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Sinnliche Irrealität



Doch das Abmessen RiMBAUDScher Bildinhalte an der Realität kann nur heuristischen Wert haben. Sobald die Beobachtung tiefer dringt, muß sie erkennen, daß sie mit Begriffen wie und nicht mehr auskommt. Ein anderer Begriff scheint dafür tauglicher: sinnliche Irrealität. Wir meinen damit folgendes. Der deformierte Wirklichkeitsstoff spricht sehr häufig in Wortgruppen, von denen jeder Bestandteil sinnliche Qualität hat. Jedoch vereinigen derartige Gruppen sachlich Unvereinbares auf so abnorme Weise, daß aus den sinnlichen Qualitäten ein irreales Gebilde entsteht. Immer handelt es sich um anschaubare Bilder. Aber es sind solche, die nie dem leiblichen Auge begegnen würden. Sie überschreiten weit diejenige Freiheit, die dank den metaphorischen Grundkräften der Sprache schon immer der Poesie möglich war. ; ; : zwar mögen solche Bilder die in den Realitäten selbst vorhandenen Eigenschaften zuweilen zu schärferer Wirkung bringen, doch geht ihre Richtung nicht auf das Wirkliche, sondern folgt einer Zerstörungsdynamik, die, gleichsam stellvertretend für das unsichtbare , das Wirkliche selbst durch Verrücken seiner Gestaltgrenzen, durch Zusammenzwingen seiner Extreme, zum sinnlich erregten und erregenden Unbekannten macht. Die Realordnung verändern und doch im Sinnlichen bleiben, ist ein Verfahren auch älterer Dichtung. Bei Rimbaud gibt es zuweilen noch maßvolle Beispiele dafür. Eine rote Flagge heißt:

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