen Menschen und undogmatischen Kommunisten, der dem nationalsozialistischen Regime aus Zivilcourage Widerstand leistet. EIN Heisler: Heislers Ehefrau weigert sich hartnäckig, ihren Ehemann zu verraten, und trägt so maßgeblich zum Gelingen seiner Flucht bei.
      Paul Röder: Der lebenslustige, offenherzige Arbeiter versteckt seinen Jugendfreund Heisler, ungeachtet der Gefahren für seine Familie, bei sich und fördert seine Flucht.
      Franz Marnet: Der introvertierte Fabrikarbeiter war ein Freund Heislers, bevor dieser Marnets Verlobte Elli verführte. Trotz ihres Zerwürfnisses sucht und unterstützt er den fliehenden Heisler.
      Wallau: Der Anführer der KZ-Flüchtlinge ist ein väterlicher Freund und Lehrer Heislers; er ist im KPD-Führungskader und ein vorbildlicher Antifaschist, der noch angesichts seiner Hinrichtung erbitterten Widerstand leistet.
      Fahrenberg: Der mensehenveraehtende, sadistische KZ-Kommandant lässt die Entflohenen aus Angst, seine Macht einzubüßen, verfolgen und hinrichten.

      Transit
Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Emigrationserlebnisse schildert der Roman von Anna Seghers auf bewegend-dokumentarische Weise die tragischen Lebens- und Schicksalswege der Verfolgten des Nationalsozialismus im besetzten Frankreich des Jahres 1940/41. Transit überzeugt gleichermaßen als politische Stellungnahme gegen den faschistischen Terror wie als Klage über die seelisch-existenziellen Folgen der Vertreibung ins Exil. Inhalt: Im Mittelpunkt von Transit steht - wie in dem ersten Roman der Autorin über die Zeit des Nationalsozialismus Das siebte Kreuz - ein junger deutscher Arbeiter, der aus einem Konzentrationslager nach Frankreich fliehen kann, dort aus der Internierungshaft entkommt und in Paris untertaucht. Nach der Invasion deutscher Truppen im Sommer 1940 gelangt Seidler, wie sich der Deutsche nennt, zufällig in den Besitz der Habseligkeiten eines Toten, darunter ein gültiges Einreisevisum für Mexiko.
      Die Flucht führt den Protagonisten weiter nach Marseille, das damals Tausende Emigranten beherbergte, die von dort Europa Richtung Ãœbersee zu verlassen hofften. Im Gewimmel der Flüchtlinge, die sich verzweifelt und zumeist aussichtslos um Ausreisemöglichkeiten bemühen, lernt der Romanheld die junge Deutsche Marie kennen - die Ehefrau des Mannes, durch dessen Selbstmord Seidler mit Personalpapieren versorgt wurde. Seidler, der sich den Emigrantenkreisen gegenüber distanziert verhält, verheimlicht Marie den Tod ihres Ehemanns, wird jedoch ihr und ihrem Geliebten erfolgreich Visa und Schiffspassagen beschaffen. Seine eigene Ausreise bereitet Seidler trotz guter Aussichten allerdings nurmehr unzureichend vor: Er hat eingesehen, dass jede Weiterflucht sinnlos ist, taucht auf dem Land unter und schließt sich dem französischen Widerstand an. Das Emigrantenschiff, auf dem sich Marie befindet und das auch Seidler hätte befördern sollen, wird auf dem Atlantik versenkt.
      Aufbau: Wie Das siebte Kreuz wird auch der Aufbau von Transit maßgeblich durch Seghers' ausgefeilte Episodentechnik bestimmt, die eine umfassende und überzeugende Darstellung der Existenzbedingungen in der Emigration ermöglicht. Um den Protagonisten und Ich-Erzähler gruppiert die Verfasserin eine Vielzahl von Figuren, deren tragische Einzelschicksale zusammengenommen alle Facetten des »Lebens auf der Flucht« widerspiegeln. Dabei konzentriert sich Seghers einerseits darauf, das Elend der Emigration als unmittelbare Folge des europäischen Faschismus, vor allem des deutschen Nationalsozialismus, anzuklagen. Andererseits veranschaulicht die Autorin auf diese Weise, dass der Gang ins Exil für die Betroffenen - neben allen materiellen Nöten -zugleich den unumkehrbaren Verlust ihrer bisherigen Identität bedeutet. Wie der Alltag der Emigranten von der menschenunwürdigen, meist erfolglosen Jagd nach rettenden Transit-Visa bestimmt ist, verformt sich das Dasein der Flüchtenden zunehmend zu einer ewig-vorläufigen, sinnbildlich »transitorischen« Existenz, die die Grenzen der eigenen Persönlichkeit schließlich unaufhaltsam verwischt. Wirkung: Der 1944 auf Englisch, 1945 auf Spanisch und erst 1948 auf Deutsch erschienene Roman gilt bis heute neben Neben Bertolt -» Brechts Flüchtlingsgesprächen und Klaus —» Manns Der Vulkan als eines der authentischsten und eindringlichsten Werke der Exilliteratur. Als Symbiose von antifaschistischem Engagement, dokumentarisch vermittelter Augenzeugenschaft und künstlerischer Ambition trug Transit maßgeblich zum Renommee von Anna Seghers bei.


