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RIMBAUD



Einleitende Charakteristik
Ein Leben von siebenunddreißig Jahren; ein im Knabenalter beginnendes Dichten, das nach vier Jahren abbricht; der R
est, bei völligem literarischen Schweigen, ein unruhiges Umherreisen, das am liebsten bis nach Asien vorgedrungen wäre, sich aber mit dem Nahen Osten und Zentralafrika begnügen mußte, a [ ... ]
Desorientierung
Die Wirkung solchen Dichtens ist verwirrend. J. Riviere schrieb 1920 über Rimbaud: Der Satz ist auch insofern richtig, als er in Rimbaud eine Sendung erkennt. Das bestätigt ein an Riviere gerichteter Brief Claudels, worin dieser von seiner ersten Lektüre der Illuminations spricht und fortfährt: Ge [ ... ]
Die Voyant-Briefe (leere Transzendenz, erstrebte Abnormität, dissonantische )
1871 schrieb Rimbaud zwei Briefe, in denen er das Programm künftigen Dichtens entwarf. Das Programm deckt sich mit der zweiten Phase seines eigenen Dichtens. Da die Briefe um den Begriff des Sehers (voyant) kreisen, hat man sich daran gewöhnt, sie die Voyant-Briefe zu nennen (S. 2518). Sie bestätige [ ... ]
Traditionsbruch
Die Revolte dieses Programms, aber auch der Dichtungen selbst, richtet sich zugleich nach rückwärts und wird Zertrümmerung der Tradition. Zwar weiß man von der Lesegier des Knaben und Jünglings Rimbaud. Seine Verse sind voller Anklänge an zeitgenössische und frühere Autoren des 19. Jahrhunderts. Doc [ ... ]
Modernität und Stadtpoesie
Ein Text wie dieser zeigt Rimbauds Verhalten zur Modernität. Es ist zwiespältig wie bei Baudelaire : Widerwillen gegen die Modernität, sofern sie materieller Fortschritt und wissenschaftliche Aufklärung ist; Ergreifen der Modernität, sofern sie neue Erfahrungen bringt, deren Härte und Nacht ein hart [ ... ]
Aufruhr gegen christlichen Erbzwang:
Dann die Frage nach Rimbauds Christentum. Kein ruinöses Christentum mehr wie bei Baudelaire. Die Texte zeigen, daß er beim Aufruhr beginnt und mit der Marter endet, dem christlichen Erb- zwang nicht entrinnen zu können. Gewiß ist das immer noch weit christlicher als Gleichgültigkeit oder als aufg [ ... ]
Das künstliche Ich; die Enthumanisierung
Das Ich, das aus Rimbauds Dichtungen spricht, läßt sich so wenig von der Person des Autors her begreifen wie das Ich der Fleurs du Mal. Die Erfahrungen des Knaben und des Jünglings können zwar zu manchen psychologischen Erklärungen der Texte herangezogen werden, wenn man dazu Lust hat. Aber für die [ ... ]
Sprengung der Grenzen
Zunehmend kommt in das dichterische Subjekt Rimbauds eine Erregung, die in imaginäre Weiten drängt. Der Zwang zum unbekanntem läßt ihn, wie Baudelaire, vom sprechen. Engel bevölkern diese Höhe, die zugleich Abgrund der Niederlage ist, ein . Die Engel sind Licht- und Intensitätspunkte, aufblitzende [ ... ]
Le Bateau ivre
Hier ist nun von Rimbauds berühmtestem Gedicht zu sprechen, vom Bateau ivre (1871). Er schrieb es ohne Kenntnis der exotischen Meere und Länder, die darin aufleuchten. Man hat angenommen, daß er zu solchen Bildern angeregt wurde durch illustrierte Zeitschriften. Das mag zutreffen, unterstützt aber n [ ... ]
Zerstörte Realität
Man wird gewiß keine Dichtung, am wenigsten lyrische, danach bewerten wollen, wieweit ihre auf die äußere Realität bezogenen Bildinhalte nun auch genau und vollständig sind. Schon immer war es die Freiheit der Dichtung, Reales zu verschieben, umzuordnen, andeutend zu verkürzen, ausweitend zu dämonis [ ... ]
Intensität des Häßlichen
