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Rulfo, Juan - Leben und Biographie



Juan Rulfo gilt als einer der Stammväter der Autoren des »magischen Realismus« . Mit seinem Hauptwerk, dem Kurzroman Pedro Päramo, wirkte er epochemachend für die hispanoamerikanische Literatur.
      Während der Bürgerkriegswirren der Revolution geboren, verlor Rulfo 1926 kurz vor deren Ende durch Mord Vater und Großvater, reiche Gutsbesitzer. Wenig später starb seine verarmte Mutter, bald danach seine Großmutter, die ihn aufgenommen hatte. Rulfo fand Zuflucht in einem Waisenhaus französischer Nonnen in Guadalajara, ging dann 15-jährig nach Mexiko-Stadt, wo er sich, ohne Schulbildung, zunächst als kleiner Angestellter, dann mit verschiedenen publizistischen Tätigkeiten durchschlug. 1



  
   begann er den autobio-grafschen Roman Sohn der Untröstlichkeit. Ab 1945 veröffentlichte Rutfo Erzählungen, die er 1953 gesammelt herausgab . Themen dieser Anthologie sind die Grausamkeit des Bürgerkriegs und vor allem Armut, Hoffnungslosigkeit, Beengtheit und Bigotterie in den rückständigen Dörfern seines Heimatstaats Jalisco.
      Der große Erfolg kam für Rulfo mit dem 1953/54 verfassten kurzen Roman Pedro Pdramo, dem Bericht einer enttäuschenden Vatersuche. Ab 1962 war Rulfo höherer Beamter am Institut für die soziale Eingliederung der Indios und hörte auf zu publizieren.
      Pedro Päramo
Der relativ kurze Roman von Juan Rulfo gilt durch seine Verbindung einheimischer Erzähltraditionen mit den damals modernsten nordamerikanischen und europäischen Erzählformen unter dem Einfluss der Schnitt- und Montagetechnik des Films als epochemachend für die hispanoamerikanische Literatur. Inhalt: Pedro Pdramo beginnt als Ich-Erzählung eines Juan Preciado, der seiner arm in der Stadt verstorbenen Mutter gelobt hat, seinen Vater, den reichen Haziendero Pedro Päramo, in ihrem Heimatdorf aufzusuchen und seine Sohnesrechte einzufordern. Unterwegs erfährt er von dem Fuhrmann Abundio, einem seiner offenbar zahlreichen außerehelichen Halbbrüder, dass Pedro längst tot ist. Dorf und Hazienda sind verödet und verfallen. Eine seltsame Frau, die ihn empfängt und ihm als alte Freundin seiner Mutter von deren Enteignung durch Päramo sowie von der Adoption eines später bei seinem zügellosen Leben verunglückten Halbbruders erzählt, erweist sich ebenso als Tote wie eine zweite Frau, in der Juan seine einstige Amme erkennt und die ihm zeigt, dass das scheinbar menschenleere Dorf voll ruheloser Seelen ist. Er hört das Echo vergangener Ereignisse, die das rücksichtslose Handeln seines Vaters illustrieren und diesen als skrupellosen, egoistischen Großgrundbesitzer entlarven.
      Doch trifft der zunehmend schockierte und desorientierte Juan auch noch auf Lebende: ein inzestuöses Bruder-Schwestei-Paar, in dessen Haus er völlig verwirrt in ein Fieber fällt, bis er in der dritten Nacht hinauswankt und stirbt. Gefunden von der Bettlerin Dorotea, die ihre Träume von einem Sohn in ihm erfüllt glaubt und nun endlich sterben kann, wird Juan mit ihr von dem Bruder beerdigt. Im Grab führen die beiden Gespräche, lauschen anderen Toten und be-schwören Szenen herauf, in deren Zentrum ebenfalls direkt oder indirekt Pedro steht. Hintergrund: Die Geschichte Pedro Päramos umfasst die Zeit von etwa 1885 bis 1926 und fällt historisch mit dem Aufstieg und Fall der Gruppe zusammen, die er verkörpert: derHazi-enderos, die ihre Güter während der langen Diktatur von General Diaz auf Kosten der Kleinbauern und Indios vergrößert hatten, in den Revolutionskriegen aber verarmten oder - wie Rulfos Vater - ermordet wurden.
      Wirkung: Als Kunstwerk lebt Pedro Päramo von dem gespaltenen Verhältnis Rulfos zu seinem Vater. Als früh verwaister Sohn scheint er sich unbewusst mit ihm identifiziert zu haben; als der progressive städtische Intellektuelle aber, zu dem er geworden war, vermochte er nur den Dorftyrannen in ihm sehen, den es symbolisch zu töten galt.
     


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Rulfo,  Juan    





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