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Rousseau, Jean-Jacques - Leben und Biographie



Jean-Jacques Rousseau ist einer der wichtigsten französischen Schriftsteller und Philosophen des 18. Jahrhunderts. Er gilt als einer der ideellen Wegbereiter der Französischen Revolution und als einer der bedeutendsten Pädagogen der Neuzeit.
      Rousseau verlebte eine schwierige Kindheit. Der Sohn eines protestantischen Uhrmachers verlor seine Mutter kurz nach der Geburt. Der Vater gab seinen Sohn 1722 in die Obhut seines Onkels, der den Jungen zu dem Pfarrer Lamber-cier in Bossey zur Erziehung schickte. Sechzehnjährig verließ Rousseau seine Vaterstadt. 1732 ließ er sich bei seiner Gönnerin und späteren Geliebten Madame de Warens in Chamber/ nieder, die ihn veranlasste, zum katholischen Glauben zu konvertieren. Seine Bildung eignete Rousseau sich vor allem als Autodidakt an. Er betrieb Studien zur Philosophie, Theologie, Musik und zu Naturwissenschaften. Während seiner Wanderjahre , die ihn von Genf nach Italien und Frankreich führten, wurde er mit den tiefen sozialen Gegensätzen der herrschenden Gesellschaft konfrontiert. 1745 ließ sich Rousseau in Paris nieder, wo er im Kreis der Enzyklopädisten verkehrte. Durch seine in Dijon preisgekrönte Abhandlung über die Frage: Hat das Wiederaufleben der Wissenschaften und Künste zur Besserung der Sitten beigetragen?