Seghers, anna (d.i. netty reiling)

Geb. 19.11.1900 in Mainz, gest. 1.6.1983 in Berlin S. entstammte einer Familie von Kaufleuten aus dem Rheinhessischen; die Eltern Reiling gehörten zur orthodoxen Israelistischen Religionsgemeinde in Mainz, ihre einzige Tochter erhielt eine traditionelle jüdische Erziehung. An der Universität Hei .....
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Anna schuller-schullerus - dramatik

Wenn man dokumentarisch untermauerte Werturteile zum Publikumserfolg des dramatischen Erstlings der Anna Schuller-Schullerus Am zwin Krezer diachronisch vergleicht, so wird die Behauptung Karl Kurt Kleins belegt, sie habe 'nicht nur die besten mundartlichen Erzählungen geschrieben, sondern auch das .....
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Annalen

Annalen sind eine frühe Form der Geschichtsschreibung, in denen geschichtliche Abläufe schon im Altertum nach Jahren aufgeteilt wurden. .....
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Hanisch, hanna

Gedanken im Baum Roesch, Claudia H. In: Bild des Kindes, 1989, S. 95 - 98. .....
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Karsch, anna louisa

An den Domherrn von Rochow Schostack, Renate. In: Frankfurter Anthologie 5, 1980, S. 39 - 43. Belloisens Lebenslauf Becker-Cantarino, Barbara. In: Gesellige Vernunft, 1993, S. 13 - 22. Mein Lied wollt ich Dir senden Schultze, Johannes. In: Der Bär von Berlin, 1956, S. 77 - 81. .....
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Arendt, hannah

Die Sprache ihrer philosophischen und poetischen Heimat blieb Deutsch. Französisch war die Sprache des ersten Exils wie später Englisch die ihrer zweiten Staatsbürgerschaft, während sie die Werke ihrer politischen Philosophen im griechischen und lateinischen Original las. Bereits ihre Sprachenviel-t .....
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Seneca, lucius annaeus

Neben Marc Aurel ist S. das andere Beispiel für die so unwahrscheinliche Verwirklichung der Utopie Piatons, die Staatslenker sollten Philosophen, die Philosophen Staatslenker sein. Als Erzieher desjungen Nero leitet S. zusammen mit dem Gardepräfekten Sextus Aframus Burrus von 54 bis 59 die Geschicke .....
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Roman aus hitlerdeutschland« (i942) - anna seghers: »das siebte kreuz.

Drama der Flucht und der Menschenjagd Im Nachwort zur Ausgabe des Romans im Berliner Verlag Volk und Wissen in ebendem Jahr, da Anna Seghers aus dem mexikanischen Exil nach Deutschland zurückkehrte, 1947, vermißt Wieland Herzfelde die restlose Aufdeckung des »Teuflischen im Faschismus« und das » .....
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Kurt schwitters - an anna blume

O du, Geliebte meiner siebenzwanzig Sinne, ich liebe dir! — Du deiner dich dir, ich dir, du mir- — Wir? Das gehört nicht hierher. Wer bist du, ungezähltes Frauenzimmer? Du bist — bist du? — Die Leute sagen, du wärest — laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht. Du trä .....
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'gestaltungsversuche bei anna krüger

Mit Anna Krüger beginnt die neuere Didaktik der Kinder- und Jugendliteratur. Sie hat als erste in entschiedener Weise Kinder- und Jugendbücher als Klassenlektüre propagiert und dazu eine Methodik entwickelt, die in ihrem Buch 'Kinder- und Jugendbücher als Klassenlektüre" ausführlich dargestellt ist .....
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Spreitler, johanna

Biografie: ^25.10.1 in München. J. Spreitler wuchs in München auf. Sie studierte Amerikanistik und Germanistik in Regensburg und ist seit 1977 Gymnasiallehrerin. Seit 1990 kanalisiert sie die schulischen Literaturdefi- zite durch die aktive Produktion, bevorzugt die kurze Form mit erotischen, fant .....
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Anna seghers - die tendenz in der reinen kunst

Wenn man auf dieses Thema zu sprechen kommt, wird der Streit viel heftiger als irgendein anderer Streit in Kunstfragen. Warum? Weil er in jedem einen entscheidenden Punkt berührt. Auf der einen Seite erklären die Anhänger der 'Tendenzkunst", daß ein Kunstwerk nur Berechtigung habe, wenn es in den Ka .....
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Anna seghers - der wichtigste 'ismus

Der sozialistische Realismus wird bejahend oder polemisch von Menschen erwähnt, die in Verlegenheit kommen, wenn man sie genau fragt, was das ist. Die Sowjetschriftsteller handhaben auch diesen Begriff nicht wie ein Meßinstrument. Der Realismus eines Rabelais war anders als der eines Balzac. Fadej .....
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Seghers, anna (d. i. netty reiling)

Das Leben der S. erscheint gleichnishaft für das, »was in diesem Jahrhundert an deutscher Geschichte zu erleben, zu erleiden war« . Die junge Jüdin Netty Reiling wird nachhaltig geprägt durch ihre Heimatstadt Mainz, die rheinhessische Landschaft und vor allem den Rhein; die Spuren dieses »Originalei .....
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