Solche Realitäten werden auf keine Mitte mehr zugeordnet, in der ein Ding, ein Land, ein Wesen das Maß für die übrigen abgäbe. Sie sind Hitzespuren einer fiebrigen Intensität. Mit irgendwelchem Realismus hat ihre Darstellung nichts gemein. Als Intensität ist auch die Häßlichkeit zu verstehen, die Ri [ ... ]
Sinnliche Irrealität
Doch das Abmessen RiMBAUDScher Bildinhalte an der Realität kann nur heuristischen Wert haben. Sobald die Beobachtung tiefer dringt, muß sie erkennen, daß sie mit Begriffen wie und nicht mehr auskommt. Ein anderer Begriff scheint dafür tauglicher: sinnliche Irrealität. Wir meinen damit folgendes. D [ ... ]
Diktatorische Phantasie
Diktatorische Phantasie verfährt nicht wahrnehmend und beschreibend, sondern in unbeschränkt kreativer Freiheit. Die reale Welt bricht auseinander unter dem Machtspruch eines Subjekts, das seine Inhalte nicht empfangen, sondern selber herstellen will. Aus der Pariser Zeit ist eine mündliche Ã"ußerun [ ... ]
Les Illuminations
Von hier aus lassen sich Les Illuminations charakterisieren. In bezeichnender Mehrdeutigkeit heißt der Titel sowohl wie . Eine inhaltliche Gliederung des Werks ist nicht möglich. Rätselhafte Bilder und Vorgänge ziehen vorüber. In der Sprache wechseln Trunkenheit und harte Brüche, eintönig insistier [ ... ]
Einblendungstechnik
Vielleicht gehört zu den Illuminations das Gedicht Marine; die letzten Herausgeber haben es darin aufgenommen (S. 188). Es stammt aus dem Jahre 1872 und ist in Frankreich das erste Beispiel des völlig freien Verses: zehn Verse von jeweils anderer Länge, reimlos und ohne geregelte Abfolge männlich [ ... ]
Abstrakte Dichtung
Die diktatorische Phantasie der Illuminations kann bis zur Absurdität führen. So in Apres le deluge (S. 167): ein Hase im Klee spricht durch ein Spinnennetz hindurch sein Gebet zum Regenbogen; Madame stellt ein Klavier in den Alpen auf... Die Phantasie kann zum Taumel der Bildfetzen werden, so in Ma [ ... ]
Les Ponts
Des ciels gris de cristal. Un bizarre dessin de ponts, ceux-ci droits, ceux-lä bombes, d'autres descendant en obliquant en angles sur les premiers, et ces figures se renouvelant dans les autres circuits eclaires du canal, mais tous tellement longs et legers que les rives, chargees de domes, s'abaiss [ ... ]
Die Brücken
Kristallgraue Himmel. Ein bizarres Gebilde von Brücken - die einen gerade, die andern bauchig, wieder andere schiefwinklig auf die ersteren herabsteigend, und alle diese Figuren wiederholen sich in den anderen beleuch- teten Windungen des Kanals - alle aber derart lang und leicht, daß die dom-bel [ ... ]
Monologische Dichtung
Seit 1871 wurde die Dichtung Rimbauds zunehmend zu einem Monolog. Von einigen Stellen der Prosawerke sind Entwürfe erhalten. Vergleicht man sie mit den endgültigen Fassungen, so ergibt sich, in welcher Richtung Rimbaud veränderte. Die Sätze werden noch knapper, das Ãoberspringen von Zwischengliedern [ ... ]
Bewegungsdynamik und Sprachmagie
Das Spannungsgeflecht einer RiMBAUDschen Dichtung kömmt durch Energien zustande von der Art, wi,e die Musik sie kennt. Dabei liegt die Analogie zur Musik weniger in den Klangfiguren als vielmehr im Ablauf der Intensitätsgrade, in den absoluten Bewegungen von Anstieg und Abstieg, im Wechsel zwische [ ... ]
Abschließendes Urteil
J. Riviere schreibt in seinem RiMBAUDbuch (das noch heute durch kein besseres ersetzt ist): Es ist die Größe Rimbauds, das Chaos, das er, scheiternd vor dem , zur Stellvertretung des hervorrief, in eine Sprache von geheimnishafter Vollkommenheit übergeführt und künstlerisch bewältigt zu haben. Er [ ... ]

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