Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Schnitzler Arthur

Schnitzler Arthur - Leben und Biographie



Arthur Schnitzler ist einer der bedeutendsten österreichischen Autoren der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Im Zentrum seines literarischen Werks steht die Zersetzung der traditionellen Werte der bürgerlichen Wiener Gesellschaft des Fin de Siecle und der Zerfall der von ihr geprägten liberalen Ordnung. Mit skeptischer Ironie und psychologischer Akribie zeichnet er für die Epoche typische Figuren.

      Schnitzler wurde als Sohn eines angesehenen Wiener Laryngologen geboren und studierte selbst Medizin. Er arbeitete zunächst als Assistenzarzt, gab jedoch nach ersten literarischen Erfolgen den ungeliebten Beruf auf und lebte fortan als freier Schriftsteller. Im Cafe Grien-steidl lernte Schnitzler schnell anderejunge Autoren kennen, die bald als Literatengruppe »Jung-Wien« bekannt wurden.
      Schnitzlers frühe Dramen waren noch dem Programm des sozialkritischen naturalistischen Tendenzstücks verpflichtet. In der Komödie Reigen führt er typische Gestalten der Wiener Gesellschaft vor, die in einem Liebesreigen miteinander verknüpft werden und die erstarrten Verhältnisse ihrer Zeit vorführen. In späteren Dramen wandte sich Schnitzler der Analyse von Handlungen und Denkgewohnheiten seiner Figuren zu und dokumentierte den Zerfall traditionell bürgerlicher Werte [Das weite Land, 1911; Professor Bernhard!, 1912). Sein erzählerisches Werk ist einerseits dem Realismus, andererseits einer Erzähltechnik der Verinnerlichung verpflichtet, wie sie Marcel -> Proust und James -»Joyce verwendeten.

