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Ribeiro, Joäo Ubaldo - Leben und Biographie
Joäo Ubaido Ribeiro steht in der Tradition des Regionalismus. Der Bezug auf die Lebenswelt des brasilianischen Nordostens, auf ihre sozialen Konflikte, ihre sprachlichen und mythischen Traditionen, bedeutet keine provinzielle Beschränkung, sondern bietet die Grundlage für ein literarisches Werk von großer sprachlicher Ausdruckskraft und vital-sinnlichem Charakter.
Ribeiro studierte Jura in Brasilien sowie Politische Wissenschaften in den USA. Zu seinem Stil fand er mit dem Roman Sargento Getülio. In Vila Real -von Ribeiro als »kämpferische Erzählung« bezeichnet - vereint er archaisierende Sprache und mystisches NatUT-bild mit der Kritik an einem inhumanen Fortschritt. Der mystische Realismus von Vila Real und der fantastische Realismus von Brasilien, Brasilien , dem Roman über die vergessene und unterdrückte Geschich-te von Bahia, seinem Heimatstaat, belegen, dass Ribeiro zu den erfindungsreichsten und sprachlich vielseitigsten brasilianischen Autoren der Gegenwart gehört. Seine erzählerische Begabung und sein barock anmutender Sprachwitz trugen ihm den Beinamen »Rabelais Brasiliens« ein.
Im Roman Das Lächeln der Eidechse erzählt Ribeiro von den Folgen des unkontrollierten Einsatzes der Gentechnologie, in Das Wunder der Pfaueninsel zeichnet er das farbenprächtige Gemälde einer fiktiven Gesellschaft im 18. Jahrhundert.
Sargento Getülio
Mit dem Militärpolizisten Getülio hat Joäo Ubaldo Ribeiro eine Figur geschaffen, die in der Tradition der »Cangaceiros« im Sertäo steht, die u.a. bereits bei Joäo Guima-räes^Rosa {GrandeSertäo, 1956) literarisch benutzt wurden, im SaTgento Getülio jedoch ihren grausamsten Vertreter gefunden haben. Inhalt: Getülio, ein Mililärpolizist aus dem innersten Sertäo, dem trockenen Buschwald des Nordosten Brasiliens, ist beauftragt, einen politischen Gefangenen in die Provinzhauptstadt Aracajü zu überführen. Unterwegs ändert sich das politische Klima und der Sargento Getülio soll seinen Gefangenen freilassen. Seinem traditionellen Ethos verpflichtet, ist er jedoch entschlossen, den einmal begonnenen Auftrag auch auszuführen. Gegen den Widerstand der Regierungstruppen schlägt er sich mit seinem Opfer in einer grausam blutigen Reise nach Aracajü durch und kommt dort im Kugelhagel der Armee zu Tode.
Der gesamte Roman ist ein einziger manischer Monolog des Sargento Getülio. Er berichtet die Ereignisse ausschließlich aus seiner Perspektive, wobei mit der zunehmenden Ausweglosigkeit seiner Lage seine Allmachtsfantasien die Realität immer mehr in den Hintergrund drängen. Wirkung: Seine Vitalität bezieht Ribeiros Text aus der literarischen Verarbeitung gesprochener Sprache und der vorrationalen Denkweise der ländlichen Bevölkerung des brasilianischen Landesinneren. Wie wenige Romane zeigt Sargento Getülio die Tragik eines nicht mehr zeitgemäßen Verhaltens: Die ehemaligen Tugenden des Mannes aus dem Sertäo werden in der Pervertierung durch politisches Ränkespiel und durch seine Hilflosigkeit einer veränderten Zeit gegenüber zum Werkzeug der Grausamkeit und Folter einerseits und zur Ursache der Selbstzerstörung andererseits. Die Kritik hob an Sargento Getülio vor allem Ribeiros aggressiven Realismus hervor.
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