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Diktatorische Phantasie



Diktatorische Phantasie verfährt nicht wahrnehmend und beschreibend, sondern in unbeschränkt kreativer Freiheit. Die reale Welt bricht auseinander unter dem Machtspruch eines Subjekts, das seine Inhalte nicht empfangen, sondern selber herstellen will. Aus der Pariser Zeit ist eine mündliche Ã"ußerung Rimbauds überliefert: Man hat auf diese Ã"ußerung verwiesen, um die Malerei des 20. Jahrhunderts begreiflich zu machen . Mit Recht, denn in der Tat ist damit, wie mit Rimbauds Dichtungen, die moderne Malerei vorweggenommen, die nicht vom Gegenständlichen her gedeutet werden darf. Die absolute Freiheit des Subjekts will als sie selber ansichtig werden. Ohne Mühe läßt sich erkennen, in welchem Ausmaß Baudelaires noch theoretisch gebundene Ãoberlegung über die Phantasie die dichterische und künstlerische Praxis bis weit in das 20. Jahrhundert hinein vorbereitet hatte.
      Rousseau, Poe, Baudelaire sprachen von der schöpferischen
Phantasien und zwar schon so, daß das Gewicht der Formel auf dem kreativen Vermögen lag. Bezeichnend, daß Rimbaud diese Formel nun auch in ihrem Grundwort dynamisiert. Er spricht vom schöpferischen Impuls>, in einem Satz, der wie eine Zusammenfassung seiner Ã"sthetik ist: . Der künstlerische Impuls hinterläßt ein verzerrtes, unvertrautes Gesicht der Welt. Er ist ein Gewaltakt. Ein Schlüsselwort Rim-BAUDScher Texte lautet: grausam {atrocE).
      Die diktatorische Phantasie verkehrt die Raumordnung. Wenige Beispiele: Kutschen fahren auf dem Himmel, in der Tiefe eines Sees liegt ein Salon, über höchsten Berggipfeln schwebt das Meer, Eisenbahnschienen laufen durch und über ein Hotel. Aber die Phantasie verkehrt auch das Normalverhältnis zwischen Mensch und Ding: . Sie setzt irreale Farben, nämlich solche, die den Sachen nicht zukommen, um so mehr aber sie verfremden, und dies nun als Erfüllung jener BAUDELAiRESchen Wünsche: blaue Kresse, blaue Stute, grüne Pianisten, grünes Lachen, grüner Azur, schwarze Monde. Die in die Weite drängende Phantasie pluralisiert Dinge, die es nur in der Einzahl gibt: die Ã"tnas, die Floridas, die Malströme. Sie werden dadurch sinnlich intensiviert, zugleich jedoch dem Realen entzogen. Diesem Verfahren entspricht der andere Hang Rimbauds, einzelnes jeder lokalen wie sonstigen Begrenzung zu entheben durch das summierende :

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