      Lieutenant Gustl
Mit Lieutenant Gustl führte Arthur Schnitzler die literarische Technik des inneren Monologs in die deutsche Literatur ein. Indem er den Gedankenstrom seines Helden minutiös aufzeichnet, gelingt es ihm, dessen existenzielle Krise mit subjektiver Unmittelbarkeit gleichsam von innen heraus darzustellen. Inhalt: Nach einem Konzert kommt es vor der Garderobe zu einem Gedränge, bei dem sich Lieutenant Gustl von einem ihm bekannten Bäckermeister beleidigt sieht. Da sich derjunge
Offizier in seiner Ehre verletzt fühlt, der Handwerker aber nicht »satisfaktionsfähig« ist, glaubt Gustl, nur durch einen Selbstmord seine Ehre wiederherstellen zu können. Seine Verzweiflung treibt ihn durch halb Wien bis in den Pra-ter, wo er auf einer Bank die Nacht verbringt. Als er am Morgen in seinem Stammkaffeehaus zufällig vom Tod des Bäckermeisters erfährt, der in der Nacht einem Schlaganfall erlegen ist, sieht er keinen Grund mehr, sich umzubringen. Struktur: Die Geschichte wird aus derlnnenper-spektive des Lieutenant Gustl erzählt. Die äußere Wirklichkeit spiegelt sich nur im Bewusstsein des Helden wider. Selbst die wenigen Sätze, die gesprochen werden - von Gustl, dem Bäckermeister und dem Kellner -, sind in Gustls Gedankenstrom eingebettet und lösen bei ihm neue Gefühle und Gedanken aus. Gustls Monolog auf seinem nächtlichen Weg in den Prater wird von Assoziationsketten beherrscht, die einen tiefen Einblick in das Denken und Fühlen des jungen Mannes gewähren. Ständig wechseln Erinnerungsfetzen mit Vorurteilen und eingedrillten Redensarten. Dementsprechend folgenlos bleibt Gustls »existenzielle Krise«. Nach dem Tod des Bäckermeisters nimmt er sein Alltagsleben wieder auf, als wäre nichts geschehen. Wirkung: Angehörige der k.u.k.-Armee fühlten sich durch Schnitzlers Erzählung verunglimpft, woraufhin dem Autor sein Reserveoffiziersrang aberkannt wurde.
      Erzähltechnisch eröffnete die Einführung des inneren Monologs der deutschen Literatur neue Darstellungsmöglichkeiten, die später z.B. von Alfred -> Döblin und Thomas -^Mann genutzt wurden. Schnitzler selbst schrieb mit Fräulein Else 1924 noch einmal eine Monolognovelle, in deren Zentrum diesmal die Seelennöte einer jungen Frau standen.
      Die wichtigsten Bücher von Arthur Schnitzler
Sterben 1895 Schnitzlers erste längere Erzählung ist eine psychologische Studie über die Veränderung einer Liebesbeziehung angesichts der tödlichen Krankheit des männlichen Partners.
      Lieutenant Gustl, 1900 Das Werk ist die erste deutschsprachige Novelle, die durchgehend als innerer Monolog des Protagonisten verfasst ist.
      Der Weg ins Freie, 1908 Der Roman ist ein Panorama der bürgerlichen Wiener Gesellschaft der Doppelmonarchie kurz vor der Jahrhundertwende.
      Casanovas Heimfahrt, ms Der alternde Frauenheld, ein Casanova, der sich seine Liebesstunden erschwindeln muss, steht im Mittelpunkt dieser Erzählung.
      Fräulein Else 1924 Um ihren Vater vor dem Gefängnis zu bewahren, soll sich Else dem alten Herrn von Dorsday hüllenlos zeigen; daran geht sie zugrunde.
      Traumnovelle 1926 Ein junges Ehepaar gesteht sich gegenseitig seine erotischen Fantasien und findet nach zahlreichen Abschweifungen wieder zueinander.
      Spiel im Morgengrauen 1927 Im Zentrum steht ein junger Leutnant, dem seine Spiel leidenschaft zum Verhängnis wird. Schnitzler zeigt die Aushöhlung des militärischen Ehrenkodex und des bürgerlichen Liebesideals durch das Geld.
      Therese 1928 Das trostlose Leben eines Wiener Kindermädchens schildert Schnitzler in seiner »Chronik eines Frauenlebens«, die zu seinem Alterswerk zählt.
      Der Weg ins Freie
Der erste Roman von Arthur Schnitzler ist eine eingehende Diagnose der psychischen, sozialen und politischen Befindlichkeit der Wiener Gesellschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Er verbindet eine Liebesgeschichte mit einer facettenreichen Darstellung des komplexen Themenbereiches Judentum und Antisemitismus im Wien der Jahrhundertwende. Inhalt: Die Hauptfigur des Romans ist ein talentierter junger Komponist namens Freiherr Georg von Wergenthin. der sich in die kleinbürgerlich-katholische Musiklehrerin Anna Rosner verliebt und mit ihr ein Verhältnis eingeht. Georg steht jedoch in der Ã-ffentlichkeit nicht zu ihr und denkt auch nicht an eine spätere Heirat. Als Anna schwanger wird, unternehmen sie eine längere Reise in den Süden und kehren erst zur Entbindung nach Wien zurück. In einem eigens dafür gemieteten Häuschen am Stadtrand bringt Anna ein totes Kind zur Welt. Georg ist erschüttert, nimmt aber nur kurze Zeit später ein Engagement als Kapellmeister in einer deutschen Provinzstadt an und trennt sich von Anna, wohl für immer.
      Diese Geschichte ist eingebettet in eine Schilderung der Wiener Gesellschaftskreise, in denen Georg hauptsächlich verkehrt, mit Künstlern und Intellektuellen sowie Angehörigen des niederen Adels und des liberalen Großbürgertums. Da viele seiner Freunde und Bekannten Juden sind, wird er ständig mit der so genannten Ju-denfrage konfrontiert, wobei die einzelnen Personen des Romans das ganze Spektrum möglicher Antworten, vom Zionismus übeT ein selbstbewusstes Bekennertum bis hin zur vollständigen Assimilation, vorleben und vertreten. Aufbau: Schon bald nach Erscheinen des Romans wurde Schnitzler von dem dänischen Kulturhistoriker Georg Brandes mit der Frage konfrontiert, ob er »nicht zwei Bücher geschrieben« habe. Brandes fand, dass die Liebesgeschichte »in nicht notwendiger Beziehung« zu der durch den Antisemitismus entstandenen neuen Lage der jüdischen Bevölkerung Wiens stehe, denn Georgs Geliebte sei keine Jüdin. Schnitzler selbst hat versucht, diese Doppelroman-Theorie zu entkäften, indem er auf die Parallelen zwischen Wergenthin und anderen Romanfiguren hinwies. Für den Einwand von Brandes spricht allerdings auch die ErzählpeTspektive: Das Geschehen wird überwiegend aus dem Blickwinkel der Hauptfigur dargesellt, deren Gefühle und Gedanken oft in erlebter Rede dargestellt sind, während die Probleme und Nöte der jüdischen Figuren vorwiegend von außen gesehen werden. Die Verschränkung der auto-biografisch geprägten Liebesgeschichte - 1897 brachte Schnitzlers Geliebte Marie Reinhard ein totes Kind zur Welt - mit der »Judenfrage« ist nicht zwingend, denn auch Wergenthin ist, im Gegensatz zu Schnitzler, kein Jude. Wirkung: Der Weg ins Freie ist neben dem Drama Professor Bernhardi Schnitzlers bedeutendste Auseinandersetzung mit dem Thema Judentum und Antisemitismus im Wien der Jahrhundertwende. Von den Zeitgenossen wurde die Erzählung aber vor allem als Schlüsselroman gelesen und löste Skandale aus. Schnitzlers hellsichtige Analyse des Wiener Judentums vor dem Ersten Weltkrieg findet seine Nachfolge in Romanen wie Gebürtig von Robert Schindel , Suche nach M. von Doron Rabinovici und Die Vertreibung aus der Hölle von Robert -^Menas-se, die sich mit der Lage der Wiener Juden nach dem Holocaust auseinander setzen.


