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Rosenroman



Der Rosenroman gehört zu den Meisterwerken des hohen Mittelalters. Seine allegorischen Denkformen bestimmten drei Jahrhunderte lang das literarische und geistige Leben Frankreichs. Er ist eine Geschichte über die Liebeskunst und die Allegorie einer Liebeseroberung. Das Schreiben in Sinnbildern, das ansatzweise schon im höfischen Roman auftaucht, wird zum bestimmenden und beispielsetzenden Prinzip des ganzen Werks .
      Entstehung: Während der erste Teil des Romans vonGuillaumedeLorrisfum 1215-um 1278) nur 4000 der insgesamt 22000 achtsilbigen Verse umfasste, griff Jean de Meung ungefähr 40 Jahre später das Werk auf und schrieb den größeren, von Inhalt und Gestus sehr verschiedenen zweiten Teil. Inhalt: Der erste Teil beginnt damit, dass ein Erzähler, um seiner Dame zu gefallen, von einem Traum berichtet, den er als Zwanzigjähriger hatte: Einem klaren Flusslauf folgend, ist er zu einem von einer hohen Mauer umgebenen Garten gelangt. Zehn Porträts allegorischer Negativfiguren bewachen gleichsam die Mauer. Als ihm die Müßigkeit ein Tor öffnet, befindet er sich »wahrhaft im irdischen Paradies«, inmitten der prächtig-lustvollen Feier von Positivfiguren wie Vergnügen, Fröhlichkeit, Höflichkeit, Schönheit u.a. In der verzaubernden Stimmung des Fests fällt sein Blick auf den Wasserspiegel jenes Brunnens, an dem Narziss sich einst mit tragischen Folgen in sein eigenes Antlitz verliebte. Der Erzähler aber - eingedenk des warnenden Beispiels - lenkt seine Aufmerksamkeit nicht aufsein Spiegelbild, sondern auf die duftenden Rosenbüsche am Grund des Brunnens, insbesondere aul'jene Rose, welche die Geliebte verkörpern wird. Vom Pfeil des Lie-besgotts getroffen, unterstellt sich der Verliebte der Fahne Amors und dem »Panier der Höfischheit«. Amor unterweist ihn in Frauendienst und Liebeskunst, doch einige »Hüter aller Rosensträuche« wie Widerstand, Vernunft, Scham, Keuschheit verhindern die Vereinigung der Liebenden und mit einer Klage über die schwindende Hoffnung des Träumenden bricht der erste Teil ab.

      Der zweite Teil stellt zwar gleich eingangs die Hoffnung auf ein gutes Ende in Aussicht, doch in Inhalt und Gestus ist nicht Amor, sondern neben der Allegorie der Natur besonders die Allegorie der Vernunft die bestimmende Kraft. In langen, mit literarischen und historischen Ex-empla gespickten Passagen stellt sie dem träumenden Erzähler immer wieder die Nichtigkeit der Liebe vor Augen . Der eigentliche Handlungsverlaufwird immer stärker überlagert von abschweifenden Betrachtungen . Den Höhepunkt bildet der Kampf um das Rosenschloss, den Amor letztlich gewinnen kann. Angst und Scham ergreifen die Flucht, und der schöne Empfang ermöglicht es dem Verliebten, Mahnungen der Vernunft zu vergessen. So gewinnt er die rote Rose. Der letzte Vers führt das Traumthema des Beginns zum Ende: »Dann wurde es Tag und ich erwache.«
Die Fortführung von Jean de Meung schließt somit thematisch und strukturell den Roman ab, wie ihn Guillaume de Lorris begonnen hatte, und doch sind die Prämissen des Romangeschehens gänzlich verändert: Während sich der erste Teil auf das Streben nach der Rose konzentriert und dies im Code höfischer Liebe als die Fiktion eines träumenden Subjekts darlegt, entfaltet der zweite Teil das Spektrum der zeitgenössisch aktuellen Philosophie. Wirkung: Der Rosenroman löste den ersten heftigen Meinungsstreit in der französischen Literaturgeschichte aus: Gab es einerseits christliche Deutungen des Werks, so riefen andererseits die erotische Kühnheit des Romans und das negative Frauenbild die schroffe Ablehnung der Dichterin Christine de Pisan und auch klerikaler Kreise hervor.
      1402 veröffentlicht Jean de Gerson , Theologe und Kanzler der Pariser Universität, eine der zahlreichen Abhandlungen gegen den »lasterhaften Rosenroman«; es konstituierte sich ein Ritterorden zur Verteidigung der Frauenehre. Doch all dies vermochte den Erfolg des Werks, von dem zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert allein 300 Handschriften erhalten sind, nicht mindern.
     

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