wurde er über Nacht berühmt. Der sich immer weiter vertiefende weltanschauliche Gegensatz zu den Enzyklopädisten führte 1775 zum Bruch. 1762 entstand seine berühmteste politische Schrift Über den Gesellschaftsvertrag. Rousseau folgte einer Einladung von David Hume nach England, kehrte aber bereits 1767 nach Frankreich zurück. 1770 vollendete er sein Werk Die Bekenntnisse, in dem er sein Leben darstellte und deutete.
      Rousseau beeinflusste mit seiner Erziehungstheorie Pädagogen wie Johann Heinrich Pestalozzi und Friedrich Eröbel sowie mit seinen politischen Gedanken u.a. Immanuel -»Kant, ^Goethe und Friedrich -^ Schiller.
      Emile oder Über die Erziehung
Der Erziehungsroman Emile oder Über die Erziehung von Jean-Jacques Rousseau übte großen Einfiuss auf die Entwicklung der Pädagogik aus. Seine immense Wirkung verdankt das Buch der Kraft seiner Gedanken und Macht seiner Sprache. Der Erziehungsroman, den -> Goethe als das »Naturevangelium der Erziehung« bezeichnet hat, stellt den ersten großen und gleichzeitig unübertroffenen Entwurf des neuzeitlichen subjektivistischen Menschenverständnisses dar. Erzieherische Prinzipien Rousseaus wie entwicklungsgerechtes, erlebnis- und lustbetontes, spielerisches und aktives Lernen gehören auch heute noch zu den Grundlagen reformpädagogischer Ansätze.
      Inhalt: Rousseau entwickelt ein Modell einer natürlichen Erziehung. Ein Hauptanliegen seines Werks ist die Lebensreform, die Erneuerung des Menschen und der Gesellschaft. Nach Rousseaus Ansicht wird die Gesellschaft insgesamt eine bessere, sprich menschlichere, wenn man den Einzelnen entsprechend erzieht. Es gibt drei Erzieher, die Natur , die Dinge und die Menschen . Grundlagen seiner Erziehungstheorie sind der Glaube an das Gute im Menschen und an die Existenz von Entwicklungsperioden des Kindes mit je eigenen Gesetzmäßigkeiten.
      Rousseau unterscheidet vier Entwicklungsperioden: Säugling bzw. Kleinkind , Kindesalter , Knabenalter und Jünglingsalter . Im »Glaubensbekenntnis des savoyardischen Vikars« definierl Rousseau seine religiöse Idee eines Menschen, der im Naturzustand nicht sündig ist, keine religiösen Dogmen und Konfessionen kennt und für den Gott in der Natur allgegenwärtig ist. Eine Kurzfassung der im gleichen Jahr wie £m/7eerschienenen Schrift Über den Gesellschaftsvertragist als Quintessenz der Bildung des Bürgers Emile im 5. Buch zu finden. An die Reisen, auf denen seine politische Bildung reift, schließt sich Emiles Hochzeit an, für Rousseau Ausgangspunkt einer Abhandlung über die weibliche Erziehung.
      Wirkung: In Frankreich eher kritisiert, hatte Rousseau in Deutschland großen Einfiuss auf den Idealismus. So wurde der »Naturmensch« als Ideal des Sturm und Drang angesehen, der aus einer Protesthaltung gegen die nüchterne Aufklärungsphilosophie und den zivilisierten Gesellschaftsmenschen philosophierte.
      Rousseaus Vorstellungen beeinflussten durch die Betonung des sensualistischen Anteils bei der Erziehung die Reformpädagogen des 19. und 20. Jahrhunderts in starkem Maße. Sie entwickelten seine erzieherischen Grundsätze weiter und gelangten zurHerausbildung toleranterer und psychologisch orientierter Methoden der Kindererziehung.
      Über den Gesellschaftsvertrag
Jean-Jacques Rousseau entwickelte in seiner Schrift Über den Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des politschen Rechts, dem Hauptwerk seiner gesellschaftskritischen Schriften, eine Lehre der Volkssouveränität. Er entwirft das Ideal einer freien gesellschaftlichen Vereinigung, in der jeder Bürger und sein Eigentum den ungeteilten Schutz des Staats genießen. Rousseaus Verteidigung des Gemeinwillens gegenüber dem absolutistischen Staat bildete die theoretischen Grundlagen der Französischen Revolution, zu deren wichtigsten Wegbereitern er zählte. Inhalt: In Über den Gesellschaftsvertrag, unterteilt in vier Bücher, fasst Rousseau den Staat als einen von freien Bürgern geschlossenen Vertrag auf, in dem sich die freiwillige Vereinigung der Einzelwillen zu einem Gesamtwillen vollziehe. Rousseau fordert eine Verfassung, in der die »natürliche und unveräußerliche Freiheit in Einklang mit dem Maß an Gewalt, das vom Wesen staatlicher Ordnung nun einmal nicht wegzudenken ist, zu bringen ist.«. Die Grund-läge rechtmäßiger Herrschaft kann laut Rousseau nur auf Übereinkunft gegründet werden. Wirkung: Rousseaus Sozialtheorie wurde von den aufgeklärten Vertretern von Großbürgertum und Adel abgelehnt, dagegen nahm die deutsche Aufklärung und vor allem die klassische deutsche Philosophie die sozialkritischen Anschauungen Rousseaus positiv auf. Auf die Rechtsphilosophien von Immanuel -> Kant, Johann Gottlieb Fichte , G.W.F. -> Hegel und Karl -^Marx übte er großen Ein-fluss aus. Obwohl Rousseau als Vertreter der Aufklärung für individuelle Freiheit und gegen den Absolutismus von Kirche und Staat eintrat, sahen einige Historiker in seiner Auffassung vom Staat als der Verkörperung des abstrakten Gemeinwillens und seiner Forderung nach striktem Einhalten politisch-religiöser Konformität den Ursprung totalitärer Ideologien.
      Die Bekenntnisse
Mit Die Bekenntnisse , die oftmals als das reifste Werk des Philosophen angesehen werden, begründete Jean-Jacques Rousseau die moderne Autobiografie. Offen stellte er sein ruheloses und widerspruchsvolles, von inneren Kämpfen und leidenschaftlichen Gefühlen geprägtes Leben dar und deutete es. Hierbei versuchte er sein Werk und seine Handlungsweise zu rechtfertigen und griff dabei energisch seine Feinde an. Die damalige Gesellschaft reagierte geschockt: Öffentliche Vorlesungen aus den Be-kenntnissenvirnden polizeilich verboten. Inhalt: Im ersten Teil des romanhaft angelegten Werks, das sich in zwölf Bücher gliedert, schildert Rousseau seine Kindheit und Jugend bis 1741. Er berichtet von der Zeit seiner Wanderschaft, beleuchtet seine Wünsche und Sehnsüchte und lässt den Leser seine Suche nach
Glück nachempfinden. Beeindruckend sind die Schilderungen des Landlebens. Neben der idyllischen Natur vermag Rousseau die erhabene Seite der Natur zu vermitteln: das Freie, Majestätische, die Welt der Berge, »die die Seele weitet«. Im zweiten Teil, der mit dem Eintritt in die Gesellschaft verbunden ist, schildert er seine große Enttäuschung. Der sozial- und zivilisationskritische Rousseau, der das höchste Glück des Menschseins in der individuellen Unabhängigkeit in einem naturverbundenen Leben sah, prangert die gesellschaftlichen Missstände an, die auf sein Schicksal einwirken. Einzige Lichtblicke sind die Flucht in die Natur, die Rousseau als ruhenden Pol und Lebensquell des Menschen betrachtete.
      Wirkung: Die Intensität der Versenkung in die eigene Persönlichkeit, wie sie in Die Bekenntnis-sezum Ausdruck kommt, sucht in der Literatur ihresgleichen. Mit seinem autobiografischen Roman, in dem Rousseaus emotional-subjektiver Ansatz mit großer Innigkeit und Lebendigkeit umgesetzt wird, wirkte er nicht nur auf die französische Literatur der Romantik, sondern prägte auch das Denken deutschsprachiger Geistesgrößen wie -> Goethe und -» Schiller, Johann Gottfried Herder und Immanuel-) Kant.


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