Die philosophie arthur schopenhauers (i788-i860)

Neben Feuerbach dürfte Arthur Schopenhauer die Weltanschauung des Bürgertums und auch die Programmalik und Theorie des Bürgerlichen Realismus nachhaltig beeinflusst haben. Entsprach die Philosophie Feuerbachs der Materialisierung des Denkens in Absetzung von einem spekulativen Idealismus, so kamen d .....
[ mehr ]
Index » Bürgerlicher Realismus » Kulturphilosophische Voraussetzungen

Schnitzler, arthur

Geb. 15.5.1862 in Wien; gest. 21. 10.1931 in Wien In seinem für die Beziehung von Psychoanalyse und Sch.s Dichtung aufschlußreichen Glückwunschschreiben zum 60. Geburtstag des Dichters hat Sigmund Freud die Distanz zu seinem »Collegen« Seh. mit einer Art »Doppelgängerscheu« erklärt. Er schreibt daz .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachige autoren

Arthur schnitzler

Man wird feststellen müssen, daß der Begriff des Impressionismus formaler Art ist und daß sich konträre Weisen des Lebensgefühls in ihm verbergen können. Wie zuvor angedeutet, ist es üblich, auch den österreichischen Dichter Arthur Schnitzler in die Epoche des Impressionismus einzuordnen und von .....
[ mehr ]
Index » Die Novelle unter dem Einfluß des Impressionismus

Schnitzler, arthur

Fließen die Thränen Weinzierl, Ulrich. In: Frankfurter Anthologie 18, 1995, S. 99 - 102. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Schopenhauer, arthur

Auf die Sixtinische Madonna Maier, Hans. In: Frankfurter Anthologie 11, 1988, S. 109- 112. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Schopenhauer, arthur

Seh. war zusammen mit Friedrich Nietzsche der populärste deutsche Philosoph des 19. Jahrhunderts, obwohl oder besser weil dem großen Ruf eine gewisse Unkenntnis des Werks zugrunde lag, wie auch bei Nietzsche. Als Sohn eines Großkaufmanns und der später >berühmten< Schriftstellerin Johanna Seh. wächs .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Der »psychologische tiefenforscher« - arthur schnitzler: »der weg ins freie« (i908)

Spätzeit des Habsburgerreichs Aus der Schriftstellergruppe, die sich 1892 unter dem Namen »Jung Wien« eine Zeitlang zu einem friedlichen Wettbewerb zusammenschloß, gehen zwei überragende Autoren hervor: Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal. Mehr als die anderen repräsentieren sie die wiene .....
[ mehr ]
Index » Roman Chronik

Schnitzler, arthur

In seinem für die Beziehung von Psychoanalyse und S.s Dichtung aufschlußreichen Glückwunschschreiben zum 60. Geburtstag des Dichters hat Sigmund Freud die Distanz zu seinem »Collegen« S. mit einer Art »Doppelgängerscheu« erklärt. Er schreibt dazu: »Nicht etwa, daß ich so leicht geneigt wäre, mich mi .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

 Tags:
Schnitzler  Arthur    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com