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Sprengung der Grenzen



Zunehmend kommt in das dichterische Subjekt Rimbauds eine Erregung, die in imaginäre Weiten drängt. Der Zwang zum unbekanntem läßt ihn, wie Baudelaire, vom sprechen. Engel bevölkern diese Höhe, die zugleich Abgrund der Niederlage ist, ein . Die Engel sind Licht- und Intensitätspunkte, aufblitzende und gleich wieder verschwindende Zeichen der Höhe, der Weite, eines nicht faßbaren Ãoberschusses; doch es sind Engel ohne Gott und ohne Botschaft. Schon an den Frühgedichten fällt auf, wie das Begrenzte in die Weite drängt. So in Ophelie. Diese Ophelia hat nichts mehr zu tun mit der Figur Shakespeares. Sie treibt den Fluß hinunter, aber ein ferner Raum öffnet sich um sie, mit Goldsternen, von denen geheimnisvoller Sang kommt, mit weitherstürzenden Bergwinden, mit der röchelnden Stimme der Meere, mit dem Schrecken des Unendlichen. Sie selbst ist überhöht zu einer immerwährenden Gestalt; mehr als tausend Jahre treibt sie im Fluß, mehr als tausend Jahre singt ihr Lied den Wahnsinn derer, denen die die Sprache verstörten.
      Dieses Ãoberhöhen der Nähe durch die Weite geht als dynamisches Schema durch das ganze Werk Rimbauds. Immer schneller erfolgt es, oft in einem einzigen Satz. Die Erregung wird dithyrambisch. . Es ist der wirre Tanz der Ziellosen, wie schon am Ende von Baudelaires Sept Vieillards. Die Weite überhöht schließlich nicht mehr, sondern zerstört. Das Prosagedicht Nocturne vulgaire leitet mit den Worten ein:

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