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Regine Ziegler - Leben und Biographie



Im Jahr 1864 als Schwester des späteren Malers Karl Ziegler in Schäßburg geboren, verbrachte Regine Ziegler ihre Kindheit teils in Schäßburg, teils in Arkeden, wohin ihr Vater als Pfarrer gewählt worden war. Ihren Lebenslauf, vorwiegend jedoch die Eindrücke ihrer Kindheit, hat sie später ausschnittweise in der autobiographischen Skizze Lebenslinien nachgezeichnet.
      Am Anfang unseres Jahrhunderts hielt sich die Dichterin längere Zeit in Deutschland auf, wo sie, wie ihren Tagebuchblättern aus Berlin zu entnehmen ist2, Vorlesungen u. a. bei Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, Erich Schmidt und Heinrich Wölfflin hörte. Zeitweilig, bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, lebte und wirkte sie als freischaffende Schriftstellerin. Sie starb 1925.

      Regine Zieglers dichterisches Gesamtwerk, das sich, neben den als Band erschienenen Produktionen, aus einer großen Anzahl von Gedichten und kurzen Prosaarbeiten zusammensetzt, liegt größtenteils noch ungesichtet in periodischen Schriften.
      Am gesellschaftlichen und künstlerischen Kommunikationsprozeß der Jahrhundertwende hat die Frauendichtung einen beachtlichen Anteil gehabt. Ihren Grundantrieb bildete die sogenannte Frauenfrage, die um 1900, in Anlehnung an ähnliche Erscheinungen auf europäischer Ebene, auch in sächsischen Kreisen zur Diskussion stand. Den Emanzipationsbestrebungen der Frau, die auf bedeutsame gesellschaftliche Verschiebungen abzielten, sind zum Teil Erscheinungsformen und Wirkungsmöglichkeiten der sächsischen Frauenliteratur zu verdanken.
      Regine Zieglers dichterische und journalistische Tätigkeit dokumentiert nicht bloß einen der ergiebigsten Versuche, das seichte Epigonentum, durch das ein großer Teil der Vor-Karpathen-Li-teratur gekennzeichnet war, zu überwinden, sondern zagleich auch einen merklichen Zuschuß an gesellschaftlicher Brauchbarkeit: 'Für mich ist diese ganze, tief in alle Lebensgebiete, nicht nur die der Frauenwelt einschneidende Bewegung eine Notwendigkeit, die aus dem Vergangenen ins Gegenwärtige hineinwachsen mußte und die mit ihren Zielen weit in die Zukunft hineingreift."
Im Werk der Dichterin, das sich leicht in drei Entwicklungsphasen — bis zum Krieg, während des Krieges und danach — gliedern läßt, hat die erste Schaffensperiode die größte künstlerische Bedeutung. Das ästhetische Anfangsniveau hat R. Ziegler weder in den kriegsbegeisterten Tiraden des Gedichtbandes Aus Sturm und Stille5, noch in der religiös gefärbten Dichtung der zwanziger Jahre wieder erreicht.
      Von dem sich anbahnenden künstlerischen Umbruch in der sächsischen Lyrik um die Jahrhundertwende legen die Verse ihres ersten Bandes, Gedichte, ein beredtes Zeugnis ab. Mit Recht hat man in diesen Dichtungen einen Protest, eine 'Absage an die gut sächsische Pfarrhausidylle" gesehen, und sie damit von jenen der Anna Schuller-Schullerus abgehoben. Tatsächlich bilden das 'Erlebnis großer Leidenschaft" und das 'Bedürfnis", die 'Ketten bürgerlicher Enge abzustreifen", den Grundton dieser Gedichte. In schwungvoller, mit lautstarkem Pathos geladener Sprache, die mitunter einen gemäßigten Expressionismus vorwegnimmt, werden die Lieblingsthemen der Jahrhundertwende abgehandelt: der Widerspruch zwischen Leben und Geist, die Entfremdungserfahrungen des geistig regen Menschen in ungesicherten sozial-politischen Verhältnissen sowie auch die Tendenz, jedwelche Zwangsvorschriften zu sprengen:

Laßt mich kämpfen, Heben, leiden —
Mit der vollen Kraft

Brause durch der Seele Tiefen
Echte Leidenschaft!

Laßt den Adlerflug mich wagen
Nach den Sonnenhöhn,

Müßt ich auch mit wunden Flügeln
Ringend untergehn.

