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Richardson, Samuel - Leben und Biographie



Samuel Richardson gilt als der Begründer des sentimentalen Briefromans und hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Literatur. Seine moralisierenden Werke waren seinerzeit ein großer Erfolg, lösten aber auch kontroverse Diskussionen aus.
      Richardson stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Er war der Sohn eines Tischlers und erhielt nur eine mäßige Schulbildung. 1706 begann er eine Ausbildung zum Buchdrucker und brachte es später zum erfolgreichen Druckereibesitzer und Verleger. Als solcher veröffentlichte er moralisierende Ratgeber, u.a ein Vademecum für Lehrlinge und eine eigens verfasste moralische Ausgabe der Fabeln von ^Ã"sop. Die moralisierende Tendenz von Richardson schlägt sich auch in seinen Romanen nieder. Als bereits 50-Jähriger verfasste er seinen ersten Roman, Pamela oder die belohnte Tugend, der aus einer Sammlung moralischer Musterbriefe für verschiedenste Lebenslagen entstanden war. Richardson wurde zur literarischen Persönlichkeit und konnte mit zwei weiteren Briefromanen, Clarissa oder Die Geschichte eines jungen Mädchens und Sir Charles Grandison , an seinen Erfolg anknüpfen.

     

Briefroman
Kennzeichen: Ein in Briefform von einem oder mehreren fingierten Verfassern erzählter Roman. Die Briefe werden zuweilen durch andere fingierte Zeugnisse wie Tage-buchnotizen oder durch Kommentare des fiktiven Herausgebers ergänzt. Herausbildung: Der Briefroman entstand im 18. Jahrhundert als Produkt der Empfindsamkeit. Mit seiner Entstehung ging die Aufwertung des Briefes als Medium der Kommunikation einher. Zahlreiche Veröffentlichungen von Briefstellern für jede Lebenslage spiegeln die Blüte der zeitgenössischen Briefkultur wider. Bereits vor Samuel Richardson wurden Briefromane veröffentlicht, die jedoch meist aus der Rückschau verfasst waren. Mit Pamela brachte Richardson das Element des »writing to the mo-ment« in den Briefroman ein und verlieh ihm damit seinen psychologisierenden Charak-ter. Durch die Niederschrift des unmittelbar Erlebten werden dem Leser direkte Einblicke in die Psyche des Verfassers gewährt. Der Leser hat Anteil am »spontanen« Gefühlsleben der Figur, was die Möglichkeit zur Identifikation erhöht, gleichzeitig aber die Perspektive des Lesers auf die des Briefeschreibers reduziert.
      Diese Technik setzte Richardson in seinem zweiten Briefroman Clarissa mehrperspektivisch fort. Sie wurde u.a. von Jean-Jacques -> Rousseau in seiner Nouvelle Heloise aufgegriffen. Auch Pierre Francois -> Choderlos de Laclos knüpfte in Gefährliche Liebschaften an Richardson an. In Deutschland erreichte der Briefroman nach dem Roman Fräulein von Sternheim von Sophie von La Roche mit -> Goethes Die Leiden des jungen Werthers einen Höhepunkt.
      Pamela oder die belohnte Tugend
Mit Pamela führte Richardson die psychologische Komponente in den Briefroman ein und setzte damit für die Gattung europaweit neue Maßstäbe. Die Reflexionen der Protagonistin erhalten mehr Gewicht als der äußere Handlungsablauf. Durch die Herausgeberfiktion im Vorwort des Romans verleiht Richardson ihnen größere Glaubwürdigkeit. Mit dem ebenfalls im Vorwort formulierten didaktischen Anspruch des Werks, der sich an beide Geschlechter richtet, stellt er die Fikton in den Dienst von Moral und Religion und orientiert sich an den Erbauungsbüchern seiner Zeit. Inhalt: Der Roman besteht aus einer Sammlung fiktiver Briefe, die die 15-jährige Heldin Pamela Andrews an ihre Eltern schreibt. Pamela stammt aus armen Verhältnissen und ist als Dienstmädchen im Haus des Landedelmanns Mr. B. tätig, der ihr nachstellt. Pamela jedoch geht tugendhaftes Verhalten über alles, und so blockt sie seine ungenierten Verführungsversuche mit verbaler Schlagfertigkeit oder vorgetäuschten Ohnmachtsanfällen ab. Selbst als Mr. B. sie auf ein Landgut entführen lässt und unter die strenge Bewachung von Mrs. Jewkes und Monsieur Colbrand stellt, gibt Pamela nicht nach. Erst als Mr. B. Pamelas Briefe entdeckt und sich beim Lesen ihrer strengen moralischen Haltung bewusst wird, entflammt er in echter Liebe zu ihr und lässt sie reumütig gehen. Nun wird auch Pamela sich ihrer Liebe zu Mr. B. bewusst, und die beiden heiraten.
      Struktur: Die Briefform des Romans verleiht der Handlung eine große Unmittelbarkeit, da sich erzählte Zeit und Erzählzeit sehr stark einander annähern. Da Pamela das Erlebte un-reflektiert aufschreibt, wird der Leser direkter Zeuge ihrer Emotionen und Reaktionen. Gleichzeitig ist sein Informationsstand über den äußeren Handlungsablauf und die beteiligten Personen auf die subjektiven Schilderungen der Protagonistin beschränkt. Nur vereinzelt greift der »Herausgeber« ein, um dem Leser zusätzliche Informationen zukommen zu lassen. Die Kenntnis der Gefühlswelt Pamelas verleiht dem Leser hinsichtlich des von ihr zu erwartenden Verhaltens einen Informationsvorsprung. Wirkung: Pame/cwurde sofort zum Bestseller. Das überwiegend weibliche Lesepublikum fand über der gefühlvollen Schilderung der weiblichen Psyche leicht zu einer Identifikation mit der Protagonistin und verzeichnete den Siegder Moral mit Genugtuung. Kritiker hingegen betrachteten Pamelas Verhalten als berechnende Heuchelei und verwiesen auf die Bedeutung von Sexualität, die in dem Roman omni-präsent sei. Ebenso richteten sie sich gegen eine Idealisierung bürgerlicher Verhaltensweisen durch Richardson, die er dem Sittenverfall des Adels gegenüberstell le.
      Die Kritik an dem Roman fand in der Parodie Shamela von Henry -> Fielding ihren umfassendsten Ausdruck. Die von Richardson geprägte Gattung des psychologischen Briefromans wurde von europäischen Schriftstellern wie Jean-Jacques -> Rousseau, Pierre Ambroise Francois -> Choderlos de Laclos sowie -> Goethe aufgegriffen und weiterentwickelt. Nicht zuletzt weist Pamela bereits auf den modernen Bewusstseinsroman von James -> Joyce und Virginia -»Woolf hin, in dem das Element der unmittelbar subjektiven Wirklichkeitserfahrung im Stream of consciousness zu höchster Ausformung gebracht wird.
     


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