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Radiguet, Raymond - Leben und Biographie



Das Werk von Raymond Radiguet zeichnet sich durch eine verblüffende inhaltliche und stilistische Frühreife aus. Der jung verstorbene Autor setzte den Surrealisten seiner Zeit - mit denen er viel Umgang hatte - den rational-nüchternen Stil der französischen Klassiker entgegen, um die menschliche Psyche darzustellen.
      Radiguets Vater war ein bekannter Karikaturist einer Pariser Zeitung. Durch ihn bekam er bereits mit 15 Jahren die Möglichkeit Gedichte zu veröffentlichen. Schnell wurde er in den Kreis der großen Künstler wie Guillaume -> Apollinaire, Andre -> Breton, Max Jacob , Ame-deo Modigliani und Pablo Picasso aufgenommen. Gemeinsam mit Jean -> Cocteau verfasste Radiguet die komische Oper Paul er Virginie . Seine eigene Oper Les Pelicans wurde 1921 uraufgeführt. 1923 erschien der Roman Der Teufel im Leib. Im selben Jahr wurde der Autor mit dem Preis der Neuen Welt ausgezeichnet. Radiguet führte ein zügelloses Leben und starb bereits 1923 kurz nach der Fertigstellung seines zweiten Romans Der Ball des Comte d'Orgel an Typhus. In beiden Romanen stellt er Probleme und Erscheinungsformen der Liebe dar. Im letzten Roman hatte der gerade 20-Jährige u.a. über das Alter geschrieben: »Jedes Alter trägt seine Früchte, man muss sie nur einzusammeln wissen«.

      Den Teufel im Leib
Mit der Darstellung eines minderjährigen Schülers, der mit einer jungen Frau, deren Mann an der Front kämpft, Ehebruch begeht und ein uneheliches Kind in die Welt setzt, verletzte Raymond Radiguet bewusst bürgerliche Tabus und Konventionen. Inhalt: Der 16-jährige Ich-Erzähler nimmt den Ersten Weltkrieg wie lange Sommerferien wahr; die Schule interessiert nicht, er schwänzt den Unterricht und verbringt viel Zeit mit der 19-jährigen Marthe. Diese hat er noch vor ihrer Hochzeit mit dem Soldaten Jacques kennen gelernt. Während Jacques an der Front kämpft, treffen sich die beiden in Marthes Wohnung. Es entwickelt sich schließlich eine enge Liebesbeziehung - sehr zum Entsetzen der Eltern und Nachbarn. Als Marthe schwanger wird, beschließen sie, dass Jacques nichts davon erfahren und das Kind als sein eigenes betrachten soll; ihnen ist klar, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Marthes Schwangerschaft verläuft mit Komplikationen, sodass sie sich in die Obhut ihrer Eltern begeben muss. Der Erzähler sieht sie nie wieder. Er erfährt von ihrem Tod und dass das Baby seinen Namen trägt. Struktur: Radiguet entwirft einen widersprüchlichen Ich-Erzähler, der seine erste Liebe einerseits als unschuldige, fast geschwisterliche Liebe, andererseits als berechnendes Machtspiel darstellt. Der Autor spielt mit dem Klischee der unschuldigen Jugend; er legt dem Erzähler eine rationale und kühle Erzählweise in den Mund. In seiner Argumentation ahmt Radiguet Moralisten wie Franeois de -^La Rochefoucauld nach. Auch verwendet er in spielerischer Weise moralistische Charaktertypen, deren Rollen der Erzähler abwechselnd einnimmt, z.B. die des Egoisten, der Marthe zum eigenen Nutzen manipuliert. Die »moralistische« Erzählung erhält einen ironischen Zug durch die Tatsache, dass Radiguet erst 17 Jahre alt war, als er den Roman schrieb, während die großen Klassiker Frankreichs ihre Schriften meist im gestandenem Alter verfassten.
      Wirkung: Kurz nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlicht, löste das Buch einen Skandal aus. Die Ã-ffentlichkeit sah die Gefühle der Kriegsveteranen verletzt und die französische Familie im falschen Licht dargestellt. Der Herausgeber des Romans und Jean ^Cocteau wussten Radiguet schlau zu vermarkten: Die Ausgabe trug eine rote Bauchbinde, die auf das Alter des Autors aufmerksam machte. Der Teufel im Leib wurde mehrmals verfilmt, u.a. 1947 von Claude Autant-Lara.

      Moralisten
Bedeutung: Der Begriff leitet sich aus dem französischen »moraliste« für Sittenlehrer und Moralphilosoph ab. Entstehung: Der Begriff stammt aus dem Frankreich des 17. und 18. Jahrhunderts -der Epoche des französischen Klassizismus - und bezieht sich in erster Linie auf die moralisch-engagierten Autoren dieserZeit. Diese wollten nicht predigen, wie der Mensch sein soll, sondern beschreiben, wie er ist. Sie verfassten geistreiche, künstle-risch-ausgefeilte Essays, Tagebücher, Aphorismen und Satiren über die Psyche und das soziale Verhalten des Menschen, auch Por-träts einzelner Charaktertypen . Ihre Einsichten sind meist pessimistisch-skeptischer Natur. Anwendung: In der Antike verfassten Theophrast , Seneca und -»Marc Aurel erste moralphilosophische Texte. Michel de -» Montaigne war Vorläufer der großen Moralisten wie Franeois de -> La Rochefoucauld, Jean de La Bruyere , Luc de Vauve-nargues und Sebastien Roch Nicolas de Chamfort . Deutsche Vertreter waren Georg Christoph -> Lichtenberg und Arthur-»Schopenhauer.
     


Ein beispiel aus den usa: raymond carver

Als Raymond Carver, der inzwischen berühmte und wohlhabende Autor von Short Storys und Gedichten, einmal gefragt wurde, warum er diese beiden Gattungen gewählt habe, stellte er ganz klar die Bedeutung des Geldes heraus. Von Anfang an habe es sein Schreiben beeinflusst und der Mangel an Geld habe sei .....
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Radiguet,  Raymond    





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