     
   Die Frauenfrage, deren Behandlung auch diese Verse Wucht und Stärke des Ausdrucks, nicht minder aber auch ihr Pathos verdanken, bildet demnach meist nur den Rahmen für weiter gesteckte Ziele: 'Eines sollte man nicht vergessen: daß die Frauenbewegung nicht Selbstzweck ist, daß sie dem Ganzen dient..." n Der Emanzipationsprozeß der Frau konnte nicht losgelöst von umfassenderen gesellschaftlichen Strukturwandlungen betrachtet werden, von deren Realisierung er letzten Endes abhing. Um diese jedoch herbeizuführen, mußte, nach der Meinung der Autorin, mit überholten Denkgewohnheiten und Auffassungen abgerechnet werden:



Lieber ist mir ein Feuergeist

Der reich ist, ob er auch hungert,
Als der, wenn an vollen Tafeln er speist
Im Herzen als Bettler lungert.

     
   Aus diesem Grunde schwingt bei der Betonung der von der Natur gesetzten Grenzen der Weiblichkeit immer auch ein beachtliches Maß an Resignation mit:
Kannst doch nimmer dir selber entfliehen, Bist doch ein Weib geblieben.

     
   Diese vielversprechenden Ansätze wurden in der späteren Lyrik der Verfasserin nicht weiterentwickelt. Der zweite Gedichtband, Aus Sturm und Stille, bedeutet einen Rückfall in die lyrische Darstellungstechnik des vorigen Jahrhunderts. Die anfängliche Opposition, die auch Sprache und Bildwahl der Dichterin prägte, muß in dieser Gedichtsammlung der Zufriedenheit im vertrauten Lebensbezirk weichen.
      Bildungserlebnisse während des Berliner Aufenthalts führten zu Beginn des Jahrhunderts zu einer vorübergehenden Krise im Schaffen der Dichterin. Dies war der Anlaß zu Prosaversuchen. 1907 konnte die Dichterin zuversichtlich notieren: 'Ich habe zum erstenmal etwas in Prosa geschrieben: Die Öde, die nach dem elementaren Hervorbrechen der Lyrik folgte, ist überwunden."

   Ihre Prosaschriften sind eine deutliche Absage an die Totalitätsansprüche, die die sächsische Epik im 19. Jh. zum Teil stellte. Neben Tagebuchaufzeichnungen und selbstbiographischen Schilderungen handelt es sich vornehmlich um Bilder heimischer Lebensbereiche, »voll sanfter, weicher, einschmeichelnder Rhythmik, in denen die Linie wenig und die Farbe alles bedeutet" 15. Vor allem der von der Weimarer Schillerstiftun'g preisgekrönte Band Wenn Ähren reifen 16 besitzt einen unverkennbaren ästhetischen und dokumentarischen Wert. In impressionistischer Manier wird das sieben-bürgische Dorf in seiner landschaftlichen Eigenart und nationalen Mannigfaltigkeit wiedergegeben. Meist sind es idyllische Sonntagsbilder mit recht losen Beziehungen zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. In andern Erzählungen ist das gesellschaftliche Anliegen ausgeprägter. Mit Verständnis wird beispielsweise die Notlage eines unbemittelten rumänischen Hirten geschildert.

     
   Erwähnung verdienen, weil sie ein aktives kulturelles Wechselverhältnis zwischen Rumänen und Sachsen in jener Zeit belegen, jene Textstellen, in denen der rumänische Lebensbezirk gestaltetwird. Der Tanz der rumänischen Dorf Jugend etwa übte auf die Dichterin einen ungewöhnlichen Reiz aus. Ähnliche Sympathiebezeugungen, diesmal wieder für den rumänischen Hirten, findet man auch im Karpathenbild aus Siebenbürgen.

     
   Als angemessene Darstellungen einer für außenstehende Leser idyllisch-fremd anmutenden Welt fanden diese Prosaschriften vor allem im Ausland Anklang und Anerkennung. Doch jenseits dieser zeitgebundenen Wirkung besitzen sie unzweifelhaft dichterischen Wert. Sie dokumentieren in der Epik der Jahrhundertwende eine neue ästhetische Sehweise, eine bis dahin nicht praktizierte Art künstlerischer Aneignung heimischer Bereiche.
     


Ziegler, thomas

Pseud. für: Rainer Zubeil; auch unter den Pseud.: Helmut Horowitz, Tommy Z., Henry Quinn, , Robert Quint, John Spider Biografie: *18.12.1956. T. Ziegler arbeitete in diversen Berufen. Seit 1980 ist er freier Schriftsteller. Kriminalromane: 1988 Ãœberdosis, Bastei 19524; 1990 Koks und Karneval, Gold .....
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